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NaturschutzIn der Kakushöhle bei Mechernich werden Fledermäuse gewogen und vermessen

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Eine Wasserfledermaus wird von einem Mann vorsichtig in der linken Hand festgehalten, an der er zum Schutz einen schwarzen Gummihandschuh trägt.

Markus Thies hat diese Wasserfledermaus gesund gepflegt. Sie wurde in der Nacht in der Kakushöhle freigelassen.

Fledermaus-Experte Markus Thies vermittelt den Besuchern in der Kakushöhle in Theorie und Praxis viel Wissenswertes.

Wenn das Tageslicht weicht, dann ist ihre Stunde: Fledermäuse sind die faszinierenden Könige der Nacht. Mit ihrer Ultraschallortung können sie sich auch in der dunkelsten Umgebung zurechtfinden und sich ihre Wohnquartiere in tiefen Höhlen einrichten. Die Geheimnisse der winzigen Raubtiere können Interessierte bei den Fledermausnächten in der Kakushöhle erfahren. Jedoch: Auch der zweite Termin dieses Jahres am Freitag ist ausgebucht.

Beim ersten Termin folgten knapp 50 Interessierte zuerst einmal den Ausführungen von Markus Thies. Er ist einer der profundesten Fledermauskenner in der Region und hat sein Hobby, den Schutz der Fledermäuse, zum Beruf gemacht. Vor dem Eingang zur Kakushöhle versammelte er die Besucher und vermittelte ihnen jede Menge Fachwissen.

Die Trockenheit in der Eifel tut den Fledermäusen nicht gut

Hoffnung, Fledermäuse an dieser Stelle am Fuß der Felswand sehen zu können, machte er allerdings nicht: „Im Augenblick ist es zu trocken.“ Die Beutetiere der meisten Fledermausarten, Mücken etwa, entwickeln sich vor allem in Pfützen oder Rinnsalen – die es zur Zeit nicht gibt. Deshalb seien die Fledermäuse dort unterwegs, wo sie noch Nahrung finden. Doch es bestehe die Möglichkeit, dass sich auch an der Kakushöhle Zwergfledermäuse zeigen.

Bis dahin plauderte Thies über seine Erfahrungen mit Fledermäusen und die Entwicklung, die nicht erfreulich ist. Denn die Menschen haben durch ihr Verhalten den Rückgang der Populationen bis zum Aussterben mancher Arten verursacht. Etwa der Kleinen Hufeisennase, die einmal die häufigste Fledermausart im Ahrtal und der Eifel gewesen sei.

Die Tiere seien in den 60er- und 70er-Jahren durch die Verwendung von Lindan, einem Insektizid, steril geworden, so dass sie keinen Nachwuchs mehr hatten. „Die Letzte habe ich im Bleibergwerk tot gefunden“, so Thies. Das Exemplar sei sogar das letzte in ganz NRW gewesen. Kaum anders sei es bei der Großen Hufeisennase, von der noch eine Wochenstube im Land bekannt sei.

Eine Fledermaus hängt in einem feinen Netz.

In feinen Netzen verfingen sich die Fledermäuse in der Kakushöhle.

Rainer Schulz steht an einem Netz und befreit vorsichtig die Fledermäuse, die sich darin verfangen haben.

Vorsichtig befreite Rainer Schulz die Tiere aus dem Netz.

Markus Thies untersucht eine Fledermaus. Mehrere Menschen schauen ihm dabei zu.

Markus Thies untersucht, misst und wiegt die Fledermäuse. Die Teilnehmer der Exkursion konnten ihm bei seiner Arbeit über die Schulter gucken.

Eine Frau hat ihre Hände geöffnet. Davon fliegt eine Fledermaus weg.

Von den Händen der Besucher flogen die Fledermäuse wieder davon.

Immer wieder blickte Thies in den Himmel und hielt den Fledermausdetektor in die Höhe, der die Ultraschallsignale der Tiere in auch für den Menschen hörbare Frequenzen verwandelt. „Jede Art hat ihre eigene Rufhöhe“, führte Thies aus. Wie Ornithologen Vögel anhand ihrer Gesänge unterscheiden können, identifiziert er verschiedene Fledermausarten anhand der Echorufe.

Auch über seine Arbeit als Tierschützer berichtete er. Denn oft müsse er Fledermausbabys großziehen, die unterernährt oder im Stich gelassen aufgefunden wurden. Vier Wochen dauere es in der Regel, die Kleinen zu pflegen, bis sie fliegen können. Wenn die Tiere groß genug seien, versuche er, sie in der Kolonie, aus der sie stammten, freizulassen. „Die Mutter erkennt die Rufe der Babys und kommt sie abholen“, berichtete er. Selbst wenn die Kolonie schon weitergezogen sei, passiere es oft, dass zum Beispiel Tanten die Rufe des Kleinen hören und dann die Mutter holen. „Ich kann sie großziehen, aber das Jagen müssen sie von ihren Eltern lernen“, betonte Thies.

