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SchonfristDie Diskussion um den Erhalt der Marktschänke in Roisdorf geht weiter

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Die „Roisdorfer Initiatoren“ kämpfen weiterhin für den Erhalt der „Marktschänke“ (von links): Frank Koch vom Maiclub, Andrea Mey und Stefan Kempf von der Marktschänke, Ralf Schumacher, Urheber der Online-Petition, Elmar Reiffert vom Gewerbeverein, Claudia Hänel vom Ortsausschuss, Dr. Ernst Gierlich von den Heimatfreunden und Ortsvorsteher Karl-Heinz Nauroth.

Die „Roisdorfer Initiatoren“ kämpfen weiterhin für den Erhalt der „Marktschänke“ (von links): Frank Koch vom Maiclub, Andrea Mey und Stefan Kempf von der Marktschänke, Ralf Schumacher, Urheber der Online-Petition, Elmar Reiffert vom Gewerbeverein, Claudia Hänel vom Ortsausschuss, Dr. Ernst Gierlich von den Heimatfreunden und Ortsvorsteher Karl-Heinz Nauroth.

Im Rathaus gab es einen Ausschuss mit den 14 Vetreterinnen und Vertretern. 

Die „Marktschänke“ bekommt eine Schonfrist. Wirt und Pächter Stefan Kempf darf Roisdorfs letzte Kneipe im Rosental hinter dem Bahnhof zumindest bis Ende des Jahres noch weiterbetreiben.

Dies stellte Günter Bock von der CEV Handelsimmobilien GmbH in einem Gespräch im Bornheimer Rathaus am Montagnachmittag in Aussicht. Zu dem Gespräch hatte Bürgermeister Christian Mandt (CDU) auf Wunsch der Politik eingeladen. Die Rede ist seitdem von einem sogenannten Initiativkreis „Roisdorf trifft sich“.

Roisdorf soll soziale und kulturelle Treffpunkte stärken

Der Austausch im Rathaus, an dem 14 Vertreterinnen und Vertreter aus örtlichen Vereinen, Gewerbetreibenden, der Stadtverwaltung, das Pächterpaar sowie Bock von der CEV teilnahm, wurde als Auftaktveranstaltung für den Initiativkreis gesehen. Dabei ging es aus Sicht der Stadt nicht nur um die Zukunft der „Marktschänke“, sondern vor allem auch darum, wie Roisdorf seine sozialen und kulturellen Treffpunkte stärken könnte.

Gut zweieinhalb Stunden dauerte das Gespräch, das Ernst Gierlich, Vorsitzender der Heimatfreunde Roisdorf, der Rundschau gegenüber als „konstruktiv“ bezeichnete. Er sprach auch von einer „sachlichen Atmosphäre“, gleichzeitig ebbt die Kritik gegenüber der Stadt, der Politik und der Edeka-Gruppe, die „Marktschänke“ abreißen zu lassen, nicht ab.

Das erklärt die CEV:

Die CEV Handelsimmobilien GmbH mit Sitz in Hamburg gehört zur Edeka-Gruppe. Bock erläuterte die aktuelle Planung auf dem Grundstück, dessen Eigentümerin die Edeka-Gruppe ist und auf dem das Lokal steht. Laut Bock sei eine geplante Erweiterung der angrenzenden Lagerhalle in Richtung Süden aus „betrieblichen Gründen“ vorzusehen. Edeka möchte dort die vorhandene Bananenreiferei erweitern. Um den Lkw-Verkehr zu ermöglichen, sollen eine Einbahnstraßenregelung eingerichtet sowie Wartestellplätze geschaffen werden. Davon ist auch der Bereich der „Marktschänke“ betroffen.

Bock sicherte zu, diesen Bereich nach Vorliegen einer detaillierteren Planung genauer zu untersuchen und die Ergebnisse in einer der kommenden Sitzungen des Initiativkreises vorzustellen. Noch im Juni soll von der Edeka der Bauantrag bei der Stadt eingereicht werden. In Aussicht gestellt wurde eine Verlängerung des Mietvertrages für die Gaststätte bis Ende 2026 in Abstimmung mit dem Pächter und analog zur Regelung mit den Musikfreunden Roisdorf, die dort einen Übungsraum haben.

Das sagt der Bürgermeister:

„Roisdorf braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen, Gemeinschaft erleben und Kultur entsteht. Mit dem Initiativkreis haben wir heute einen konstruktiven Rahmen geschaffen, um gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Die Bereitschaft aller Beteiligten, offen und lösungsorientiert zu diskutieren, stimmt mich zuversichtlich“, sagte Mandt. Er regte zudem an zu prüfen, ob ein Abriss des Gebäudes der Musikfreunde zugunsten der „Marktschänke“ möglich sei, sofern die freiwerdende Fläche für eine geplante Lkw-Umfahrung ausreiche, auch wenn die Eigentümerin in diesem Bereich wenig Spielraum sehe.

