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Interview
„Auch das Jahr 2026 wird für die Stadt Waldbröl erneut ein Balanceakt“

3 min
Die 46 Jahre alte Larissa Weber ist seit bald sechs Jahren Bürgermeisterin von Waldbröl. Bei der jüngsten Kommunalwahl ist sie – ohne eine Gegenkandidatur – mit überwältigender Mehrheit in ihrem Amt bestätigt worden.

Die 46 Jahre alte Larissa Weber ist seit bald sechs Jahren Bürgermeisterin von Waldbröl. Bei der jüngsten Kommunalwahl ist sie – ohne eine Gegenkandidatur – mit überwältigender Mehrheit in ihrem Amt bestätigt worden.

Larissa Weber (46) ist seit 2020 Bürgermeisterin von Waldbröl. Im Interview spricht sie über große und kleinere Vorhaben für dieses Jahr.

Frau Weber, welches Projekt muss bis Ende 2026 erledigt sein?

Larissa Weber: Es sind mehrere zentrale Projekte, dazu gehört der öffentliche Bereich des Merkur-Areals, den wir als Stadt selbst realisieren. Auch werden wir die erste Mobilstation und den Anbau der Grundschule in Isengarten fertigstellen und die Reste der alten Markthalle abbrechen. Wir starten zudem mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Heide sowie mit dem Ausbau und der Sanierung der Industriestraße, der Geininger Straße in Hermesdorf und der Turnerstraße. Auch planen wir, sobald wir die Genehmigung dafür haben, die PV-Anlage über dem Parkplatz am Raabeweg zu installieren. Diese Projekte sind von großer Bedeutung.

Wo sehen Sie für die Verwaltung die größte Herausforderung?

Eine der größten Herausforderungen ist die insgesamt schwierige wirtschaftliche Lage. Der Wirtschaft geht es nicht gut, und das wirkt sich auch auf uns als Stadt aus. Sinkende oder unsichere Einnahmen aus der Gewerbesteuer und der Wegfall von Arbeitsplätzen schränken unsere finanziellen Spielräume ein, während die Aufgaben nicht weniger werden. Gleichzeitig müssen wir weiterhin investieren und gestalten. Dieser Balanceakt wird uns auch 2026 stark fordern.

Sie planen, das frühere Merkur-Gelände nach der ersten Umgestaltung schon in diesem Frühjahr einzuweihen. Noch aber fehlt die Bebauung. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Hauptbebauung zur Kaiserstraße hin ist ein komplexes Vorhaben, das stark von der Marktlage abhängt und nicht von uns finanziert wird. Es gibt Gespräche mit Investoren. Diese benötigen jedoch, angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Zeit. Der Wunsch nach einem Hotel ist keineswegs vom Tisch, er ist jedoch aktuell nicht konkret planbar. Wichtig ist: Das Gelände entwickelt sich Schritt für Schritt und bleibt ein zentraler Baustein der Stadtentwicklung.

Die Politik hat für den Bau der neuen Markthalle und des Marktgeländes engere (Finanz-) Grenzen gezogen. Schadet dies den beiden Projekten?

Diese Entscheidung haben wir gemeinsam getroffen. Uns war wichtig, auf der einen Seite etwas wirklich Gutes und Attraktives zu schaffen, auf der anderen Seite jedoch verantwortungsvoll mit den finanziellen Mitteln umzugehen und nicht über unsere Verhältnisse zu leben. Engere finanzielle Grenzen bedeuten nicht automatisch Qualitätseinbußen: Sie führen zu klaren Prioritäten und durchdachten Lösungen.

Es wurde Kritik laut, die Stadt baue zu viele Spielplätze, das „Mittelalter“ werde dagegen vergessen. Wie begegnen Sie dieser Kritik?

Bei uns ist bislang überwiegend positives Feedback angekommen. Viele freuen sich darüber, dass deutlich mehr für Familien getan wird. Dieses Lob erhalte ich auch von Seniorinnen und Senioren, die mit ihren Enkeln gern die Spielplätze besuchen oder sich – auch ohne Kinder – auf die Bänke setzen und das lebendige Treiben genießen. Uns sind alle Generationen sehr wichtig. Mit der multifunktionalen Halle schaffen wir zusätzlich einen Raum, in dem noch mehr möglich sein wird, von Filmvorführungen über kulturelle Angebote bis hin zu weiteren Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen.

Nach der Wahl haben die ersten politischen Sitzungen stattgefunden. Wie hat sich das Miteinander verändert und wie wird es sich aus Ihrer Sicht 2026 weiterhin verändern?

Der Rat ist nun unterschiedlicher zusammengesetzt. Mir ist wichtig, dass bei allen heterogenen Sichtweisen der respektvolle Umgang und die sachliche Arbeit im Vordergrund stehen. Bis jetzt ist es so. Meine Aufgabe als Bürgermeisterin sehe ich darin, moderierend zu wirken und den Fokus auf das zu lenken, was zählt: Verantwortung für Waldbröl zu übernehmen.

Als Waldbrölerin und nicht als Bürgermeisterin: Worauf freuen sich in Ihrer Heimatstadt am meisten?

Ich freue mich zu sehen, wie Waldbröl weiter zusammenwächst, wie neue Orte entstehen, an denen sich Menschen begegnen, verweilen und sich zu Hause fühlen. Es berührt mich, wenn Kinder lachen, Familien Zeit miteinander verbringen und ältere Menschen ihren Platz im öffentlichen Leben haben. Genau dieses lebendige, herzliche Gefühl von Heimat ist es, auf das ich mich am meisten freue.