Nicht nur der Last-Minute-Transfer des FSV fiebert dem Fußball-Mittelrheinliga-Derby entgegen, sondern auch vier weitere Rückkehrer.
Schnelles Wiedersehen mit Tim KeilSiegburg empfängt Neunkirchen-Seelscheid

Coach Christoph Gerlach (vorne) und der FSV wollen auch in Siegburg jubeln.
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Dieses schnelle Wiedersehen hatte bis vor Kurzem niemand vorausahnen können. Wenn der Fußball-Mittelrheinligist FSV Neunkirchen-Seelscheid am Sonntag zum Siegburger SV 04 reist, ist auch Tim Keil an Bord. Jener Spieler, der im Sommer eigentlich von den 04ern zum SV Allner-Bödingen gewechselt war. Auch, um den Fußball besser mit seinem Job als Bundespolizist zu vereinbaren. Beim A-Ligisten wurde Keil als „Königstransfer“ vorgestellt und in den Mannschaftsrat gewählt, bis er wenige Tage vor dem Saisonstart kalte Füße bekam – und sich doch für die ambitioniertere Variante entschied. „Der Zeitpunkt war schon suboptimal“, so Coach Sascha Harnischmacher vom SVA. „Trotzdem wünschen wir Tim alles Gute.“ Die mitschwingende Enttäuschung kann Keil nachvollziehen: „Klar hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber ich habe auf meinen Bauch gehört: Ich wollte weiter Oberliga-Fußball spielen.“ Die Vorbereitung habe ihm diesbezüglich „die Augen geöffnet“.
Eine Vorbereitung, die Spuren hinterlassen sollte. Im wahrsten Sinne des Wortes: „Ich hatte in den paar Wochen mehr Schmerzen als in zwei Oberliga-Jahren – ganz einfach, weil man mehr auf die Socken bekommt.“ Auch die geringe Trainingsbeteiligung und Testspiele wie das gegen den B-Ligisten SV Menden (2:8) ließen keine Vorfreude aufs A-Liga-Abenteuer aufkommen.
Tims Aggressivität und sein Tempo tun uns gut
Während der SVA also seinen Leader ziehen lassen musste, durfte sich der Aufsteiger Neunkirchen-Seelscheid über einen sofort einsatzberechtigten Last-Minute-Zugang freuen. Denn Keil hatte kein Pflichtspiel für den A-Ligisten bestritten. „Als wir Tim im Sommer kontaktiert haben, hatte er schon in Allner zugesagt“, berichtet FSV-Coach Christoph Gerlach. „Dann ging die Tür plötzlich doch noch auf und wir haben die Chance ergriffen. Auch wenn wir vorher schon mega happy waren mit unserem Kader: Tim ist eine willkommene Verstärkung.“ Dafür nehme man auch die eine oder andere berufsbedingte Trainingsabsage in Kauf. Keils Debüt gegen Frechen (3:1) verlief verheißungsvoll: Als Joker trug er zum ersten Mittelrheinliga-Sieg der Klubhistorie bei, indem er den Elfmeter zum 2:0 herausholte.
Nicht auszuschließen, dass der 26-Jährige am Sonntag von Beginn an ran darf. „Seine Aggressivität und sein Tempo tun uns gut“, erklärt Gerlach. „Gegen Frechen haben wir ihn als Flügelstürmer eingesetzt, aber er ist auch hinten rechts gut aufgehoben.“ Dort kam er in Siegburg auf 54 Einsätze (2 Tore/17 Assists) – und das, obwohl er bei seinem vorherigen Verein SC Uckerath als Stürmer für Furore gesorgt hatte (57/37). „Ich habe mich ein bisschen in die Außenverteidiger-Position verliebt“, sagt Keil. „Von dort aus kann ich noch mehr anschieben und mich pushen. Egal, wo mich der Trainer aufstellt: Ich bin heiß.“ Nicht zuletzt auf das Wiedersehen mit Stürmer Nico Kuhbier: „Er war mein Sitznachbar in der Kabine und mein engster Buddy in Siegburg.“ Am Sonntag werde die Freundschaft allerdings 90 Minuten ruhen: „Klar ist Siegburg der Favorit. Aber wenn wir so auftreten wie gegen Frechen, ist was drin für uns.“
Alexander Otto fordert Reaktion
Neben Keil kehren auch Michael Hermanni, Niklas Krämer, Christopher Mai und Nils Stephan (gesperrt) an alte Wirkungsstätte zurück. Auch Gerlach trug als Reserve-Spielertrainer schon das Trikot der 04er. Allerdings nur eine Halbserie lang, denn im Winter 2014 wurde das Bezirksliga-Team abgemeldet. Vor ziemlich genau zwei Jahren kehrte der Coach schon einmal nach Siegburg zurück, als der FSV im Walter-Mundorf-Stadion zum ersten Mal den Kreispokal gewann (2:1 gegen Mondorf). Diesmal ist man gegen den Gastgeber gefordert – und auf Kunstrasen: „Siegburg wird topmotiviert und top eingestellt sein. Erst recht nach dem überraschenden 2:5 in Zülpich.“
Die Pleite beim Aufsteiger veranlasste SSV-Trainer Alexander Otto Klartext zu reden: „Wir haben eine Lektion erteilt bekommen. Nämlich die, dass wir keine Punkte im Vorbeigehen holen können. Ich erwarte eine Reaktion.“ Der Respekt vor dem Gegner ist groß: „Wir treffen auf einen eingeschworenen Haufen, der Frechen verdient geschlagen hat und bis in die Haarspitzen motiviert sein wird.“ Allen voran Keil.
Mutlu Demir kehrt nach Hohkeppel zurück
Der FC Hennef 05 baut auch im Match bei Eintracht Hohkeppel (So., 15.30 Uhr) auf sein Interimsgespann an der Seitenlinie. Neben Co-Trainer Mesih Celik werden erneut dessen Bruder Erol (Sportchef) und Mutlu Demir (Sportdirektor) auf der Trainerbank sitzen. Letzterer kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück: Im Sommer 2024 hatte er Hohkeppel als Chefcoach zum Regionalliga-Aufstieg geführt, doch nach nur sechs Partien in der neuen Liga folgte der Rauswurf.
Die 05er fahren mit Rückenwind ins Oberbergische, denn das Spiel eins nach dem überraschenden Rücktritt von Trainer Nils Teixeira sollte man gewinnen. Erol Celik attestierte der Mannschaft nach dem 2:1-Erfolg über den SSV Bornheim eine „reife Leistung“. Hohkeppel ließ indes mit einem 7:0 in Königsdorf aufhorchen, wobei der im Sommer aus Hennef verpflichtete Kai Schusters erneut in der Startelf stand – und seinen ersten Treffer markierte.