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Rhein-BergModerne Krebs-Therapien können Lebensqualität erhalten

8 min
Drei Männer sitzen, einer von ihnen hält einen Telefonhörer in der Hand, ein vierter steht neben ihnen

In der Redaktion dieser Zeitung für die Anrufer und Anruferinnen am Telefon (v.l.): Prof. Dr. Christian Rudlowski, Chefarzt Gynäkologie am EVK, Dr. Pascal Scherwitz vom Darmzentrum GFO Kliniken Rhein-Berg, Dr. Dirk Hennesser mit Onkologischer Praxis am Vinzenz Pallotti Hospital und Dr. Stefan Machtens, Chefarzt Urologie der GFO Kliniken Rhein-Berg.

Von der Diagnose über Behandlungsformen bis zur Nachsorge bei Krebserkrankungen: Experten gaben am Redaktionstelefon Antworten

Bei einer gemeinsamen Telefonaktion standen vier Krebs-Spezialisten aus Rhein-Berg für Fragen der Anrufer und Anruferinnen zur Verfügung. Zwei Stunden lang beantworteten die vier erfahrenen Mediziner Fragen rund um das Thema Krebs – von Diagnose über Behandlung bis Nachsorge bei Krebserkrankungen.

Als Gesprächspartner standen mit ihrem Fachwissen die Onkologen aus Bergisch Gladbach Dr. Dirk Hennesser mit onkologischer Praxis am VPH, Chefarzt Dr. Stefan Machtens, Chefarzt Prof. Dr. Christian Rudlowski und Chefarzt Dr. Pascal Scherwitz zur Verfügung.

Hier Auszüge aus den Gesprächen:

Ich habe die Diagnose Lungenkrebs erhalten und bin völlig verunsichert, was das Beste für mich ist. Ich höre immer von personalisierter Medizin, kann mir das helfen?

Ein älterer Herr lächelt in die Kamera

Dr. Dirk Hennesser Onkologische Praxis am VPH Vinzenz Palotti Hospital Telefonaktion

Henneser: Personalisierte Tumortherapie bedeutet, dass wir das Gewebe des Tumors so detailliert in Zusammenarbeit mit Pathologen und Genetikern untersuchen lassen, bis wir wissen, wie Ihr Tumor optimal auf welche Therapie reagiert. Die Zeiten, in denen die Erkrankungen grundsätzlich mit Chemotherapien behandelt wurden, sind vorbei. Heutzutage können wir präzise vorhersagen, welche Alternativen, auch in Tablettenform oder durch Immuntherapien gegen Ihren Tumor wirksam sind. Diese Analyse kann mal bis zu zwei Wochen Zeit in Anspruch nehmen, aber dafür ist die Therapie dann maßgeschneidert, besser verträglich und wirksamer als eine klassische alleinige Chemotherapie. Der Aufwand, der im Hintergrund und ohne erneute Untersuchungen für Sie abläuft, lohnt sich auf jeden Fall. Denn damit erhalten Sie eine präzise, auf Ihre Person zugeschnittene Therapie.

Ich fahre nach der OP eines Eierstockkrebses immer zur Uniklinik Essen zur Therapie. Das ist sehr zeitaufwendig. Kann ich das auch hier vor Ort durchführen?

Henneser: Ja, hier im Kreis haben wir alle Strukturen und Möglichkeiten, Ihnen den Weg zu ersparen und die gleiche Therapie anzubieten. Sofern Sie nicht an einer Medikamentenstudie teilnehmen, gibt es keine Behandlungsunterschiede zu den universitären Einrichtungen.

Meine Mutter ist 92 Jahre alt und hat einen schmerzhaften Tumor. Gibt es auch die Möglichkeit einer Bestrahlung bei Ihnen?

Henneser: Sie können mit ihrer Mutter gerne vorbeikommen, und wir werden gemeinsam mit den Strahlentherapeuten prüfen, ob das möglich ist. In vielen Fällen gelingt es hervorragend, die Schmerzen zu nehmen und den Tumor mit einer Strahlenbehandlung zu bessern.

Ich habe eine Auffälligkeit an der Bauchspeicheldrüse, die nächste Woche operiert werden soll, was halten Sie davon?

Henneser: Zunächst sollte die Bauchspeicheldrüse nicht nur im CT sondern auch durch eine Endosonographie (Schluck-Ultraschalluntersuchung) untersucht werden. Gegebenenfalls ist auch eine Gewebeprobe zu entnehmen, um ganz sicher zu sein, um was es sich handelt. Diese Untersuchungen werden in unserem Netzwerk koordiniert und in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern zeitnah und ambulant durchgeführt. Wenn sich das wirklich als Tumor herausstellt, erhalten Sie schnell einen Operationstermin. Es empfiehlt sich bei einer großen Operation wie dieser auf jeden Fall, den Tumor vorher genauer zu untersuchen.

Ich habe eine chronische Leukämie und eine Brustkrebserkrankung. Muss ich vor der Leukämie daher besonders Angst haben?

