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GesundheitsversorgungMechernicher Onkologie-Patienten müssen weitere Wege in Kauf nehmen

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Das Foto zeigt die Praxis für Radiologie, Nuklearmedizin und Innere Medizin - Onkologie GbR, die ihren Sitz am Kreiskrankenhaus in Mechernich hat.

In direkter Nachbarschaft zum Mechernicher Kreiskrankenhaus befindet sich die Praxis für Radiologie, Nuklearmedizin und Innere Medizin an der St.-Elisabeth-Straße. Die Onkologie kam im Jahr 2009 dazu.

Am 4. August endet in der Mechernicher Onkologie die persönliche Behandlung der Krebspatienten. Wann die Facharztstelle neu besetzt wird, steht noch nicht fest.

Im Jahr 2009 wurde das Mechernicher Röntgeninstitut um eine Onkologiepraxis erweitert. „Dahinter steht die Idee, Patienten mit Tumorerkrankungen die entsprechende Diagnostik und die notwendige Therapie unter einem Dach zeitnah anbieten zu können“, ist auf der Internetseite der Praxis zu lesen.

Doch die Betreuung von Tumorpatienten steht in Mechernich aktuell auf der Kippe: Johannes Philipzen, Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und internistische Onkologie, hat sich auf eigenen Wunsch aus der Praxis zurückgezogen und wird derzeit von einem anderen Mediziner vertreten. Über die Nachbesetzung hat die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein noch keine Entscheidung getroffen.

„Die Nachbesetzung ist ein rechtlich kompliziertes Thema und wird im Zulassungsausschuss der KV behandelt“, teilte Dr. Manfred Szangolies, Geschäftsführender Gesellschafter des Röntgeninstituts Mechernich, mit. Man sei an das „komplizierte Verfahren nach Paragraf 103 Abs, 3 ff. SGB V gebunden“ und könne aus diesem Grunde nicht in das laufende Verfahren eingreifen.

„Während einer laufenden Therapie ist man eigentlich ständig in der Praxis“

Für Thomas Voß und seine Frau Barbara aus Kommern stellt die Ungewissheit über die Zukunft der Praxis eine große Belastung dar. Bei dem 66-Jährigen wurde im Februar 2025 Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. „Das war ein Zufallsbefund, ich hatte keine Beschwerden“, berichtet der Kommerner. Allerdings hatten sich bereits Metastasen gebildet, weshalb in seinem Fall keine Operation in Betracht kam. „Inzwischen habe ich 27 Chemotherapien absolviert – leider ohne durchschlagenden Erfolg. Jetzt gelte ich als austherapiert.“

Die beiden Genannten sitzen nebeneinander.

Krebs-Patient Thomas Voß, hier mit seiner Frau Barbara, sorgt sich um die Versorgung aller Onkologie-Patienten im Raum Mechernich

Unzählige Male hat er in den vergangenen anderthalb Jahren die Onkologie in Mechernich aufgesucht. „Während einer laufenden Therapie ist man eigentlich ständig in der Praxis“, berichtet Voß: „Zur Blutuntersuchung, oder wenn man die Chemo nicht verträgt und eine Infusion gegen die Übelkeit bekommt.“ Die wohnortnahe Versorgung in Mechernich sei während der Behandlungen ein echter Segen gewesen.

„Wenn es einem so schlecht geht, dass man kaum vom Sofa hochkommt, ist es eine enorme Belastung, wenn man zum Beispiel bis nach Düren zur Onkologie fahren müsste“, sagt Voß. Denn genau das befürchten die Eheleute jetzt, wenn es in Mechernich keine Nachfolge in der Praxis geben sollte.

Patient aus Kommern beklagt „katastrophale Informationslage“

Betroffen wären zahlreiche Patienten aus den Eifel-Kommunen im Kreis Euskirchen. „Wir sind mobil, wir können woanders hin und haben uns frühzeitig um einen Platz in Düren gekümmert“, ergänzt ihr Mann Thomas Voß: „Aber wie sollen das ältere oder alleinstehende Patienten schaffen?“ Besonders stört den 66-Jährigen und seine Frau, dass das Thema nicht transparent von der Praxis kommuniziert worden sei. Es habe zum Teil widersprüchliche Informationen gegeben, zum Beispiel über die Frage, wie lange die ärztliche Vertretung für die Patienten gesichert sei. „Das war insgesamt gesehen eine katastrophale Informationslage“, beklagt sich Voß.