Das sagt der Technische Beigeordnete: Es geht in dem Areal nicht nur um die „Marktschänke“, sondern auch um das benachbarte Versteigerungsgebäude, das wiederum städtisches Eigentum ist. Eine Umnutzung des seit längerem leerstehenden Gebäudes würde laut Robert Lehmann eine neue Baugenehmigung erfordern und erhebliche Anforderungen an Statik, Brandschutz, Schadstoffe und Barrierefreiheit nach sich ziehen. Insgesamt gehe eine Sanierung und Wiedernutzung des Gebäudes mit hohem finanziellen Aufwand und deutlichen Risiken von „unerwarteten Erkenntnissen“ einher.

Roisdorf Marktschänke Gespräch mit Bürgermeister

Bilder von der Marktschänke

Roisdorf Marktschänke Gespräch mit Bürgermeister Bilder von der Marktschänke

Die Stadt könne dort zudem weder aus finanziellen noch aus personellen Ressourcen eine gastronomische Nutzung des Gebäudes planen. Hinzu komme, dass der Mobilitätsausschuss im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsbereichs erst kürzlich die Planung für eine Park-and-Ride-Anlage beschlossen und den entsprechenden Förderantrag eingereicht hat.

Alternativen:

Wird die „Martkschänke“ abgerissen, gibt es Überlegungen, an anderen Orten in Roisdorf auf private Initiativen hin einen Treffpunkt für Vereine und Bürger zu schaffen. Judith Stein-Lange aus dem Bereich der Kulturförderung stellte vier aktuelle Förderprogramme vor und betonte, dass die Stadt eine private Initiative bei der Antragstellung unterstützen würde, aber nicht als Trägerin eines Förderprojektes auftreten könne.

Das sagen die Heimatfreunde als Teil der „Roisdorfer Initiatoren“:

 „Das letzte Wort ist in der Sache noch nicht gesprochen“, gibt sich Ernst Gierlich dieser Zeitung gegenüber kämpferisch und kritisierte die aus seiner Sicht „beschönigende Darstellung“ der Stadt. Nach dem Gespräch mit der Stadt hatten die „Roisdorfer Initiatoren“ verabredet, eine Petition an den Edeka-Konzern zu richten, „in der eine alle Seiten berücksichtigende Korrektur der Pläne“ gefordert wird.

Man zeigte sich zudem gespannt auf die Vorlage detaillierterer Pläne des ehemaligen Versteigerungsgeländes bei einem von der Stadt angekündigten weiteren Treffen des Initiativkreises, die vielleicht Lösungen für einen Erhalt der Marktschänke am bestehenden Ort, wenn auch in reduzierter Form, aufzeigen könnte.

„Die Roisdorfer Initiatoren bleiben aktiv und setzen dabei auf den anhaltenden Rückhalt in der Bevölkerung, wie er schon durch die überwältigende Beteiligung an den betreffenden Ausschusssitzungen der Stadt im März zum Ausdruck gebracht worden war. Dem Interesse der Roisdorfer zuwider laufende Entscheidungen dürften für das Ansehen von Stadt und Edeka alles andere als förderlich sein“, betonte Gierlich.

Das sagt der Gewerbeverein:

Auch wenn der Vorsitzende des Gewerbevereins, Harald Stadler, wie berichtet, wegen seiner aus Sicht der Stadt „rückwärtsgewandten Argumente“ explizit nicht zu dem Gespräch eingeladen worden war, äußerte er sich dieser Zeitung gegenüber per E-Mail: „Nach Darstellung der Edeka gibt es keine Alternative zum geplanten Abriss der Marktschänke. Als Begründung werden betriebliche Abläufe angeführt. Auffällig ist jedoch, dass der Denkmalschutz in der städtischen Pressemitteilung keinerlei Rolle spielt.“

Roisdorf Marktschänke Gespräch mit Bürgermeister

Im November 2025 feierte Roisdorfs Karnevalsprinzessin Nicole I. (Pällmann) in der Martkschänke noch ihre Hofburgerstürmung.

Roisdorf Marktschänke Gespräch mit Bürgermeister Im November 2025 feierte Roisdorfs Karnevalsprinzessin Nicole I. (Pällmann) in der Martkschänke noch ihre Hofburgerstürmung.

Bürgermeister Mandt, zugleich Dienstvorgesetzter der Unteren Denkmalbehörde, habe dieses Thema offenbar nicht vertieft. Eine vorläufige Unterschutzstellung hätte zumindest eine Anpassung der Planungen erforderlich gemacht oder die Erweiterung möglicherweise verhindert.“ Stadler meinte zudem wiederholt, dass ein Erhalt der „Marktschänke“ weder politisch noch vom Bürgermeister gewollt sei.

Diese Behauptung wurde allerdings im Vorfeld durch Aussagen Mandts, dem der Erhalt der Gaststätte nach eigener Aussagen „sehr am Herzen liegt“ mehrfach widerlegt. Statt Stadler nahm dessen Stellvertreter Elmar Reiffert an dem Gespräch im Rathaus teil.

Der Initiativkreis wird seine Arbeit in sechs bis acht Wochen fortsetzen. Im Mittelpunkt der nächsten Sitzung sollen die konkreteren Planungen des Eigentümers wie mögliche nächste Schritte für eine private Förderinitiative stehen.