Von den rund 160 Besuchern im Harperscheider Dorfsaal wurde Biggi Wanninger gefeiert. Im Herbst will sie vielleicht wieder in die Eifel kommen.
Kabarett und mehrBiggi Wanninger zeigt beim Soloprogramm in Harperscheid viele Gesichter

Diva kann sie auch: Als Montserrat Caballé spielt Biggi Wanninger ihre Qualitäten als Sängerin aus.
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„Was für ein schöner Abend!“, sagte Biggi Wanninger sichtlich bewegt kurz vor Ende ihres Soloabends im Dorfsaal in Harperscheid. Und auch wenn die Kölner Kabarettistin seit vielen Jahren bühnenerprobt ist, war ihr anzumerken, dass diese Worte ehrlich und nicht einstudiert waren. Ebenso offen zeigten die Besucher ihre Anerkennung und Zuneigung für die Schauspielerin: Mit stehenden Ovationen bedankten sie sich für das, was sie in den mehr als zwei Stunden erleben durften. Mit rund 160 Besuchern war der Saal ausverkauft.
Fans der Stunksitzung kennen Biggi Wanninger von ihrer Rolle als Sitzungspräsidentin, die während der Karnevalszeit Abend für Abend das Programm der alternativen Sitzung präsentiert. Doch auch als Schauspielerin und Sängerin ist sie aktiv, und verlässt immer wieder gern die Empore des Bühnenbilds im Kölner E-Werk, um mit den Kollegen bei den Sketchen mitzuwirken.
Bekannt machte sie dabei nicht zuletzt ihre Trude-Herr-Imitation, ihre Parodie auf den ehemaligen Fußballmanager Rainer Calmund oder das Duett mit dem Frontmann der Hausband der Stunksitzung, Ecki Pieper, in dem sie als Freddie Mercury und Montserrat Caballé mit dem opulenten „Fastelovend“ den Hit „Barcelona“ neu interpretierten.
Bereits 2012 traten die Stunkerinnen in Wolfert auf
Es war Wanninger pur, die sich nun in der Eifel präsentierte. „Es ist mein erstes Soloprogramm, und es wird wahrscheinlich auch mein Einziges bleiben“, sagte sie im Gespräch. Dass es sie damit in die Eifel verschlagen hat, ist kein Zufall, denn die Eifel ist ihr wegen familiärer Verbindungen nicht unbekannt. Bereits 2012 trat sie mit ihrer Stunksitzungskollegin Anne Rixmann in Wolfert auf. Und nun Harperscheid. Sie selbst habe sich um einen Auftritt in der Eifel beworben, berichtete sie: „Ich spiele so gerne.“
Da sie selbst im ländlichen Umfeld aufgewachsen sei, sei sie auch gerne außerhalb von Köln unterwegs. „Ich bin gern in kleinen Sälen“, sagte sie. Sie liebe den direkten Kontakt zum Publikum. Einen generellen Unterschied zwischen Stadt und Land habe sie nicht feststellen können. Wie gut der Abend funktioniere, hänge immer davon ab, wie das jeweilige Publikum zusammengesetzt sei.

Als Stunksitzungs-Präsidentin ist Biggi Wanninger bekannt.
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Ausverkauft war der Saal in Harperscheid. Da es viele weitere Kartenwünsche gab, ist eine Wiederholung des Abends im Herbst denkbar.
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Das Programm habe sie während der Corona-Pandemie zusammengestellt, als sie wegen des Lockdowns nicht habe auftreten können. „Das waren Sachen, die ich schon gemacht habe“, erklärte sie. Die seien im Laufe der Zeit immer wieder aktualisiert worden. Manchmal notgedrungen, wie sie lachend gestand: So brachte sie den Sketch, in dem sich das Engelchen Trude Herr über Sexismus im Himmel aufregt, nicht im originalen Engelchen-Kostüm.
Das hing zwar am Garderobenständer parat, doch es passe mittlerweile nicht mehr. 2018, als der Sketch erstmals aufgeführt worden sei, sei das Kostüm noch mit jeder Menge Watte gefüllt worden, um einen Bauch vorzutäuschen. Doch nun passe es auch ohne die Watte nicht mehr. Deshalb spielte sie die Nummer nicht, sondern las das Originalskript vor, inklusive der Bühnenanweisungen. „Zum Schluss kamen die Stunkmänner in Bunnykostümen und tanzten lasziv. Also, sie versuchten lasziv zu tanzen. Sie haben getanzt. Sie haben sich irgendwie bewegt“, ließ sie die Nummer wieder auferstehen.
Biggi Wanninger beschäftigt sich mit vielen Themen
Mit vielen Themen beschäftigte sich Wanninger: Pflegenotstand und Älterwerden etwa. Wobei sie überlegte, dass sie sich in ihren 20 statistisch noch verbleibenden Lebensjahren noch 20-mal von ihrem Ehemann trennen könnte. Allerdings müsste sie jedes Mal zurückkehren, weil sie sich in ihrem Alter keine neuen Vornamen merken könne.
Sie offenbarte ihre WG-Erfahrungen und sprach über die Zeiten ihres Corona-Arbeitsverbots. Immer wieder gab es auch von der ausgebildeten Sängerin Musik zu hören. Mal war es besinnlich-jazzig, mal das internationalisierte „Heidewitzka, Herr Kapitän“ oder sie schlüpfte erneut in die Rolle der Operndiva Montserrat Caballé, die Ballermann-Songs im Opernsound servierte – und nicht zuletzt der Stunksitzungs-Klassiker „Schunkeln ist Scheiße“.
Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. Da das Interesse an Karten größer war als die Kapazität des Saales, offerierte Wanninger eine Rückkehr nach Harperscheid. „Vielleicht im Herbst“, sagte sie und richtete so gleich die nächste Initiativbewerbung an die Mitarbeiterinnen der GfW Schleiden, die den Abend mit Unterstützung des Dorfgemeinschaftsvereins Harperscheid realisiert hatten.

