An 107 Einsatztagen und bei 270 dokumentierten Einsätzen wurden rund 2700 Hektar Fläche vor der Mahd abgesucht.
Saisonrückblick227 Rehkitze vor dem Tod bewahrt

Auf der sicheren Seite: ein gerettetes Rehkitz.
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Rekordwerte, aber auch wachsende Sorgen: Der oberbergische Verein „Werde KitzretterIn“ hat seine achte Saison in der Rettung von Rehkitzen beendet – mit deutlich mehr Einsätzen als in den vergangenen Jahren. Umso eindringlicher fällt nun der Appell an Landwirtinnen und Landwirte, an Jagdpächterinnen und Jagdpächter aus.
206 Hasen vergrämt
Angelika Bonsch, Vorsitzende des „Retter-Vereins“, berichtet, dass die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer an 107 Tagen in der Zeit zwischen dem 23. April und dem 7. August in Oberbergs gesamten Kreisgebiet sowie im Rhein-Sieg-Kreis unterwegs gewesen sind. Bei 270 dokumentierten Einsätzen wurden rund 2700 Hektar Fläche vor der Mahd abgesucht – umgerechnet knapp 4000 Fußballfelder. Die tatsächliche Zahl der Einsätze dürfte laut Verein sogar höher liegen: Im Grenzgebiet zwischen Nümbrecht und Waldbröl seien an einzelnen Tagen mehrere Einsätze aus Zeitgründen als ein einziger erfasst worden.
Die Bilanz: 227 Rehkitze wurden aus den Wiesen getragen und somit vor Mähdrescher und Co. gerettet, 206 Hasen wurden vergrämt und 211 weitere Rehe oder andere Wildtiere aus der Gefahrenzone verscheucht. Mehrfachzählungen sind laut Verein nicht auszuschließen, da die Tiere beim Ausweichen vor dem Mähwerk mitunter von einer Wiese auf die nächste wechselten.
Landwirte müssen wegen wechselnder Wetterlagen zunehmend kurzfristig mähen – für die berufstätigen, an Arbeitgeber gebundenen Drohnenpiloten eine erhebliche Belastung.
Im Einsatz waren zudem 13 Drohnen – neun davon gehören dem Verein, drei sind in privatem Besitz. Hinzukommt eine Drohne des Hegerings. Zunehmend führt die Arbeit die Ehrenamtlichen nicht nur auf Wiesen: Rehkitze verirren sich immer öfter in Wohngebiete, in umzäunte Gärten oder unter Wärmepumpen – ein Zeichen für den schrumpfenden Lebensraum von Wildtieren, wie Bonsch feststellt.
Als größte Herausforderung nennt sie das unberechenbare Wetter im Mai und Juni, das eine verlässliche Planung erschwert habe. Bonsch: „Landwirte müssen wegen wechselnder Wetterlagen zunehmend kurzfristig mähen – für die berufstätigen, an Arbeitgeber gebundenen Drohnenpiloten eine erhebliche Belastung.“
Ebenso sei die Ausbildung neuer Piloten aufwendig: Bis einer rechtlich und technisch sicher ist, vergingen rund zwei Jahre. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Kitzrettung stellt Angelika Bonsch die Frage, ob eine ehrenamtliche Vereinsstruktur auf Dauer grundsätzlich ausreicht oder ob eine zentrale Lösung – etwa vergleichbar mit einer freiwilligen Feuerwehr und getragen vom Bauernverband – mehr Planungssicherheit schaffen könnte.
Finanzielle und personelle Unterstützung bleibt unabdingbar, wenn der Tierschutz durch unsere Unterstützung auf Freiwilligenbasis allen Beteiligten wichtig erscheint.
Das wünschen sich auch die Piloten: „Nur durch ausreichende Spenden können wir unsere Arbeit weiterhin kostenlos und ehrenamtlich anbieten“, sagt einer von ihnen und richtet seinen Appell besonders an Landwirte als Hauptnutzer der Leistungen. Eine Kollegin berichtet von positiven Entwicklungen in ihrem Bezirk: „Die Spendenbereitschaft hat sich mit den Jahren erhöht.“ Allerdings betreffe das insbesondere kleine Landwirte, während der Bedarf bei industriellen Betrieben noch nicht angekommen sei.
„Finanzielle und personelle Unterstützung bleibt unabdingbar, wenn der Tierschutz durch unsere Unterstützung auf Freiwilligenbasis allen Beteiligten wichtig erscheint“, fasst Angelika Bonsch zusammen.
