Abo

VerkehrBaustoffunternehmer widerspricht Bürgern aus Müggenhausen und ist für Osttangente

5 min
Das Bild zeigt einen Lkw, der gerade aus Müggenhausen herausfährt.

Der Schwerlastverkehr in Müggenhausen ist eine Belastung. Aber auch Unternehmer fordern die Osttangente.

Ein Euskirchener Unternehmer fordert die Osttangente in Weilerswist. Die Südtangente ist aus seiner Sicht für Müggenhausen keine Alternative.

Der zunehmende Schwerlastverkehr rund um Müggenhausen, Vernich und Schwarzmaar sorgt seit Monaten für Spannungen – zwischen Anwohnern, Politik und Unternehmen. Nun meldet sich mit dem Euskirchener Unternehmen Josef Esser Sand und Kies GmbH ein betroffener Unternehmer zu Wort. Das Unternehmen hat zwar seinen Firmensitz im Ipas, betreibt aber zwischen Vernich und Schwarzmaar einen Kies-Tagebau sowie ein Beton-Werk und nutzt damit intensiv die Straßen rund um Weilerswist.

Niklas Hostnik, der Geschäftsführer der Josef Esser Sand und Kies GmbH, weist zentrale Vorwürfe der Bürgerinitiative „Pro-Osttangente“ zurück, zeigt zugleich aber Verständnis für die Belastung der Menschen vor Ort. „Ich kann nachvollziehen, dass der Verkehr für viele Anwohner belastend ist“, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er selbst sei an einer stark befahrenen Straße in Ollheim aufgewachsen und kenne die Auswirkungen von Lkw-Verkehr seit seiner Kindheit. Dennoch müsse die aktuelle Situation differenziert betrachtet werden.

Unternehmer widerspricht der Bürgerinitiative bei den Fahrzeiten

Besonders deutlich widerspricht er der Darstellung, der Baustellenverkehr beginne bereits in den frühen Morgenstunden. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung habe er erneut Rücksprache mit den Verantwortlichen der Baustelle am Ipas-Kreisverkehr gehalten. „Die regulären Fahrten beginnen um sieben Uhr“, sagt er. Vereinzelt könnten Maschinen zwar früher angelassen werden, ein flächendeckender Lkw-Verkehr ab 5.20 Uhr entspreche jedoch nicht den tatsächlichen Abläufen.

Auch die Kritik an angeblich ungesicherten Ladungen weist das Unternehmen weitestgehend zurück. Der Großteil der Fahrzeuge sei mit modernen elektrischen Schiebeplanen ausgestattet. „Allein aus wirtschaftlichen Gründen haben wir ein großes Interesse daran, dass die Planen geschlossen bleiben“, erklärt Hostnik.

Offene Ladefläche erhöht den Dieselverbrauch deutlich

Offene Aufbauten würden den Kraftstoffverbrauch um drei bis vier Liter auf 100 Kilometer erhöhen und könnten zudem Bußgelder nach sich ziehen. Einzelne Verstöße könne man allerdings nie vollständig ausschließen. „Und bei der wirtschaftlichen Lage und den Dieselpreisen ist das schon viel“, so der Geschäftsführer.

Ähnlich äußert sich das Unternehmen zu Beschwerden über verschmutzte Straßen. Nach Angaben des Geschäftsführers habe die Bezirksregierung bereits Kontrollen durchgeführt. Dabei seien keine relevanten Verschmutzungen der Kreisstraße festgestellt worden. „Den Experten sind bei einer Ortsbegehung keine Verschmutzungen auf der K3 unmittelbar hinter der Kieswerk-Zufahrt aufgefallen. Und wie sollen die Verschmutzungen dann bis nach Müggenhausen kommen?“, so Hostnik.

Das Bild zeigt einen Lkw, der auf der K3 in Richtung Schwarzmaar fährt.

Täglich rollen zahlreiche Lkw durch Müggenhausen und Schwarzmaar. Die Osttangente wollen nicht nur Anwohner, sondern auch Unternehmen, die ihre Gewerbe in dem Areal haben.

Gleichzeitig betont er die wirtschaftliche Bedeutung der ansässigen Betriebe. Die Firmengruppe beschäftige rund 65 Mitarbeiter und zahle Gewerbesteuern in Euskirchen und Weilerswist. „Auch Unternehmen und Arbeitsplätze müssen bei der Diskussion berücksichtigt werden“, sagt er. Der zusätzliche Verkehr hänge aktuell insbesondere mit den laufenden Arbeiten am Ipas-Kreisverkehr zusammen. Dort würden unter anderem Asphaltfräsarbeiten und Materialtransporte durchgeführt.

Belastungsgrenze erreicht Dass die Situation für viele Anwohner inzwischen kaum noch erträglich erscheint, bestreitet allerdings auch der Unternehmer nicht. Seit Beginn mehrerer Straßenbaumaßnahmen rollen täglich zahlreiche Lastwagen durch die Ortsdurchfahrten von Vernich, Schwarzmaar und insbesondere Müggenhausen. Bewohner berichten von anhaltendem Lärm, Abgasen und Erschütterungen.