In der Kakushöhle werden die Fledermäuse untersucht

„Es ist interessant, so viel über Fledermäuse zu erfahren“, sagte Julia Behrendt aus Zülpich, die mit ihrem Mann Andi bei der Veranstaltung war. Sie seien fasziniert von diesen Tieren, seit sie in ihrem Garten abends immer wieder Besuch von ihnen bekommen, sagte er.

Mit Rainer Schulz hatte Thies in der Kakushöhle Netze aufgespannt, mit denen er Fledermäuse fangen wollte. Nicht aus Selbstzweck, sondern um diese zu zählen, zu wiegen und zu vermessen. Denn nur so können die Forscher einen Überblick über die Verbreitung und den Erhaltungszustand der Art gewinnen. Bei dieser wichtigen Arbeit konnten die Teilnehmer dem Fledermausexperten über die Schulter gucken.

Seit seiner Jugend sei er unterwegs, um Fledermäuse zu markieren, zu besendern und für den Erhalt der Arten zu sorgen, berichtete Schulz, während er immer wieder mit der Taschenlampe auf das Netz leuchtete. „Fledermäuse sind faszinierend“, sagte er. Ihre lautlose Art zu jagen begeistere ihn.

Erst spät ließen sich die lautlosen Jäger in ihrer Höhle blicken

Doch schneller Erfolg war den Fledermausschützern an diesem Abend nicht beschieden. Mehr als eine Stunde warteten sie mit den Besuchern, ohne dass sich eine Fledermaus hätte blicken lassen. „Hier wartet man ja länger als bei Mäckes“, so Max, dessen Geduld auch auf die Probe gestellt wurde.

So dünnte die Reihe der Besucher aus, bevor sich um kurz nach 21 Uhr die erste Zwergfledermaus in den hauchdünnen Netzen verfing. Um ein lebendes Exemplar zu zeigen, holte Thies eine von ihm gesund gepflegte Wasserfledermaus aus ihrer Transportbox, die in dieser Nacht freigelassen werden sollte. Doch plötzlich ging es Schlag auf Schlag: Offensichtlich war eine größere Gruppe Zwergfledermäuse in die Kakushöhle gekommen, um nach Nahrung zu suchen. Immer wieder mussten Thies und Schulz laufen, um die Tiere schonend und vorsichtig aus den Netzen zu befreien, bevor sie untersucht wurden. Bereits kurz nach 22 Uhr rollten die beiden Fledermausschützer die Netze wieder ein.

Tierschützer ist mit dem Zustand der Fledermäuse zufrieden

Bis auf eine Mückenfledermaus waren es ausschließlich Zwergfledermäuse, die ins Netz gingen. Erfreulich dabei für Thies, der jedes Tier sorgfältig untersuchte, vermaß und wog, dass der Ernährungszustand oft gut war. „6,8 Gramm, das ist schon fast Übergewicht“, sagte er zufrieden. Die Tiere dürften eine Stelle gefunden haben, an der sie genug zu fressen finden. Vor allem Weibchen seien dabei, viele davon Muttertiere, stellte er fest. Mit einem Tupfer Nagellack wurden die Tiere markiert, damit sie erkannt werden können, sollten sie noch einmal ins Netz fliegen. Dann bekamen sie die Handfläche eines Besuchers als Startrampe in die Freiheit.

So auch die des sechsjährigen Luca aus Hürth, der von dem Erlebnis ganz ergriffen war. Weich sei sie, berichtet er, nachdem er die Fledermaus hatte streicheln dürfen. Ganz weich und flauschig fühle sich die Fledermaus an, bestätigte Sigrid Weber aus Euskirchen, nachdem das Tier von ihrer Hand in die Dunkelheit verschwunden war: „Ich habe sie mir ganz anders vorgestellt.“ Die Veranstaltung sei sehr informativ gewesen, es sei toll gewesen, so viel Fachwissen zu erleben. Dass dieser Abend ihr besonders gefallen habe, sei aber kein Wunder: „Ich bin Batman-Fan.“

„Ein cooler Abend, ich bin begeistert“, sagte Bürgermeister Michael Fingel, der mit seinem Sohn in die Kakushöhle gekommen war. Er habe Respekt vor der Leistung der Fledermausschützer. Und für die Kinder sei es wichtig, dass sie so etwas live erleben können und nicht nur alles aus Büchern erfahren.