Henneser: Keineswegs, chronische Leukämieformen gelten heutzutage als sehr gut heilbar und das ganz ohne Chemotherapie. In Abwägung der beiden Erkrankungen ist es meist so, dass Sie zunächst die Brustkrebstherapie abschließen können, da eine chronische Leukämie in vielen Fällen gar nicht behandelt werden muss. Ihre Lebenserwartung bleibt auch bei einer chronischen Leukämie heutzutage normal. Die meisten Patienten, die wir mit dieser Leukämieform betreuen, kommen nur zur Blutwertkontrolle und verlassen die Praxis ohne Therapie wieder.

Was macht ein Facharzt für Hämatologie und Onkologie genau?

Henneser: Als Hämato-Onkologe betreut man alle Formen von Tumor- und Bluterkrankungen. Das erstreckt sich von der Diagnostik bis zur Therapie und nachfolgenden Verlaufskontrolle. Auch die Entscheidung, ob überhaupt eine bösartige Erkrankung vorliegt und ob diese behandelt werden muss, ist Schwerpunkt dieses Fachgebietes. Der Onkologe nimmt an vielen Tumorkonferenzen teil, um etwa gemeinsam mit Chirurgen und Strahlentherapeuten zu entscheiden, ob eine Operation, Strahlentherapie oder eine Chemotherapie, Antikörpertherapie und Immuntherapie notwendig ist.

Wo finde ich welche urologischen Leistungen in Bergisch Gladbach?

Ein mittelalter Mann lächelt in die Kamera

Dr. Stefan Machtens Urologie Chefarzt GFO Kliniken Rhein-Berg Telefonaktion

Machtens: Seit Dezember 2025 werden alle stationären urologischen Leistungen, also alles, was mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden ist, am Vinzenz-Pallotti Krankenhaus (VPH) erbracht. Auch für die urologische Notfallversorgung ist die Zentrale Notaufnahme (ZNA) am VPH zuständig. Am Marienkrankenhaus (Klinik am Berg) hingegen finden urologische Operationen statt, die ambulant durchgeführt werden können; die Patienten können nach dem Eingriff also wieder nach Hause gehen. Außerdem finden am Marienkrankenhaus weiterhin die urologischen Sprechstunden, die Vorgespräche zu operativen Maßnahmen, die Teilnahme an Studien und die medikamentöse Tumortherapie statt.

Wie kann ich einen bösartigen Prostatatumor therapieren, wenn er „Tochtergeschwülste/Metastasen“ gebildet hat?

Machtens: Standardtherapie ist die Entzugstherapie des Männlichkeitshormons (Testosteron). Ergänzt wird die Therapie häufig durch eine Chemotherapie oder individualisierte Therapien, die sich am Nachweis von Mutationen orientieren. Hier können auch innovative Medikationen über unser urologisches Studienzentrum angeboten werden.

Ab welchem Alter sollte ich zur Früherkennung gehen?

Machtens: Auf Wunsch oder bei familiärer Vorbelastung soll die Früherkennung ab dem 45. Lebensjahr angeboten werden.

Was soll im Rahmen einer Früherkennung untersucht werden?

Machtens: Der PSA Wert. Ein erhöhter Wert dieses Eiweißes im Blut kann auf das Vorliegen eines bösartigen Prostatatumors hinweisen. Außerdem sind Ultraschalluntersuchungen von Niere, Blase und Prostata sowie Urinuntersuchungen sinnvoll.

Wie wird ein bösartiger Prostatatumor diagnostiziert?

Machtens: Durch eine Kernspintomographie der Prostata. Falls sich dabei auffällige Befunde ergeben, folgt eine Probenentnahme aus der Prostata. Allerdings wird die Kernspintomographie leider bislang nicht routinemäßig durch die Kassen bezahlt.

Was kann ich in dem seltenen Fall unternehmen, wenn ich nach einer operativen oder strahlentherapeutischen Behandlung eines bösartigen Prostatatumors den Urin nicht mehr kontrollieren kann?

Machtens: Hier gibt es die Möglichkeit, zum Beispiel medikamentös oder in schweren Fällen durch die Implantation künstlicher Schließmuskel zu helfen. Dazu können Sie unsere Klinik jederzeit telefonisch unter der (0 22 04) 41 10 02 kontaktieren.

Wie kann ich eine bestmögliche Brustkrebsvorsorge durchführen lassen, wenn ich ein erhöhtes Risiko habe?

Ein mittelalter Mann lächelt in die Kamera

Prof. Dr. Christian Rudlowski Gynäkologie Chefarzt EVK Telefonaktion

Rudlowski: Neben dem Mammographie-Screening, welches für Frauen zwischen 50 und 75 Lebensjahren angeboten wird, sollte es bei bestimmten Risikofaktoren wie einer familiären Brustkrebsbelastung oder einer vorangegangenen Brustkrebserkrankung eine intensivere Vorsorge geben. Hierzu sollte die Patientin von ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt beraten werden. Neben der Mammographie kann eine hochauflösende Ultraschalldiagnostik gegebenenfalls in etwas enger gefassten Zeitintervallen durchgeführt werden. Das ist in Absprache mit dem Brustzentrum möglich.