Anwohner: Belastungsgrenze längst überschritten

Nach Darstellung der Bürgerinitiative „Pro-Osttangente“ sei die Belastungsgrenze längst überschritten. Die Initiative hatte das Thema zuletzt erneut im Weilerswister Gemeinderat angesprochen und gleichzeitig mit einem Schreiben an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer eine Beschleunigung wichtiger Infrastrukturprojekte gefordert. Unterstützung erhält sie dabei auch aus der Kommunalpolitik. Bürgermeister Dino Steuer sowie Ortsbürgermeister Erwin Jakobs wandten sich an Landrat Markus Ramers und bezeichneten die Lage als unzumutbar.

Im Mittelpunkt der Forderungen steht seit Jahren der Bau einer Umgehungsstraße. Aus Sicht der Bürgerinitiative soll insbesondere die Kombination aus Ost- und Südtangente den Durchgangs- und Schwerlastverkehr dauerhaft aus den Ortskernen heraushalten. Vor allem die Südtangente könne eine spürbare Entlastung bringen, argumentiert die Initiative. Frühere verkehrsplanerische Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich dadurch sowohl die Belastung der Anwohner reduzieren als auch die Erreichbarkeit von Gewerbe- und Abgrabungsflächen sichern ließe.

Aus unserer Sicht ist der Bau der Südtangente die zentrale Maßnahme, um den Durchgangs- und Schwerlastverkehr aus den Ortskernen herauszunehmen und die betroffenen Ortsteile nachhaltig zu entlasten.
Michael Launhardt

„Aus unserer Sicht ist der Bau der Südtangente die zentrale Maßnahme, um den Durchgangs- und Schwerlastverkehr aus den Ortskernen herauszunehmen und die betroffenen Ortsteile nachhaltig zu entlasten“, betont Initiativen-Vorsitzender Michael Launhardt.

Niklas Hostnik sieht das allerdings anders. Aus seiner Sicht wäre vor allem die Osttangente sinnvoll. Diese könne den Schwerlastverkehr direkt an die Autobahn anbinden und damit die Ortsdurchfahrten entlasten. Kritisch bewertet er hingegen alternative Verkehrsführungen wie die diskutierte Südtangente oder Einbahnstraßenregelungen.

Wir als Unternehmen sind ganz klar für die Osttangente. Sie sollte lieber heute als morgen gebaut werden. Natürlich würde sie für uns ein paar Kilometer mehr bedeuten, aber das sind wir gerne bereit zu tragen.
Niklas Hostnik, Geschäftsführer

Dadurch würden die Probleme lediglich in andere Orte verlagert. „Wir als Unternehmen sind ganz klar für die Osttangente. Sie sollte lieber heute als morgen gebaut werden. Natürlich würde sie für uns ein paar Kilometer mehr bedeuten, aber das sind wir gerne bereit zu tragen“, so Hostnik.

Tatsächlich beschäftigt die Diskussion um Ost- und Südtangente die Gemeinde bereits seit Jahrzehnten. Schon Mitte der 1990er-Jahre wurde erstmals über die Osttangente gesprochen. Ursprünglich sollte die Straße die Anschlussstelle Weilerswist an der A61 mit den Ipas-Flächen verbinden. Später setzte die Gemeinde auf eine verkürzte Variante bis zur K3, um Vernich, Müggenhausen und Schwarzmaar vom Schwerlastverkehr zu entlasten.

Kurzfristige Maßnahmen zur Entlastung werden geprüft

Bereits vor Jahren wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung beauftragt, 2016 lag nach Angaben der Verwaltung sogar ein Planungsentwurf vor. Die Bezirksregierung stellte das Verfahren jedoch im Zuge der Neuaufstellung des Regionalplans zurück. Seitdem kommt das Projekt nur schleppend voran.

Inzwischen laufen nach Angaben der Gemeinde weitere Untersuchungen. Neben verkehrstechnischen Analysen wurden auch artenschutzrechtliche und landschaftsplanerische Prüfungen beauftragt. Weitere Schritte, etwa zu Entwässerung und Grundstücksfragen, befinden sich in Vorbereitung.

Parallel dazu werden kurzfristige Maßnahmen diskutiert. Im Gespräch sind unter anderem ein Durchfahrtsverbot für Lkw über 7,5 Tonnen, Tempo 30 in den Ortslagen sowie verstärkte Polizeikontrollen. Auch ein mögliches Einbahnstraßensystem für den Schwerlastverkehr wird geprüft. Entscheidungen dazu stehen allerdings noch aus

Trotz unterschiedlicher Positionen signalisiert der Unternehmer Gesprächsbereitschaft. Man halte sich an die geltenden Regeln und arbeite Beschwerden intern auf. „Wir wollen keine zusätzliche Belastung verursachen“, sagt er. „Aber aktuell müssen wir die bestehenden Verkehrswege nutzen.“