Viele Betroffene suchen Unterstützung, doch die Angebote sind weit verstreut. Ein Netzwerk will die Hilfe in Oberberg besser bündeln.
Psychische ErkrankungenWege zur Hilfe in Oberberg sollen kürzer werden

Depressionen nehmen zu: Für einen ländlichen Kreis wie Oberberg ergeben sich daraus besondere Probleme.
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Die Zahl der Menschen, die unter einer Depression, Suchterkrankung oder Angststörung leiden und die nach professioneller Hilfe suchen, steigt bundesweit an. Zunehmende Arbeitsbelastung, die Rationalisierung und Digitalisierung von Arbeitsplätzen erzeugen bei vielen Menschen Stress. Politische Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten können diese Belastung noch verstärken. Gleichzeitig verändern sich familiäre Strukturen, die Unterstützung innerhalb der Familie hat gegenüber früher oft nachgelassen.
Viele Angebote, aber weite Wege
Für einen ländlichen Kreis wie Oberberg ergeben sich daraus besondere Probleme: Zwar existieren zahlreiche Hilfsangebote im Bereich von Psychiatrie, Psychotherapie, Rehabilitation und Gesundheitsförderung. Doch sie sind weit über den Kreis verstreut. Eine Übersicht über die verschiedenen Angebote zu bekommen und die richtigen Ansprechpartner und die Schnittstellen zwischen ihnen zu finden, ist alles andere als einfach.
Wie groß der Bedarf an Hilfe ist, verdeutlichen die Zahlen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Oberberg, die Anja Dohrmann, Pressesprecherin der Klinikums Oberberg, zusammengetragen hat. „Bereits 2024 gingen dort 840 Anfragen nach Selbsthilfegruppen ein; 44,8 Prozent davon bezogen sich auf psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen. Auch 2025 setzte sich diese Entwicklung fort: Die größte Nachfrage betraf erneut die Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen – zusammen 48 Prozent aller Anfragen. Weitere 15 Prozent entfielen auf soziale Themen der Krisen- und Lebensbewältigung. Damit standen 2025 zusammengenommen 63 Prozent der Anfragen im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen oder sozialen Fragen der Krisen- und Lebensbewältigung.“
Für jeden Betroffenen den passenden Weg zu finden, ist schwierig
Jörg Büscher ist Leitender Ergotherapeut des Klinikums Oberberg, Simone Ufer leitet die Raps-Werkstätten und ist Geschäftsführerin der OGB, die sich um psychisch erkrankte Menschen kümmert. Gemeinsam erkannten sie, dass es eine bessere Vernetzung von Experten, Einrichtungen und Betroffenen braucht mit dem Ziel, die psychiatrische und psychosoziale Versorgung in Oberberg zu verbessern. 2023 fand erstmals ein Symposium, also eine Tagung von Fachleuten, statt. Daraus hat sich in relativ kurzer Zeit ein Netzwerk entwickelt, dass Fachkräfte und Einrichtungen zusammenführt – von der Psychiatrie über Pflege und Sozialarbeit bis zur Arbeitsförderung und Verwaltung. Das Besondere in Oberberg: Diese Fachtagungen finden mittlerweile nicht nur jedes Jahr statt, sondern es haben sich auch sechs unterschiedliche Arbeitsgemeinschaften gebildet, die kontinuierlich nach Lösungen suchen mit dem Ziel, in Oberberg die Versorgung psychisch Erkrankter zu verbessern.
Die AG „Hilfe suchen – Hilfe finden“ hat mit dem Kreis einen Hilfe-Navigator eine regionale digitale Internetplattform für Betroffene entwickelt, die voraussichtlich im September 2026 freigeschaltet werden soll. Im „Netzwerk Brückenbauer“ tauschen sich Leistungsträger und Leistungsanbieter aus und beraten konkret auch einzelne Fälle. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Klienten, dem es nach einer Erkrankung besser geht, wieder in Arbeit zu bringen.
Die „AG Angebotslotsen“ kümmert sich um die Übergänge zwischen Klinik und gemeindenahen Hilfen. Seit 2025 existiert das Aufnahme- und Aktivierungszentrum. „Wenn sich ein Betroffener meldet, bekommt er sofort ein Gesprächsangebot in der Klinik“, erklärt Jörg Büscher. „Wir gucken dann zusammen mit dem Menschen, ob eine stationäre Aufnahme nötig ist und geben ihm Ansprechpartner an die Hand.“ Es sei allerdings nicht leicht, für jeden Betroffenen den passenden Weg zu finden, sagt Simone Ufer
Andere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Themen wie Mobilität und Erreichbarkeit psychiatrischer und rehabilitativer Angebote.
Eine bessere Vernetzung und mehr Aufklärung sollen darüber hinaus helfen, Hürden abzubauen. So gehen die Raps-Werkstätten mit ihrer Klientel jetzt auch verstärkt an die Öffentlichkeit, etwa auf den Wochenmarkt in Hülsenbusch.
