Zwei Tage lang beherbergte die Mechernicher Burg Satzvey ein großes Ritter- und Wikingerlager. Rund 5000 Besucher lockte die Veranstaltung an.
Familien-EventKinder fühlten sich auf Burg Satzvey wie mittelalterliche Ritter

Gabriel, fünf Jahre alt und aus Brühl, am Halsgalgen: Martinus von Petrea (Martin Hemsing, l.) erklärte den Sinn der mittelalterlichen Zurschaustellung.
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Ritter spielen auf Burg Satzvey – das musste man am vergangenen Wochenende Hunderten von Kindern nicht lange vorschlagen. Sie waren die größte Gruppe der rund 5000 Besucher, die zum zweitägigen Spektakel mit großem Ritter- und Wikingerlager auf das Burggelände kamen.
52 Ritterfamilien und Wikinger-Stämme hatten auf der großen Wiese hinter der Budengasse des Mittelaltermarktes und dem eigentlichen Burggelände ihre Zelte und Jurten dicht an dicht entlang des Rundweges über das Gelände aufgebaut. So entstand eine Flanier- und Aktionsmeile, die so recht nach dem Geschmack der jungen Besucher der 12. Veranstaltung dieser Art war.
Falkner aus Overath präsentierten ihre Vögel
Auch der neunjährige Leon aus Püttlingen bei Saarbrücken war mit seinen Eltern deshalb nach Satzvey gereist. Doch er stoppte am Ausgang des Gutshofes. Hier hatte Falkner Thomas Krohn aus Overath seinen Stand zum Kinderritterfest aufgebaut: „Wir haben einen nordamerikanischen Wüstenbussard, einen Wanderfalken aus Afrika, einen Waldkauz, die weitverbreitetste Eulenart in Deutschland, und eine Schleiereule dabei“, so Krohn.
„Oswald“, die Schleiereule, wurde derweil von Krohns Mitarbeiterin Vivien Krawczyk behutsam auf den mit einem dicken Lederüberzug geschützten Unterarm von Leon gesetzt. Der Junge wirkte zuerst leicht angespannt, doch Vivien beruhigte ihn: „Du kannst Oswald ruhig mit dem Finger am Hals kraulen, das mag er.“

Die Freundinnen Milia (acht Jahre, l.) und Milia (elf Jahre, r.) aus Simmerath wetteiferten um den Sieg beim Schwertkampf auf dem Schwebebalken.
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Danach ging es auch für den jungen Saarländer aber zur großen Ritterlagerwiese. Vor Leons Augen öffnete sich ein weites Feld aus weißen Zelten, dazwischen dichtes Gewusel vor allem junger Besucher. Gleich am Eingang warb ein Ritter damit, einmal eine Axt auf eine Holzwand zu schleudern – es galt, um Aufmerksamkeit zu buhlen.
Darauf musste – versetzt man sich ins hohe Mittelalter zurück – leider auch Gabriel hoffen. Der Fünfjährige aus Brühl hatte sich von Martinus von Petrea (Martin Hemsing), dem Folterknecht, in den Halsgalgen stellen lassen. Das war einmal ein probates Mittel der Zurschaustellung von Delinquenten auf dem Marktplatz zur Abschreckung und öffentlich bekundeter Reue.
Ein Bede-Eintreiber erklärte das mittelalterliche Steuersystem
Gabriels Eltern Sina und Daniel Katic wirkten angesichts der „Tortur“, der sich ihr Sohn freiwillig unterzog, etwas gequält, vor allem als ihnen Johann I. von der Freien Ritterschaft der Grafen des Kurfürsten von Brandenburg, einer von acht Mitgliedern der Darstellergruppe, erklärte, was Gabriel einst geblüht hätte: „Im Galgen stand man gebeugt. Das geht aufs Kreuz und auf den Kreislauf. Man konnte kollabieren und schlimmstenfalls: Exitus!“
Verglichen damit war der Bede-Eintreiber hinter seiner Abgabebox im großen Wohnzelt der Gruppe, eher ein friedlicher Vertreter der Obrigkeit. Holger (Elbing) erklärte den Vorläufer des Steuersystems, die Bede, die seit Mitte des 14. Jahrhunderts nachgewiesen ist. „Die Bede war eine Geldabgabe, die die Landes- oder Grundherren verlangten. Von den Bauern wurden zusätzlich Naturalienabgaben wie der Zehnte verlangt.“

