Die Gummersbacher Liberalen zeigen Präsenz und wollen das Überleben ihrer Partei auf lokaler Ebene sichern.
LokalpolitikGummersbacher FDP gibt nicht auf

Wie schützt man Kinder vor dem Smartphone? Gabriele Priesmeier (l. ) und Ursula Anton empfehlen eine liberale Lösung.
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In den Umfragen zur bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird die FDP nicht mehr einzeln aufgeführt. Auch in NRW und im Bund kämpft sie mit der Fünf-Prozent-Hürde und ums politische Überleben. In dieser Lage hilft es, dass die Eigenverantwortung zum Markenkern der Partei zählt. An der Gummersbacher Basis hat man den Liberalismus jedenfalls noch nicht aufgeben und krempelt die Ärmel hoch.
Das liegt an diesem Samstag in der Fußgängerzone aber auch am sommerlichen Wetter. Im Schatten der Linden vor der Vogtei hat der Ortsverband einen Infostand aufgebaut. Es ist kein Frühstart in den Landtagswahlkampf, sondern der Versuch mit einem bürgernahen Thema sich als Kümmerer in Erinnerung zu bringen.
Gummersbacher FDP setzt auf Eigenverantwortung
Unter dem Motto „Dein Blick zählt“ versuchen die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Shami Kriesten und die Parteiarbeitsgruppe „Kinder und Entwicklung“ mit jungen Familien ins Gespräch zu kommen, und zwar über die Nutzung von Smartphones und Social Media. Deren negative Einflüsse auf Schulkinder und Teenager sind gerade ein großes Ding in Politik und Medien. Die Gummersbacher Liberalen setzen auch bei diesem Thema weniger auf Gesetze und Verbote, sondern eben auf Eigenverantwortung.
Shami Kriesten erläutert, dass es schon bei Babys zu Entwicklungsverzögerungen kommen kann, wenn die Eltern sich dauernd das Handy vors Gesicht halten, statt sich mit ihrem Kind zu beschäftigen. Die Liberalen verschenken eine Bastelanleitung für einen „Handyparkplatz“. Auch über das Kindergartenangebot und die Schullandschaft möchte sie sprechen.
Die Resonanz am ersten von drei geplanten Aktionstagen ist noch etwas verhalten. Vorstandsmitglied Ulrich von Trotha bedauert: „Freiheit und Verantwortung, die zentralen Werte der FDP, sind derzeit nicht so attraktiv für die Menschen.“
FDP Gummersbach hat große Vergangenheit
Ortsvereinsvorsitzende Gabriele Priesmeier berichtet aber auch von Zuspruch: „Die Leute sagen, dass sie uns die Daumen drücken, damit wir wieder auf die Beine kommen. Es wird honoriert, dass wir uns hier außerhalb des Wahlkampf präsentieren.“ Priesmeier verwaltet ein stolzes Erbe. Die Gummersbacher FDP hatte einst zwölf Ratsmitglieder. Es ist die Partei von Gerhard Kienbaum, dem legendären Unternehmer, Landesminister, Land- und Bundestagsabgeordneten, der sich in den 1960er Jahren erfolgreich für den Bau der Heuss-Akademie in Niederseßmar einsetzte.
Gummersbach wurde zum liberalen Mekka, die Parteiprominenz gab sich die Klinke in die Hand. Diese Zeiten sind vorbei. „Die Heuss-Akademie war ein wichtiger Faktor fürs Netzwerken“, sagt Priesmeier. „So etwas könnten wir gerade jetzt gut gebrauchen.“
Ursula Anton führt eine nur noch zweiköpfige Ratsfraktion an, will aber nicht klagen, sondern kämpfen. „Wir müssen vor allem mehr junge Wähler erreichen und nicht nur das ältere Publikum, das noch mit Kienbaum groß geworden ist.“ Der Teamgeist in Ortsverband und Fraktion gibt ihr Hoffnung. Dass der Aufbruch in der Bundespartei ausgerechnet vom 74-jährigen Parteiveteranen Wolfgang Kubicki verkörpert werden soll, ist für die beiden Gummersbacherinnen kein Widerspruch. „Seinetwegen hatten wir vier Parteieintritte und sind jetzt wieder 52 Mitglieder.“
Wie auch immer, die Gummersbacher Liberalen wissen, dass sie sich nur selbst retten können. Am kommenden Samstag stehen sie wieder vor der Vogtei.
