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Holocaust-GedenktagClara-Fey-Schule in Schleiden erinnert an das Leben von Anne Frank

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Fünf Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer der Clara-Fey-Schule in Schleiden stehen zusammen und betrachten ein Plakat an einer Stellwand.

Mitglieder der Gedenken-AG der Schleidener Clara-Fey-Schule, hier sind es Maja Hölz, Lucy Baltzer und Julia Hermanns (v.l.), erläutern Mitschülern ein Plakat der Anne-Frank-Ausstellung im Medienraum der Schule. Geschichtslehrer Patrick Quella (r.) hat die Gründung der AG im vergangenen Jahr begleitet.

Durch die Vergangenheit für die Gegenwart lernen ist der Ansatz zur Woche rund um den Holocaust-Gedenktag in Schleiden.

Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland hat einen festen Platz im Schulleben der Schleidener Clara-Fey-Schule (CFS). In diesem Jahr steht in der Woche rund um den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar das Leben Anne Franks im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen der Schulgemeinschaft und einer Ausstellung, die die Gedenken-AG der Schule initiiert hat.

„Ziel ist es, durch den Blick in die Vergangenheit für die eigene Gegenwart zu lernen“, betont Latein- und Geschichtslehrer Patrick Quella, der die Gründung der AG begleitet hat und voll des Lobes für das Engagement der Schülerinnen und Schüler ist. Neben eigenen Arbeiten werden in der Ausstellung auch Plakate der digitalen Ausstellung des Berliner Anne-Frank-Zentrums präsentiert.

„Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Video zur historischen Einordnung sowie weitere kreative Angebote, die Geschichte und Erinnerungskultur greifbar machen sollen“, erklärt Quella den pädagogischen Ansatz: „Und weil wir eine Schule sind und Wissensvermittlung immer dazugehört, sollen die Schülerinnen und Schüler während des Besuchs der Ausstellung auch noch ein Arbeitsblatt mit Fragen zum Leben Anne Franks bearbeiten.“

An der Schleidener Schule werden verschiedene Impulse gesetzt

Unter dem diesjährigen Leitmotiv der Gedenkwoche „Anne und ich: erinnere – bedenke – handle“ sollen noch bis zum Freitag verschiedene Impulse gesetzt werden. Die Ausstellung selbst richtet sich dabei an Schülerinnen und Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe.

„Das Thema ist uns allen sehr wichtig, und deshalb bin ich froh, dass wir damit auch junge Menschen ansprechen können“, sagt Lucy Baltzer, die wie ihre Mitschülerinnen Maja Hölz und Julia Hermanns die Jahrgangsstufe EF des Clara-Fey-Gymnasiums besucht. Alle drei engagieren sich zusammen in der Gedenken-AG der Schule.

Schülerinnen der Gedenk-AG der Clara-Fey-Schule beschäftigen sich mit dem Schicksel von Anne Frank.

Nach dem Besuch der Ausstellung können Schülerinnen und Schüler auch ihre eigenen Gedanken über Anne Franks Schicksal zu Papier bringen und an eine Gedenkwand heften.

Der Zugang zum jüdischen Friedhof in Schleiden ist mit einem Gitter und einem Schild versperrt, da dort bauliche Mängel beseitigt werden müssen.

Der Zugang zum jüdischen Friedhof in Schleiden, eigentlich die erste Station auf dem Erinnerungs-Parcours der Clara-Fey-Schüler, ist aktuell wegen baulicher Mängel versperrt.

Maja Hölz hat am Dienstag, dem Holocaust-Gedenktag, über die Lautsprecheranlage der Schule auch den einleitenden Text zu einer Schweigeminute der gesamten Schulgemeinschaft vorgetragen. „In einer Zeit von Ausgrenzung, Hass und Gewalt“, heißt es in ihrem Text, „schrieb Anne diese Worte: ,Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu verändern! Wie herrlich ist es, dass jeder, klein und groß, direkt seinen Teil dazu beitragen kann, um Gerechtigkeit zu bringen und zu geben'.“

Worte, die einen in diesen Tagen unweigerlich an den Widerstand und den Protest gegen das Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE in Minneapolis im amerikanischen Bundesstaat Minnesota denken lassen. „Die aktuellen Bilder aus den Nachrichten haben mich auch an die Familie Frank erinnert, die vor den Nazis von Frankfurt nach Amsterdam geflohen ist“, sagt Lucy Baltzer: „So wie sie sind heute auch in Amerika migrantische Familien von Abschiebungen bedroht.“

Schüler entwickeln einen interaktiven Parcours durch die Innenstadt

Das Engagement der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft lobt auch Schulleiterin Roswitha Schütt-Gerhards: „Ich bin immer positiv beeindruckt, wenn ich sehe, mit wie viel Überzeugung und Ernst die Schülerinnen und Schüler bei der Sache sind.“ Besonders erfreut zeigte sich die Schulleiterin darüber, dass auch Klassen des benachbarten Johannes-Sturmius-Gymnasiums die Einladung angenommen haben, sich im Laufe der Gedenkwoche die Anne-Frank-Ausstellung anzusehen.

Darüber hinaus hat die AG auch einen interaktiven Parcours durch die Schleidener Innenstadt entwickelt. Unter dem Titel „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Schleiden“ lädt er zum Erkunden ein und ist offen für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für interessierte Erwachsene.

„Die Gedenkwoche verbindet Erinnerung mit Gegenwart und ermutigt dazu, Verantwortung heute zu übernehmen“, betont Patrick Quella. Die Verbindung zur Stadt Schleiden und zur näheren Umgebung sei besonders dazu geeignet, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, das die Gräuel der Nazi-Zeit nicht nur 1000 Kilometer entfernt in Auschwitz oder Theresienstadt stattfanden. „Es gab jüdisches Leben in der Eifel. Über eine App führt der Parcours zu den Zeugnissen aus dieser Zeit, die in der Stadt sichtbar sind: zum jüdischen Friedhof, zu den Stolpersteinen in der Innenstadt und zum Mahnmal am Alten Rathaus“, so Quella.


Biparcours-App

Spuren des jüdischen Lebens in Schleiden kann man über die Biparcours-App von „Bildungspartner NRW“ erleben. Mitglieder der Gedenken-AG der Clara-Fey-Schule haben die Inhalte für die kostenfreie App aufbereitet, die Nutzer auf einen interaktiven Parcours durch Schleiden führt. Die erste Station des Parcours, der jüdische Friedhof in Schleiden, kann momentan jedoch nicht betreten werden: Weil es bauliche Mängel an einer Friedhofsmauer gibt, ist der Zugang zum Friedhof derzeit gesperrt.