Welche neuen Behandlungsoptionen gibt es bei einer Brustkrebserkrankung?

Rudlowski: Heute stehen uns eine Vielzahl von Therapieoptionen zur Verfügung. Ziel ist es, eine personalisierte Therapie anzustreben, die die individuellen Tumorcharakteristika der einzelnen Patientin berücksichtigt. Das Rheinisch-Bergische Brustzentrum am EVK Bergisch Gladbach kann alle modernsten operativen, strahlentherapeutischen und medikamentösen Therapieverfahren anbieten und kooperiert mit allen nationalen onkologischen Zentren im Rahmen von Multizenterstudien und nationalen Tumorboards. Das Therapiekonzept wird interdisziplinär besprochen und dementsprechend auf die individuellen Bedürfnisse der Patientin abgestimmt.

Wie kann man die Therapie-Nebenwirkungen optimal behandeln?

Rudlowski: Auch hier gibt es viele neue Therapieansätze, die die Nebenwirkungen abmildern und die Lebensqualität bestmöglich erhalten können. Nur eine Therapie, die durchgeführt wird, kann wirken. Deshalb ist es uns natürlich ein besonderes Anliegen, unseren Patientinnen eine gut verträgliche onkologische Therapie anzubieten. Hierfür ist eine enge Kooperation der behandelnden Ärztinnen und Ärzten mit dem Brustzentrum oder Gynäkologischen Krebszentrum wichtig.

Wo lasse ich eine gynäkologische Krebserkrankung am besten behandeln?

Rudlowski: Die Behandlung von gynäkologischen Tumorerkrankungen wie Eierstock-, Gebärmutter- und Schamlippen-/Scheidenkrebs sollte nur in zertifizierten Krebszentren erfolgen. Nur hier ist die notwendige Expertise vorhanden und sind interdisziplinäre, multimodale Behandlungskonzepte möglich. Frauen, die sich in Brust- und Gynäkologischen Krebszentren wegen ihrer Krebserkrankung behandeln lassen, haben erwiesenermaßen eine bessere Heilungschance. Das Gynäkologische Krebszentrum und das Brustkrebszentrum des EVK Bergisch Gladbach sind mehrfach zertifiziert und bieten auf höchstem Niveau alle modernen Therapiemöglichkeiten an.

Wie kann ich Darmkrebs sicher erkennen?

Ein mittelalter Mann lächelt in die Kamera

Dr. Pascal Scherwitz Darmzentrum GFO Kliniken Rhein-Berg Telefonaktion

Scherwitz: Männer und Frauen können ab dem 50. Lebensjahr zur Darmkrebsvorsorge gehen. Dabei wird eine Darmspiegelung gemacht. Bei Symptomen wie Blut im Stuhl sollte eine rasche Darmspiegelung erfolgen. Diese kann in den gastroenterologischen Praxen in Bergisch Gladbach oder Engelskirchen durchgeführt werden.

Wird Darmkrebs immer operiert?

Scherwitz: Aktuell wird der lokalisierte Dickdarmkrebs, der nicht gestreut hat, in der Regel primär operiert. Dabei kommen minimalinvasive Techniken zur Anwendung, also ein schonendes Verfahren. Beim Enddarmkrebs kommen neue Verfahren der Vorbehandlung in Frage, um den Schließmuskel zu erhalten. Damit können zunächst rund 40 Prozent der Operationen vermieden werden, wenn eine bestimmte Form der Strahlentherapie in Kombination mit einer medikamentösen Therapie erfolgt ist. Wichtig sind dabei regelmäßige Kontrollen im Darmkrebszentrum durch die Darmkrebschirurgen.

Wo kann die Radiochemotherapie bei Enddarmkrebs durchgeführt werden?

Scherwitz: Im Rheinisch-Bergischen Kreis ist eine wohnortnahe Versorgung durch die Onkologie und Strahlentherapie im Tumorzentrum Rhein-Berg möglich.

Wie kann ich nach einer Operation die Verdauungsfunktion verbessern?

Scherwitz: Bewegung und eine gesunde Ernährung sind wichtig. Eine Darmspiegelung zur Nachsorge ist in der Regel sechs Monate nach der Operation empfehlenswert. Dabei wird nachgesehen, wie gut die Darmnähte verheilt sind und ob der Darm ansonsten gesund ist.

Wo kann ich Darmkrebszentren finden und warum ist eine Behandlung im Zentrum wichtig?

Scherwitz: In Bergisch Gladbach gibt es in beiden Krankenhäusern Darmkrebszentren. Die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) ist wichtig, da durch die Qualitätskontrolle auf eine gute Qualität der Versorgung geachtet wird. Ich selbst bin als Senior Darmkrebsoperateur der DKG anerkannt und in den GFO-Klinken Rhein-Berg tätig. Dort bin ich über das Sekretariat immer ansprechbar, und wir bieten eine Darmkrebssprechstunde im Marienkrankenhaus an. Die spezialisierten Operationen führe ich mit meinem Team im Vinzenz Pallotti Hospital durch, da wir dort die operativen Leistungen der verschiedenen Fächer bündeln und uns gegenseitig unterstützen können.