Es ist eine ewige Diskussion: Sollen Sport und Politik vermischt werden. Im Fußballkreis Euskirchen hat diese Diskussion nun zu einem Paukenschlag geführt.

Sport und PolitikRücktritt des Sportgerichts im Fußballkreis Euskirchen ein sportliches Dilemma

Weil ein Schiedsrichter sich für die AfD engagiert und im Fußballkreis einen Vorstandsposten bekleidet, ist das Sportgericht fast vollständig zurückgetreten.
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Der Fußball lebt von Fairness, Respekt und dem Miteinander. Genau deshalb erschüttert der geschlossene Rücktritt des Kreissportgerichts nun den Fußballkreis Euskirchen. Nicht, weil ein Ehrenamt niedergelegt wird – das kommt vor. Sondern, weil hier zwei Grundprinzipien frontal aufeinanderprallen: die parteipolitische Neutralität eines Verbandes und die persönliche Wertehaltung seiner Ehrenamtler.
Juristisch scheint der Fall klar zu sein. Der Fußball-Verband Mittelrhein kann ein Amt nicht allein deshalb entziehen, weil jemand Mitglied einer zugelassenen Partei ist. Das wäre rechtlich angreifbar und könnte den Verband selbst in Schwierigkeiten bringen. Daran führt kein Weg vorbei. Doch damit ist die Diskussion nicht beendet.
Sportverbände sind mehr als Verwaltungsapparate
Sportverbände sind mehr als reine Verwaltungsapparate. Sie verstehen sich selbst als Vermittler von Werten. Sie werben mit Vielfalt, Respekt, Toleranz und demokratischer Kultur. Wenn Menschen, die diese Werte über Jahre ehrenamtlich vertreten haben, zu dem Schluss kommen, dass sie unter den gegebenen Umständen nicht mehr weitermachen können, dann sollte das niemand vorschnell als überzogene Reaktion abtun.
Genauso wenig wäre es richtig, Noah Schmuck pauschal zu verurteilen. Nach allem, was bekannt ist, gibt es weder Beschwerden von Vereinen noch von Spielern oder Eltern über seine Arbeit als Schiedsrichter oder Funktionsträger. Und der Verband erklärt ausdrücklich, dass es für ihn keine rechtliche Grundlage für personelle Konsequenzen allein wegen einer Parteimitgliedschaft gebe.
Die eigentliche Schwäche offenbart sich an anderer Stelle: Der Verband diskutiert diese Frage seit mehr als einem Jahr. Geschehen ist in dieser Zeit wenig. Ob die Sportrichter mit ihrem Rücktritt die richtige Entscheidung getroffen haben, darüber lässt sich streiten. Dass der Verband keine einfache Lösung hat, darüber ebenfalls. Unstrittig ist aber: Der Fußballkreis Euskirchen hat ein komplettes Sportgericht verloren. Und damit Ehrenamtler, die teils seit zwei Jahrzehnten Verantwortung übernommen haben.
Am Ende gibt es deshalb keinen Sieger. Nicht Noah Schmuck. Nicht die zurückgetretenen Sportrichter. Nicht den Verband. Verlierer ist der Amateurfußball, der mehr denn je auf Menschen angewiesen ist, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Gerade deshalb muss der Fußball jetzt einen Weg finden, diese Debatte sachlich und ohne ideologische Schützengräben zu führen.

