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HandwerkDoch noch Nachfolger für Nümbrechter Traditions-Tischlerei

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Das Foto zeigt Udo Engelberth (links) und Benjamin Förtsch.

Das Aus für seine Tischlerei sah Udo Engelberth (l.) schon kommen. Doch dann tauchte mit Benedikt Förtsch ein junger Mann auf, der nun voller Elan die Betriebsübernahme angeht.

Nach 130 Jahren wären in der Tischlerei von Udo Engelberth fast die Lichter ausgegangen. Dann traf der 66-Jährige Benedikt Förtsch. 

Rund 20.000 Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen suchen in den kommenden fünf Jahren aus Altersgründen Nachfolger, sonst droht ihnen das Aus. Das ergab im vergangenen Jahr eine Umfrage der Handwerkskammer Düsseldorf. Tischlermeister Udo Engelberth gehört nicht dazu. Nicht mehr. Mit Benedikt Förtsch hat er einen Nachfolger für seinen Betrieb in Nümbrecht-Prombach gefunden, kurz bevor der 66-Jährige nach sechsjähriger vergeblicher Suche seinen Betrieb schließen wollte: „Ich hatte alles versucht. Schließlich stand mein Entschluss fest: Mitte des Jahres, wenn die beiden Auszubildenden ihre Prüfung bestanden haben, gehen hier die Lichter aus. Ich sah keine andere Möglichkeit mehr, als alles zu zerschlagen – mehr als 130 Jahre nachdem mein Urgroßvater den Betrieb gegründet hatte.“

Glücklicher Zufall im Baumarkt

Dass es nicht so kommt, war ein glücklicher Zufall. Da lief der 24-jährige Benedikt Förtsch – nach seiner Ausbildung zum Möbeltischler in München in die oberbergische Heimat zurückgekehrt – in einem Baumarkt einem Mitarbeiter Engelberths über den Weg, der ihm von den düsteren Plänen erzählte. „Eine halbe Stunde später saß ich hier im Büro und es hat sofort gepasst“, sagt der junge Meister. Sicher, so früh habe er noch nicht daran gedacht, sich selbstständig zu machen, und ganz offen habe man auch über die Herausforderungen gesprochen.

„Vor allem braucht man ein sehr hohes Startkapital, hier stehen 20 Großmaschinen, die alle für die Produktion erforderlich sind“, zählt Engelberth auf. Bereits vor Jahren habe er schon begonnen, in die Digitalisierung zu investieren. „Man muss auch leidensfähig sein, was die Arbeitszeiten angeht, und unbedingt sollte auch die Partnerin Verständnis haben.“

Ich bin so gern bei der Arbeit, ich möchte das mein Leben lang machen.
Benedikt Förtsch

Er weiß, wovon er spricht, ist er selbst doch im väterlichen Familienbetrieb groß geworden, in dem Arbeit und Freizeit kaum unterschieden wurden. „Damals saßen auch die Gesellen mit am Tisch, auch die Vertreter. Einer kam extra immer donnerstags, weil er wusste, dass es da Reibekuchen gab“, erzählt der Tischler und lacht. Er selbst wollte eigentlich Banker werden. Keine Chance, der Sohn trat selbstverständlich die Nachfolge an. Seine eigenen Kinder haben in der vierten Generation andere Wege eingeschlagen. Und unter den 26 Tischlern und Tischlerinnen, die er im Laufe der Jahre ausgebildet hat, gab es keine Interessenten.

„Beruf hat etwas mit Berufung zu tun“, sagt der designierte Nachfolger Förtsch voller Überzeugung, er könne das „Unwort Work-Life-Balance“ nicht mehr hören. Er brennt für die Tischlerei, den so flexiblen Werkstoff Holz, die vielfältigen Design-Möglichkeiten, die auch mal die Arbeit mit Glas, Stein und Beleuchtung umfasst. Er freut sich darauf, eigene Vorstellungen umzusetzen, Mitarbeiter zu führen, Wissen weiterzugeben. „Ich bin so gern bei der Arbeit, ich möchte das mein Leben lang machen.“

Ob sich die Möbeltischlerei lohnt angesichts des seit Jahrzehnten andauernden Trends zu Billigmöbeln? „Die Studenten, die damals Ikea-Regale geschraubt haben, sind heute unsere besten Kunden“, erklärt Engelberth. „Sie lassen eine Bar, eine Sauna, begehbare Kleiderschränke bauen, einen schönen Familientisch, der mehrere Umzüge übersteht und ein Leben lang hält. Gerade entsteht eine Empfangstheke für eine Arztpraxis. Der Trend zu Billigmöbeln hat uns nicht geschadet.“

Nicht bei null anfangen

Über der Werkstatt der geräumigen Trockenkammer lagert Holz, ausschließlich aus der Region, „dafür müssen keine Lastwagen durch ganz Europa fahren.“

Am 1. Juli 2026 wird Benedikt Förtsch das Ruder in der Traditionstischlerei übernehmen und damit auch den Kundenstamm, der sogar bis ins Zillertal reicht. „Er muss sich nicht alles von Null an aufbauen“, betont Engelberth. Das sei der Vorteil einer Betriebsübernahme im Vergleich zu einer Neugründung. Auch seien lange Kontakte hilfreich in Verhandlungen mit der Bank gewesen. Und der junge Nachfolger ist froh, dass er auf Rat und Tat seines Vorgängers zählen kann, der ihm als Ansprechpartner auch nach der Betriebsübergabe im Sommer erhalten bleibt.