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Grippewelle in OberbergErkrankte sollten an Karneval besser zuhause bleiben

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Die Symbolfoto zeigt eine Person, die im Bett liegt, im Vordergrund  ein Nasenspray und ein Fieberthermometer.

Infekte sollte man am besten zuhause auskurieren, wie dieses Symbolfoto zeigt.

Erkältungen und Grippewelle viele Oberberger leiden derzeit unter Atemwegserkrankungen. Ärzte raten Erkrankten, im Karneval zuhause zu bleiben.  

Überall wird geschnauft, gehustet und gestöhnt über Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Atemwegsinfekte haben seit Ende Dezember Saison. „Noch steigt die Zahl der akut Erkrankten, die Plateauphase ist noch nicht erreicht“, schildert der Gummersbacher Hausarzt Ralph Krolewski die Situation zu Karneval.

Aber handelt es sich nun um eine einfache Erkältung, die echte Grippe, RSV oder Corona? „Zurzeit gibt es eine große Nachfrage nach Fünffachtests“, hat Martina Dammüller, Inhaberin von zwei Apotheken in Wipperfürth und oberbergische Sprecherin der Apothekerkammer Nordrhein, beobachtet. Vor allem die Influenza plage gerade viele Patientinnen und Patienten, stellt Krolewski fest, überwiegend handle es sich aber um „normale“ Verläufe.

Schwere Fälle landen im Krankenhaus

Allerdings mussten im Januar 129 Patienten mit Grippe stationär im Klinikum Oberberg behandelt werden, 93 in Gummersbach, 36 in Waldbröl, teilt Sprecherin Angela Altz auf Anfrage mit. Alle hatten sich mit der Virusvariante A angesteckt, die schwerere Symptome verursacht als die mildere Variante B. In der vergangenen Woche kamen in Gummersbach 27 neue Fälle hinzu, in Waldbröl waren es zwölf.

Wohl denen, vor allem den Älteren und immungeschwächten Oberbergern und Oberbergerinnen, die sich – wie bundesweit rund 25 Millionen Menschen – rechtzeitig gegen die Grippe impfen ließen. „Seit drei Wochen gibt es keinen Impfstoff mehr, er ist überall vergriffen“, schildert Krolewski.

RSV ist gefährlich für Kinder

Sorge macht den Ärzten wie ihm und Ärztinnen die Atemwegserkrankung RSV, die besonders für kleine Kinder gefährlich ist. Sie erkranken achtmal häufiger als Erwachsene. „Die Kinderärzte des Klinikums sehen viele erkrankte Kinder mit Influenza und RSV in der Ambulanz, weil die Kinder einen zweiten Fieberschub bekommen oder weil das Fieber besonders lange anhält“, so Kliniksprecherin Altz. „Die meisten Kinder können zu Hause mit viel Ruhe und Flüssigkeit genesen. Wenn die Gefahr einer Lungenentzündung droht, bleiben die Kinder stationär.“

Acht Kinder mit RSV betraf das im Januar, ein Kind mit RSV wurde in der vergangenen Woche in Waldbröl aufgenommen. „Die Kinder bringen die Infekte aus Schule und Kindergarten mit nach Hause“, erklärt Hausarzt Ralph Krolewski. „Wir impfen auch jetzt noch Kinder, auch besonders gefährdete Angehörige, vor allem ältere Menschen.“

Corona spielt derzeit keine große Rolle

Corona spielt derzeit keine große Rolle. Nur ein Prozent der Patienten seien an Covid erkrankt, so Krolewski. Apothekerin Dammüller berichtet von einer regen Nachfrage nach Corona-Impfungen. Neun Fälle mit Corona wurden im Januar im Klinikum stationär behandelt, davon acht in Gummersbach und einer in Waldbröl. In der vergangenen Woche kam kein neuer Fall hinzu.

Angesichts der Grippe- und Erkältungswelle rät der Mediziner Krolewski, sich auf die in der Coronazeit wirkungsvollen Maßnahmen zu besinnen, um sich vor Ansteckung zu schützen: Händewaschen und Masken tragen. Und wenn es einen doch erwischt? Das Immunsystem unterstützen, rät Apothekerin Dammüller, „dann geht es schneller vorbei“.

Den Infekt zu Hause auskurieren, im eigenen Interesse und zum Schutz der Mitmenschen – mit fünf Tagen müsse man rechnen, betont der Hausarzt, der auch aktiv ist im Hausärzteverband Oberberg. „Alle Infektkranken stecken andere an.“ Deshalb bricht er eine Lanze für die telefonische Krankschreibung. „Wir sehen täglich zehn bis zwölf akut Erkrankte mit Symptomen. Wir müssen das Risiko in unseren Praxisräumen senken, unsere Ressourcen schonen.“ Dass sich jemand am Telefon den „Schein“ erschleiche, glaubt er nicht. „Wir Hausärzte kennen unsere Patienten, wir erkennen schon am Telefon, was los ist.“

Wie geht es nun weiter mit der „ganz normalen“ Grippesaison – und das zur Hochphase des Karnevals? „Wer mit Schniefnase zur Sitzung geht, hat gute Chance, zum Superspreader zu werden“, meint der Hausarzt. Aber es gibt Hoffnung: Zwölf bis 14 Wochen lang toben sich die Viren aus. Das heißt dann, Ostern könnte alles vorbei sein.