Schleiereule Oswald ließ sich von Leon aus Püttlingen im Saarland auf den Arm nehmen. Vivien Krawczyk (l.) hatte ein Auge auf den Vogel.
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„Ist das witzig!“ Solche spontanen Ausrufe neben lautem Gelächter waren während seiner Ausführungen aus einer immer wieder großen Zuschauergruppe vor einem zur Lagergasse offenen Zelt zu hören. Marcel, Sebastian und Berthold spielten den „Einarmigen Wikinger“, den Vorläufer des gleichnamigen Spielhallen-Banditen. Komplett!
Der Hebel bei älteren Modellen des Automaten war eine an einem Seilzug hängende Latte, die die Kinder gegen ein Brett schlugen. Das löste bei dem munteren Wikingertrio eine Kettenreaktion aus. Mit lautem, gleichförmigem Gemurmel und rollenden Armen imitierten sie das Drehen der Glückssymbolzylinder, stoppten das Drehen und griffen zu kleinen Wertungstäfelchen mit Fruchtsymbolen: „Zwei Kirschen, eine Zitrone!“ Zum Beispiel. Der Gewinn in diesem Fall waren zwei Tütchen Gummibärchen. Glücksspiel kann süchtig machen.
Ein Magnet hält „Thors Hammer“ eisern fest
Erik, sechs Jahre und aus Hürth, hatte diese Station des Mitmachparcours schon hinter sich, als er versuchte „Thors Hammer“ von seiner Standplatte im Gras zu heben. Mutter Kathrin Krauß fasste unterdessen zusammen, was ihr am Kinderritterfest auf Burg Satzvey besonders gut gefiel: „Die gehen hier toll auf die Kinder ein. Und zum Glück ist es hier nicht so übervoll. Das Allermeiste kostet auch nichts, das ist mit dem Eintrittspreis bezahlt.“
Nur etwa die Schildermalerin nehme wie seit Jahren fünf Euro pro Bemalung. Erik bekam unterdessen magische Kräfte: Frank Evertz, der „Thors Hammer“ betreute, hatte mit einem Finger einen Zeigefinger von Erik angestupst – und siehe da, „Thors Hammer“ war plötzlich fast federleicht – und der Magnet, der das Hammerblech auf der Stahlplatte darunter fixierte, gelöst.

Tim unterstützte den neunjährigen Ilkay beim Bogenschießen.
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So konnten die Kinder entlang der Lagerzelte der angereisten 52 Ritterfamilien und Wikingerstämme – unter anderem aus Bruchsal, Aachen, Düren, Essen, Dortmund, Köln, Euskirchen und Weilerswist – viel erleben und ausprobieren. Auf der kleinen Turnierwiese des Wikingerstamms „Virtibus Unitas“ (Vereinte Kräfte) bedeutete das, auf dem kleinen Pappmaché-Turnierpferd und mit vorgestreckter Lanze einen Gegner zu rammen.
Unter der großen Jurte der 15-köpfigen Darstellergruppe aus Alsdorf, Köln, Ratingen, Moers und Essen freute sich Felix Jeschke: „Wir Ritter und Wikinger aus ganz Deutschland treffen uns hier. Das ist wie eine große Familie. Und wir müssen nicht nach dem Wochenende wieder abbauen. Wir bleiben bis zum Pfingstwochenende mit den eigentlichen Ritterspielen hier.“
Pfingsten finden dann die eigentlichen Ritterspiele auf Burg Satzvey statt
Und dann, so David von Wolfsfurth (Karlshausen) aus Aachen, Mitglied der „Freien Ritterschaft Ostbelgiens“ wenige Meter weiter, „wollen wir ja nicht gegeneinander, sondern miteinander kämpfen. Danach wird ja gemeinsam getrunken“. Von Wolfsfurth beobachtet gerade den Knappen Mauricius von Birkesdorf (Maurice Petmann), der dem dreijährigen Leonard aus Bonn einen voluminösen, mit dichten eisernen Kettengliedern besetzten Lederhandschuh über den Arm streifte.
„Schon wieder!“ Ben, der Ritter im eher rostigen Exemplar des Schutzhemdes, ist des Sterbens müde. Doch was blieb ihm nach dem Hieb mit der stumpfen Seite der Langaxt, die Julian, zehn Jahre und aus Heimerzheim, auf seinen Helm sausen ließ, anderes übrig. „50-mal an einem Sommertag“ musste Ben der Ritter sich so geschlagen geben. Zur Gaudi der kleinen Vermöbler, ob mit Holzschwertern oder der Langaxt. Noch beliebter aber waren zum Beispiel das Bogenschießen am Stand der „Haderer“ und vor allem der Schwertkampf auf einem Balken.
