Die Zülpicher Römeralle ist wieder in beide Richtungen befahrbar. Gesäumt wird die sanierte Straße von Schwammstadtbäumen. Auch die Stadt Euskirchen arbeitet an mehr Klimaresilienz.
SanierungSchwammstadtbäume säumen nun die Zülpicher Römerallee

Auf der Zülpicher Römerallee fließt der Verkehr jetzt wieder in beide Richtungen, der erste Bauabschnitt ist fertig.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Der Verkehr rollt wieder ungehindert auf der Zülpicher Römerallee. Seit Freitag kann die Straße in beide Richtungen befahren werden. Der erste Bauabschnitt der Sanierung ist abgeschlossen. 68 neue Bäume säumen die Straße. Das besondere daran: Sie sind nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt.

Die Bäume stehen in einer Mulde, Stellenweise ist der Bordstein abgesenkt, damit Regenwasser von der Fahrbahn abfließen kann.
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Allzu lange wird der Verkehrsfluss nicht ungehindert bleiben. Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Er reicht vom Kreisverkehr an der Einmündung Industriestraße/Bergheimer Straße bis zum Kölntor, soll aber nicht in einem Zug abgearbeitet werden.
Denn er dürfte ähnlich aufwendig werden wie die jetzt abgeschlossene Maßnahme, die im April des vergangenen Jahres gestartet war. Schließlich wird die Ausfallstraße von Grund auf saniert, inklusive des Kanals und damit des gesamten Unterbaus. Für den zweiten Bauabschnitt werden derzeit zweieinhalb Jahre kalkuliert.
Feldahorne machen die Straße wieder zu einer echten Allee
Die Feldahorne, die die Römerallee jetzt wieder zu einer echten Allee machen, sind nicht nur einfache Straßenbäume. Die Art, wie sie gepflanzt sind, sei innovativ, sagt Zülpichs Technischer Dezernent Christoph Hartmann: „Es ist ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel.“
Ziel sei es, Regenwasser nicht mehr über den Kanal abzuführen, sondern vor Ort zu sammeln und im Untergrund versichern zu lassen. Die Stadt soll quasi wie ein Schwamm die Nässe speichern und langsam wieder abgeben. Nebenbei entlastet das auch die Kläranlagen. Dass die Bäume nicht in simplen Grünstreifen stehen, sieht man erst auf den zweiten Blick. Stattdessen sind es langgestreckte Mulden.
Das ist kein Bottich, der vollläuft.
Stellenweise ist der Bordstein abgesenkt, damit das Regenwasser von der Fahrbahn in Richtung der Bäume fließen kann. Allerdings: „Das ist kein Bottich, der vollläuft“, so Hartmann. Das gäbe einen Nässestau, der den Bäumen nicht bekommen würde. Stattdessen führt die Schicht, die von den Wurzeln durchzogen ist, das Wasser nach unten ab. Die Bäume stehen in extra tiefen Gruben.
Jeder Baum wolle nach unten wurzeln, erklärt der Dezernent. Nur dann, wenn der Untergrund zu fest sei, strecke er seine Wurzeln in die Breite aus. Zumindest in einer Richtung sind den Schwammstadtbäumen da Grenzen gesetzt: Zur Straße hin gibt es eine Sperre. Hartmann sieht Zülpich mit seinen Schwammstadtbäumen in einer Vorreiterrolle. „Das kommt jetzt überall“, ist er sicher.
Bäume haben genügend Abstand von der Straße
Während der Bauarbeiten hatten einige Zülpicher Bedenken angemeldet, die Bäume ständen zu dicht an der Straße. Der Abstand von der Bordsteinkante betrage 75 Zentimeter, sagt Hartmann. Es sei klar, dass die Kronen der Bäume nicht in den Straßenraum ragen dürften. Die Gefahr sieht er aber auch nicht. Denn bis die Bäume breitere Kronen ausprägten, seien sie ja auch schon in die Höhe gewachsen.
Im Zweifelsfall würden die unteren Äste gekappt. „Bei den alten Bäumen, die vorher hier gestanden haben, hat es ja auch funktioniert.“ Die Grünstreifen an der Römerallee sollen sich zu artenreichen Blühstreifen entwickeln. Mit Dreifacheffekt: wenig Pflegeaufwand, Arten- und Klimaschutz.
