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SoloprogrammHeinz Rudolf Kunze spielte Pop mit Tiefgang in Wipperfürth

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Das Foto zeigt Heinz Rudolf Kunze beim Konzert in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth.

Kunze kommt von Können: Bei seiner Solotour begleitet sich Heinz Rudolf Kunze (69)  kunstfertig auf der Gitarre oder am Klavier und spielt Mundharmonika.

Der 69-jährige Liedermacher bezauberte in der ausverkauften Alten Drahtzieherei mit philosophischer Tiefe und thematischer Breite. 

Feinfühlig und exakt, melancholisch und liebevoll, poppig und auch mal jazzig. Und dann wieder ganz anders. Es ist schwierig, ein Konzert von Heinz Rudolf Kunze  zu beschreiben, aber sicher ist: Das Publikum erlebte am Samstag in der schon lange ausverkauften Alten Drahtzieherei in Wipperfürth einen eindrucksvollen Abend voller Wortakrobatik und gesellschaftskritischer Relevanz.

„Das sagt der Richtige“ heißt das zweistündige Soloprogramm. Zwei Gitarren, ein Konzertflügel, eine Mundharmonika und ein brillanter Kunze, der alles spielt, mehr braucht es nicht. „Hallo Wipperfürth!“, sagt er zur Begrüßung. „Ich glaube, ich war noch nie hier, oder?“

Philosophische Tiefe, thematische Breite

Seit 45 Jahren ist Kunze auf deutschen Bühnen unterwegs, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Er hat Studioalben veröffentlicht und mehr als vier Millionen Tonträger verkauft. In Wipperfürth stellt er auch Songs aus seinem aktuellen Album „Angebot und Nachfrage“ vor und gibt damit eine neue Kostprobe der philosophischen   Tiefe und thematischen Breite seines Werks.

Das Konzert in der Drahte ist ein Querschnitt seines langen Musikschaffens, den sein Publikum mit viel Applaus belohnt. Besonders beeindruckend sind die feinfühligen Liebeslieder, die Kunze aus dem vor ihm platzierten Songbook vorträgt. „Dann fängt die Liebe an“, „So wie du bist“ oder am Piano „Einen andern Menschen lieben“ variieren die schönste Melodie des Lebens, die der Liebe. Seinen erfolgreichsten Song „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem Jahr 1985 singt Kunze auf dem neuen Album  im Duett mit Annett Louisan, auch im Wipperfürther Programm darf das Stück nicht fehlen.

Wer um sein Leben kämpft, hat immer Recht.
Heinz Rudolf Kunze

Mit Mundharmonika und Gitarre interpretiert Kunze das Lied „Aller Herren Länder“ aus dem Jahr 1986, damals schon ein „notwendiger Song“ gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen. Darin warnt Kunze: „Du wirst nie zu Hause sein, wenn du keinen Gast, keine Freunde hast“. Als Pianoversion zu hören ist der aktuelle  Song „Jeder Tote einer zu viel“. Das Antikriegslied nennt Kunze als großer Dylan-Fan „notwendig“   in diesen Zeiten. Aber er leistet sich natürlich keinen wohlfeilen Simpelpazifismus, sondern gibt zu denken, wenn er im Text vorausschickt: „Wer um sein Leben kämpft, hat immer Recht“.