Großes Interesse daran, dass die Betreuung von Krebspatienten in Mechernich fortgeführt werden kann, hat man auch im benachbarten Kreiskrankenhaus. „Als langjährige Kooperationspartner versuchen wir, dauerhaft eine ambulante onkologische Versorgung am Standort zu sichern“, teilte Krankenhaus-Sprecherin Jennifer Linke mit: „Dies ist für beide Partner wichtig im Sinne einer wohnortnahen Versorgung onkologischer Patientinnen und Patienten in Mechernich.“

Wann die Stelle neu besetzt wird, weiß die Kassenärztliche Vereiningung noch nicht

Die Kreiskrankenhaus Mechernich GmbH habe auf diesen Prozess jedoch wenig Einfluss: „Voraussetzung ist die Zulassung der KV Nordrhein für die entsprechende Tätigkeit“, so Linke. Ausdrücklich widersprach die Krankenhaussprecherin einer unter Patienten kursierenden Behauptung, das Kreiskrankenhaus habe sich gegen eine Zusammenarbeit mit der Onkologie am Dürener St.-Marien-Hospital ausgesprochen.

Wann die Entscheidung über die ärztliche Zukunft der Praxis fällt, kann aktuell aber selbst die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein nicht sagen. Immerhin teilte die KV mit, dass „für die Zulassung des genannten Arztes derzeit ein Nachbesetzungsverfahren läuft. Damit können sich nun interessierte und entsprechend qualifiziert Mediziner auf diese Zulassung bewerben.“

Wir hoffen sehr, dass vor Ort in Mechernich alsbald wieder eine onkologische Versorgung möglich sein wird.
Dr. Manfred Szangolies, Geschäftsführender Gesellschafter des Röntgeninstitut Mechernich

Hier bleibe aber die weitere Entwicklung abzuwarten: „Als KVNO sind wir sehr daran interessiert, dass in der betreffenden Konstellation eine möglichst baldige Übernahme / Weiterführung der Zulassung erfolgen kann und haben die Situation auch über unsere örtliche Kreisstelle Euskirchen im Blick.“

In welcher Form die ärztliche Vertretung bis zur Neubesetzung geregelt werde, falle außerdem nicht in den Zuständigkeitsbereich der KV Nordrhein. Das sei Sache der Praxis.

Personalengpässe und Kapazitätsprobleme verschlechtern die Versorgung

Hier kann Dr. Szangolies Auskunft geben: „Die Vertretung von Herrn Philipzen wird bis zum 4. August für die Patienten vor Ort sein, vom 5. bis zum 21. August ist der Vertreter für die Patienten der Onkologie telefonisch erreichbar, eine persönliche Behandlung ist dann nicht mehr möglich.“

Begründet wird dies mit Personalengpässen. „Unsere Bemühungen zur Organisation der Patientenversorgung lagen und liegen weiterhin bis zur Nachbesetzung der Kassenzulassung unseres Kollegen in der Übernahme durch andere qualifizierte Einheiten“, sagt Szangolies. Das MVZ Euskirchen habe bislang hervorragend daran mitgewirkt, insbesondere die aktuellen onkologischen Patienten zu übernehmen.

„Jetzt scheinen aber tatsächlich Kapazitäten erschöpft zu sein. Wir können das selbst nicht abschließend beurteilen, sehen aber den hervorragenden Einsatz der Ärzte in Euskirchen, alle denkbaren Alternativen aufzuzeigen und einzubinden“, so der Mediziner weiter: „Wir hoffen sehr, dass vor Ort in Mechernich alsbald wieder eine onkologische Versorgung möglich sein wird.“ Sollte es bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten Probleme geben, seien die KV und die jeweilige Krankenkasse Ansprechpartner.

Für den Patient Thomas Voß hat unterdessen eine andere Frage an Bedeutung gewonnen: Er hofft, für die Teilnahme an einer Arzneimittelstudie der Uni Mainz zugelassen zu werden: „Meine letzte Hoffnung ist, dass mir dieses neue, noch nicht zugelassene Medikament helfen könnte.“