Auch die Stadt Euskirchen arbeitet auf Klimaresilienz hin
Die umgestaltete Weingartsgasse in Schweinheim soll künftig einen Beitrag zum Starkregen- und Hochwasserschutz leisten. Dabei verfolgt die Stadt Euskirchen gleich zwei Ziele: Niederschlagswasser soll bei Starkregen kontrolliert abgeleitet und gleichzeitig möglichst vor Ort zurückgehalten und versickert werden.
Vor dem Ausbau war die Weingartsgasse keine vollständig ausgebaute Straße. Sie bestand aus einem teilweise asphaltierten, teilweise unbefestigten Weg. Die Erneuerung erfolgte nach den „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ (RASt) und wurde als sogenannter Notwasserweg ausgeführt.
Mittelrinne leitet das Wasser ab
Herzstück der Maßnahme ist eine Mittelrinne, über die Oberflächenwasser bei Starkregen gezielt in Richtung Orbach geleitet wird. Am nördlichen Ende der Straße weitet sich die Verkehrsfläche. Dort entstanden begrünte Bereiche mit Rückhalte- und Versickerungsfunktion. Die Stadt verfolgt damit neben der schadlosen Ableitung des Wassers auch Elemente des sogenannten Schwammstadt-Prinzips. Wegen der engen Platzverhältnisse konnten die Grünflächen allerdings nur in begrenztem Umfang angelegt werden. Dass die Straße heute insgesamt stärker versiegelt ist als zuvor, ist nach Angaben der Stadt auf den richtlinienkonformen Ausbau zurückzuführen.
Der Technische Beigeordnete Wolfgang Honnecker betont, dass es sich nicht um ein einmaliges Pilotprojekt handelt. Die Stadt beschäftige sich bereits seit längerer Zeit mit dem Thema klimaangepasster Stadtentwicklung. „Die Weingartsgasse ist nicht das erste Projekt dieser Art“, sagt Honnecker. Je nach örtlichen Gegebenheiten kämen unterschiedliche Systeme zum Einsatz.
Wichtig ist, dass man das Prinzip ganzheitlich denkt.
Neben Mulden wie Schweinheim setzt die Stadt auch auf weitere Lösungen. Dazu gehören Wurzelkammersysteme mit unterirdischen Wasserspeichern oder Bordsteine, über die Regenwasser gezielt in Pflanzflächen geleitet wird. Ein ähnliches Konzept soll künftig auch in der Heinrich-Rack-Straße in Kuchenheim umgesetzt werden.
Nach Einschätzung Honneckers reicht es jedoch nicht aus, einzelne Maßnahmen umzusetzen. „Wichtig ist, dass man das Prinzip ganzheitlich denkt“, sagt er. Dazu gehörten auch Entsiegelungen, Regenrückhaltung sowie begrünte Dächer mit integrierten Wasserspeichern, sogenannte Grün-Blaudächer.
Gleichzeitig übernimmt die Weingartsgasse eine Funktion im örtlichen Hochwasserschutz. Als Notwasserweg soll sie überschüssiges Wasser bei Starkregen gezielt ableiten. „Für extreme Katastrophenereignisse ist die Maßnahme allein zu klein“, räumt Honnecker ein. „Aber bei Starkregen bringt sie durchaus einen spürbaren Effekt.“
Die Stadt setzt auf viele kleine Maßnahmen
Nach Auffassung der Stadt sind es vor allem viele kleinere Maßnahmen, die in ihrer Gesamtheit zur Klimaanpassung beitragen. Deshalb werde bei künftigen Straßen- und Bauprojekten grundsätzlich geprüft, ob sich Elemente des Schwammstadt-Prinzips integrieren lassen. Zusätzliche Kosten entstünden dadurch nicht zwangsläufig. Teilweise seien begrünte Mulden sogar günstiger als vollständig gepflasterte Flächen. Allerdings müssten sie regelmäßig gepflegt werden und benötigten Platz, der dann beispielsweise nicht mehr als Parkfläche zur Verfügung stehe.
Für Honnecker ist die Weingartsgasse deshalb ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer klimaresilienten Stadt. „Wo immer es möglich ist, versuchen wir, das Prinzip umzusetzen“, sagt der Technische Beigeordnete.
