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AbfallWenn das Nutella-Glas in die braune Tonne fliegt, gibt's in Lindlar prompt Probleme

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Das gehört hier nicht rein: Michael Dresbach auf der Leppe-Deponie in Lindlar mit den Fundstücken des Tages. Die bereiten richtig Probleme bei der Aufbereitung von Bio-Abfällen.

Das gehört hier nicht rein: Michael Dresbach auf der Leppe-Deponie in Lindlar mit den Fundstücken des Tages. Die bereiten richtig Probleme bei der Aufbereitung von Bio-Abfällen.

In der Kompostierung des Entsorgungszentrums Leppe landen viele Dinge, die da nichts zu suchen haben. Das erschwert das Aufbereiten von Bio-Müll.

Was ist das denn? Michael Dresbach hat mit Argusaugen alles im Blick. In der voll beladenen Schaufel des Radladers versteckt sich zwischen Obstschalen, Blättern und Essensresten eine kaputte Stichsäge. Gerade hat ein Müllwagen seine Last in der Kompostierungsanlage des Entsorgungszentrums Leppe in Lindlar abgekippt.

„Unglaublich!“, sagt der Leiter der Anlage und seufzt. „Manche Leute begreifen einfach nicht, was in die Biotonne gehört und was nicht.“ Aus einem Container klaubt er weitere Fundstücke, die an einem einzigen Tag im organischen Abfall gefunden worden sind, der dort recycelt werden soll: Ein Pferdehalfter, eine Blechschüssel, ein einzelner Stiefel, ein Pullover, eine orangefarbene Arbeitsjacke – „Das geht gar nicht“, findet Dresbach. „Seit 28 Jahren arbeite ich gern hier, die Kompostieranlage ist sozusagen mein Baby. Aber heute finden sich immer noch genauso viele Fremdstoffe im Biomüll wie vor 28 Jahren.“

Am schlimmsten seien Plastiktüten und Plastikfolien, auch die vermeintlich kompostierbaren, jetzt im Frühjahr zudem viele Kunststofftöpfe von Pflanzen. All das muss in mehreren Arbeitsgängen aufwendig entfernt werden, denn wer möchte, dass Plastikschnipsel oder Scherben mit dem Kompost wieder im Blumenbeet landen?

Schon an der ersten Schranke wird in Lindlar jeder Lastwagen kontrolliert

An der Schranke wird jeder Lastwagen bei der Einfahrt überprüft, mehr als ein Prozent „Störstoffe“ darf der Inhalt der Müllwagen laut Gesetz nicht enthalten. Der Bioabfall türmt sich zu einem großen Berg in der Halle und wird mit dem Radlader in die Sortieranlage gefahren, in mehreren Stufen gereinigt und zerkleinert. Ein Magnet zieht Metall heraus – Dresbach hat inzwischen eine komplette Bestecksammlung aus Messern, Gabeln, Löffeln. Ständig klimpern aussortierte Kronkorken in einen Sammelbehälter.

Am Ende sortieren Maschinen alles aus, was größer ist als vier mal vier Zentimeter. In den beiden Fermenter-Türmen gärt der größte Teil der Biomasse drei Wochen bei 40 Grad, dann wird in drei Blockheizkraftwerken Strom daraus gewonnen. Der Rest wird – vermischt mit frischem Bioabfall – kompostiert und ebenso wie der flüssige, organische Dünger, der bei dem Prozess entsteht, an den Garten- und Landschaftsbau und an Landwirte für die Verbesserung des Bodens verkauft. Aktuell ist er sehr gefragt, weil durch den Krieg im Iran die Preise für Kunstdünger steigen.

In 21 Sprachen erklären Oberbergs Entsorger das richtige Trennen und Sortieren von Abfällen

Es ist eine Kreislaufwirtschaft, die in der Aufbereitungs- und Deponierungsgesellschaft Avea betrieben wird. Mit zwei Problemen: Je höher der notwendige technische Aufwand, umso teurer wird die Entsorgung und umso höher die Müllgebühren. Vor allem aber enthält der fertige Kompost trotz aller Sorgfalt Mikroplastik, obwohl er zum Schluss noch mal zerkleinert und von kleinsten Plastikschnipseln befreit wird, stellt Avea-Bereichsleiter Thomas Wagner fest.

All das ließe sich vermeiden, würde von Anfang an nur der richtige Abfall in der braunen Tonne landen. Dafür wird mit Plakaten, Bildern, Tonnenaufklebern und in 21 Sprachen geworben. Regelmäßig wird auch morgens vor der Abholung in Stichproben der Inhalt von braunen Tonnen kontrolliert.

„Da finden sich dann volle Windeln, Katzenstreu, Pizzakartons mit Plastikbesteck“, ärgert sich der Leiter der Bav-Abfallwirtschaft Christoph Rösgen. Wo das passiert, bleibt die Tonne stehen. Nicht alle Bürgerinnen und Bürger zeigten Verständnis. „Der krasseste Fall war ein junger Mann, der ein halbvolles Nutella-Glas in die braune Tonne geworfen hatte und achselzuckend meinte, das würde doch vom Entsorger ausgeleert.“

Wo sich Störstoffe häuften, wird mehrfach kontrolliert. „Wir kennen die Hotspots“, sagt Rösgen und umschreibt sie mit „verdichteter städtischer Bebauung“. Helfe alles nichts, würden entsprechende Siedlungen im Interesse der Qualitätssicherung von der braunen Tonne ausgeschlossen. Kompostierungsleiter Michael Dresbach will auch nach 28 Jahren die Hoffnung noch nicht aufgeben. „Es liegt vor allem an der Bequemlichkeit der Leute“, glaubt er. „Dabei wäre es doch so einfach.“


Zahlen aus der Aufbereitungs- und Kompostierungsanlage Leppe in Lindlar

64.000 Tonnen Bioabfall wurden im Jahr 2025 in der Aufbereitungs- und Kompostierungsanlage Leppe verarbeitet.

150.000 braune Mülltonnen des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (Bav) im Oberbergischen Kreis, Rheinberg und Leverkusen werden regelmäßig geleert.

2500 Haushalte werden mit Strom aus der Aufbereitungsanlage versorgt, dieser wird ins Netz eingespeist.

Zehn Prozent der braunen Tonnen fallen bei der ersten Kontrolle durch, weil sie Fremdstoffe enthalten. Sie werden nachkontrolliert.

Was in die Biotonne gehört, steht in den Abfallkalendern und im Netz.

www.bavweb.de