Mit einem großen Fest endete die Regionale 2025. Geschäftsführer Reimar Molitor zieht im Gespräch mit Andreas Arnold Bilanz und spricht über Erfolge, Rückschläge und die Zukunft des „Bergischen RheinLands“.
Interview mit Reimar MolitorWas hat die Regionale binnen 25 Jahren in der Region verändert?

Reimar Molitor war sowohl für die Regionale 2010 als auch für die 2025 verantwortlich.
Copyright: Andreas Arnold
Herr Molitor, die Regionale 2025 ist vorbei. Mit welchem Gefühl ziehen Sie Bilanz?
Mit Freude. Und Zuversicht. Natürlich gab es Rückschläge, aber entscheidend ist für mich, was entstanden ist. Viele Projekte sind da, andere werden ihre eigentliche Wirkung erst in den kommenden Jahren entfalten – so wie wir das beim Steinmüllergelände oder bei Metabolon erlebt haben. Die Regionale endet als Programm, ihre Wirkung aber nicht.
Die Regionale 2025 wurde oft mit der Regionale 2010 verglichen. Was war diesmal anders?
Die erste Regionale brachte große Leuchtturmprojekte. Diesmal ging es stärker darum, die Fläche zu entwickeln: Innenstädte zu stärken, ehemalige Industrieflächen neu zu nutzen, historische Gebäude zu erhalten und nachhaltige Projekte anzustoßen. Das wirkt vielleicht weniger spektakulär, verändert die Region aber dauerhaft. Corona, Flut und Ukrainekrieg fielen mitten in die Laufzeit.
Wie sehr hat das die Regionale beeinflusst?
Enorm. Diese drei Krisen haben Kommunen und Verwaltungen an ihre Grenzen gebracht. Es gab Phasen, in denen Projekte kaum vorankamen. Umso wichtiger ist für mich, dass wir unsere Ziele trotzdem erreicht haben. Im Rückblick war das eine enorme Gemeinschaftsleistung.
Gab es Projekte, deren Scheitern Sie besonders bedauern?
Ja. Das Bergische Forum in Gummersbach gehört dazu, auch einige Ressourcenprojekte. Solche Enttäuschungen gibt es bei jeder Regionalentwicklung. Entscheidend ist aber nicht das einzelne Projekt, sondern die Gesamtbilanz. Mehr als 50 Projekte konnten realisiert werden bzw. auf den Weg gebracht werden – darauf kommt es am Ende an. Wenn ich durch das „Bergische RheinLand“ fahre, sehe ich viele Orte, die sich verändert haben: sanierte Innenstädte, neue Kulturorte, Bildungsprojekte oder historische Gebäude mit neuer Nutzung. Es ist die Summe vieler Projekte, die den Unterschied macht.
Sie haben oft gesagt, beim Thema Ressourcen und Energie hätten Sie sich mehr gewünscht. Warum?
Ich hatte gehofft, dass nach Flut, durch Energiekrise und Klimawandel mehr Modellprojekte für Biomasse, Windenergie, Photovoltaik oder Nahwärme entstehen würden. Das ist langsamer gegangen als erwartet – vor allem wegen schwieriger Rahmenbedingungen. Trotzdem sind mit Metabolon 2.0 oder dem Grünen Mobilhof wichtige Vorzeigeprojekte entstanden.
Was hat Sie während der Regionale am meisten überrascht?
Das bürgerschaftliche Engagement. Unter dem Motto „Das gute Leben selbst gemacht“ sind viele Initiativen vor Ort entstanden. Menschen übernehmen Verantwortung für ihre Dörfer und Städte, gründen Vereine, Genossenschaften oder Kulturprojekte. Das war in dieser Breite und Tiefe so nicht absehbar.
Warum ist das für die Zukunft so wichtig?
Weil Staat und Kommunen längst nicht mehr alles allein leisten können. Gerade im Bergischen gibt es aber eine Kultur des Anpackens. Die Menschen warten nicht einfach auf Hilfe, sondern entwickeln selbst Ideen. Ich glaube, darin liegt eine große Stärke unserer Region.
Hat sich das „Bergische RheinLand“ in diesen 25 Jahren der beiden Regionalen verändert?
Davon bin ich überzeugt. Die Region hat sich entwickelt, ist selbstbewusster geworden. Früher wurde oft darüber gesprochen, was hier alles fehlt. Heute sprechen wir viel häufiger über das, was möglich ist. Dieses neue Selbstbewusstsein ist vielleicht der größte Erfolg der vergangenen Jahre.
Und was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Regionale?
Dass wir diesen Weg fortsetzen. Die Regionale endet, aber viele Projekte stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung. Wenn die Menschen in einigen Jahren sagen, die Regionale habe ihre Heimat dauerhaft positiv verändert und neue Ideen angestoßen, dann wäre das für mich die schönste Bilanz.
