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Bankalltag statt AusbildungsplatzAzubis leiten Filiale in Lindlar

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Drei Azubis führen ein Gespräch mit einer Kundin.

Mariella Rapp (v. l.), Laureta Kosumi und Lion Bahrami gehören zu den 13 Azubis, die derzeit die Kreissparkassen-Filiale in Lindlar leiten.

13 Nachwuchskräfte übernehmen in Lindlar den Filialbetrieb. Nach zwei Wochen berichten sie von ihren Erfahrungen.

Vor gut zwei Wochen haben 13 Auszubildende der Kreissparkasse Köln die Leitung der Lindlarer Filiale übernommen. Bis Mitte August führen die angehenden Bankkaufleute aus dem dritten Ausbildungsjahr den Geschäftsbetrieb weitgehend eigenständig. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sei aus der besonderen Aufgabe inzwischen Routine geworden, erzählen drei der Nachwuchskräfte im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Wir hatten uns sehr gut vorbereitet und deswegen ist es so wie erwartet“, sagt Lion Bahrami. „Es war am Anfang ein bisschen anstrengender, weil man sich an die neuen Abläufe gewöhnen musste. Aber wir haben jetzt schon mehr als zwei Wochen hinter uns und es ist bereits Alltag geworden.“

Die Kunden fanden das auch alle ganz cool, dass es das Projekt überhaupt gibt bei der Kreissparkasse
Laureta Kosumi über die Rückmeldung der Kunden

Seit Januar haben sich die 13 Auszubildenden auf das Projekt vorbereitet. In Workshops und Schulungen frischten sie ihr Fachwissen auf, zusätzlich hospitierten sie bereits vor dem Start in der Lindlarer Filiale. Die Nachwuchskräfte teilten sich anschließend in drei Teams auf: Vertrieb, Organisation sowie Marketingkommunikation. Welche Aufgabe sie übernehmen wollten, konnten sie sich vorab aussuchen.

Während Laureta Kosumi (20) im Vertriebsmanagement arbeitet, kümmern sich Lion Bahrami und Mariella Rapp (20) um den Bereich Kommunikation. Die organisatorische Leitung des Projekts übernehmen Leonie Güllich und Sebastian Silaghi. „Das ist aber nur strukturell, damit man weiß, wer Ansprechpartner ist“, erklärt Rapp. Im Arbeitsalltag gebe es kaum Hierarchien.

Sprungbrett für den Berufseinstieg

Für die Auszubildenden bedeutet das Projekt vor allem eines: deutlich mehr Eigenverantwortung. „Mit dem eigenen Beraterplatz hat man natürlich deutlich mehr Verantwortung als in der normalen Ausbildungszeit“, sagt Rapp. Zwar gebe es jederzeit erfahrene Ansprechpartner, die man bei Fragen anrufen könne, grundsätzlich seien die Auszubildenden jedoch selbst für ihre Kundinnen und Kunden verantwortlich. „Das macht eigentlich auch Spaß, dann die komplette Verantwortung zu haben.“

Auch Laureta Kosumi sieht darin einen wichtigen Schritt für den Berufseinstieg. Nach ihrer Ausbildung möchte sie als Privatkundenberaterin arbeiten. „Wir haben schon mal vier Wochen schnuppern können, wie es dann tatsächlich ist, wenn du wirklich auch der Berater bist und nicht noch jemand neben dir sitzt. Mir hat gut gefallen, dass wir die Möglichkeit haben, daran auch nach der Ausbildung nahtlos anknüpfen zu können. “

Eigenverantwortung statt Übungsfall

Obwohl die Filiale derzeit fast vollständig von Auszubildenden geführt wird, läuft der Betrieb nach ihren Angaben reibungslos. Für Wertpapiergeschäfte steht weiterhin ein erfahrener Berater zur Verfügung, da diese Beratung von Auszubildenden nicht übernommen werden darf.

Auch die Resonanz der Kundschaft fällt bislang positiv aus. Viele wüssten bereits durch Flyer, Plakate und Hinweise in der Filiale von dem Projekt. „Die Kunden fanden das auch alle ganz cool, dass es das Projekt überhaupt gibt bei der Kreissparkasse“, berichtet Kosumi. Viele hätten sich nach dem Projekt erkundigt und Interesse an der Ausbildung gezeigt.

Ein Projekt mit Perspektive

Manchmal gebe es zwar zunächst überraschte Blicke, erzählt Rapp. „Einige Kunden schauen sich erstmal um und suchen ein bekanntes Gesicht. Dann gehen wir auf sie zu und stellen uns vor.“ Insgesamt hätten die Lindlarerinnen und Lindlarer aber viel Verständnis. „Bis jetzt ist alles gut gelaufen. Die Rückmeldungen der Kundinnen und Kunden waren durchweg positiv. Deswegen würde ich sagen, haben wir das bis jetzt gut gemeistert“, sagt Bahrami.

Dass sie überhaupt Teil der Azubi-Filiale werden konnten, war für die 13 Nachwuchskräfte keine Selbstverständlichkeit. Ein offizielles Bewerbungsverfahren gibt es zwar nicht, ausgewählt werden jedoch Auszubildende, die während ihrer Ausbildung mit guten Leistungen und positiven Rückmeldungen aufgefallen sind.

Die regulären Mitarbeiter der Filiale nutzen die vierwöchige Projektphase unterschiedlich. Einige haben in dieser Zeit Urlaub genommen, andere hospitieren in Fachabteilungen oder unterstützen andere Filialen der Kreissparkasse.

Noch rund zehn Tage bleiben den Auszubildenden, bis sie den symbolisch übernommenen Schlüssel wieder an Filialleiterin Verena Schneider zurückgeben. Bis dahin möchten sie vor allem eines erreichen: ihre selbst gesteckten Ziele erfüllen und den Filialbetrieb weiterhin eigenständig meistern.