Unterwegs in OberbergWelche Kommunen Plätze bieten für das Reisemobil

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Christa und Hans Bayer aus München haben es in ihrem Reisemobil gemütlich gemacht. Gerade stehen sie damit in Waldbröl und genießen den Komfort, den ihnen die Anlage an der Vennstraße bietet.

Christa und Hans Bayer aus München haben es in ihrem Reisemobil gemütlich gemacht. Gerade stehen sie damit in Waldbröl und genießen den Komfort, den ihnen die Anlage an der Vennstraße bietet.

Immer mehr Kommunen in Oberberg haben Stellplätze für Reisemobile und Camper geschaffen, so auch die Stadt Waldbröl. Wir haben uns umgesehen.

Kurz vor 17 Uhr, Sonnenschein in Waldbröl. Zeit für ein gutes Buch, Kreuzworträtsel, Feriengrüße auf dem Handy, ein erstes Bierchen, ein paar Chips. Sechs Reisemobile stehen an diesem Nachmittag auf dem Platz an der Vennstraße, den die Marktstadt im April 2022 eingeweiht hat – und der seither sehr beliebt ist bei Menschen, die Urlaub auf Rädern machen. So wie Christa und Hans Bayer aus München, die beiden 79-Jährigen haben es sich in ihrem Kleinbus gemütlich gemacht.

Sie sind auf dem Heimweg: „Waldbröl lag günstig, also verbringen wir die Nacht hier“, erklärt Hans Bayer. Und seine Ehefrau Christa setzt hinzu: „Der Platz hier ist klasse, aber schwer zu finden – unser Navi ist durchgedreht.“ Drei Wochen lang ist das Paar quer durch Deutschland gereist, Dortmund war das nördlichste Ziel. „An der Mosel entlang fahren wir nach Hause“, verrät Hans Bayer.

Von Waldbröl aus geht es an der Mosel entlang zurück nach München

Solche Touren führen die Münchner aber nicht nur durchs eigene Land, sondern auch nach Schweden und Norwegen etwa. „Wir lieben diese Freiheit“, betont Christa Bayer. Immer wieder stellt das Paar auf den Touren fest, dass es immer mehr solcher Stellplätze in kommunaler Hand gibt, auf denen man kostenlos das Fahrzeug abstellen und übernachten kann. Und wer in Waldbröl ein Frühstück oder eine heiße Dusche haben möchte, der findet im nahen „Balneo“-Schwimmbad alles, was man braucht für einen guten Start in den Tag.

Etwa 51.000 Euro hat sich die Stadt den Platz mit sechs Abstellmöglichkeiten kosten lassen, Anschlüsse für Strom und Wasser gibt es dort ebenso wie eine Entsorgungsstation für die Ergebnisse menschlicher Bedürfnisse. Diese Investition habe sich längst gelohnt, freut sich Bürgermeisterin Larissa Weber. „Ich finde es toll, dass der Platz so oft voll belegt ist.“ Und Anja Brauer, Webers allgemeine Vertreterin, stellt fest, dass die Anlage den Tourismus fördert und die Stadt attraktiv macht. „Sie bietet zudem einen guten Startpunkt für Wanderungen und Radtouren“, sagt Brauer. Auch das Ehepaar Bayer hat sich in der Stadtmitte umgesehen: „Wir waren einkaufen, die Stadt gefällt uns sehr.“

Die Ausstattung der Stellplätze für Reisemobile fällt im Oberbergischen Kreis höchst unterschiedlich aus

Solche Plätze gibt es im Kreisgebiet inzwischen reichlich, die Ausstattung indes fällt höchst unterschiedlich aus. „An das Thema müssen wir dringend ran“, führt in Engelskirchen Norbert Hamm aus, er leitet den Bürgerservice. „Wir bekommen immer mehr Anfragen – vor allem vor großen Veranstaltungen wie etwa der Landpartie neulich.“

Das bestätigt auch Uwe Winheller, Fachbereichsleiter der Stadtplanung in Gummersbach. „Wir erhalten solche Nachfragen oft vor Heimspielen des VfL.“ Allerdings hat die Kreisstadt noch keine Plätze für Camper und Reisemobile. „Aber wir wollen welche schaffen – und zwar am Schwimmbad Gumbala, damit die Leute dort duschen können.“ Die Fläche, die das Rathaus dafür ins Auge gefasst habe, müsse aber gekauft werden, schildert Winheller.

Immer mehr Kommunen legen Stellplätze für Reisemobile und Wohnmobile an, zum Beispiel die Stadt Wipperfürth: Hier sind die Plätze auf dem Parkplatz Ohler Wiesen. Katja Moreyko und Herbert Elbert aus Köln-Niehl gefällt es dort.

Immer mehr Kommunen legen Stellplätze für Reisemobile und Wohnmobile an, zum Beispiel die Stadt Wipperfürth: Hier sind die Plätze auf dem Parkplatz Ohler Wiesen. Katja Moreyko und Herbert Elbert aus Köln-Niehl gefällt es dort.

Mit den meisten Stellplätzen dieser Art kann zurzeit die Stadt Wipperfürth aufwarten: Da gibt es insgesamt sieben, fünf davon in der Nähe der Innenstadt, auf dem Parkplatz Ohler Wiesen und ganz nah der Wupper. Und da sind Katja Moreyko (43) und Herbert Elbert (49) gerade angekommen. Sie sind allein, die anderen Plätze sind leer. Den beiden Kölnern gefällt, was sie sehen: „Dass niedrige Sträucher die Buchten abtrennen, hilft beim Einparken“, überlegt Elbert.

Höchstens 80 Kilometer legt das Paar für ein schönes Wochenende in der Region zurück, erst seit März besitzen Moreyko und Elbert den weißen Camper. Wipperfürth ist also ein perfektes Ziel. Stadtsprecherin Tanja Reinhold wirbt gerne dafür: „Unsere Stellplätze liegen nicht nur dicht an der Wupper: Der Weg zum Freizeitgelände Ohler Wiesen ist kurz und der zur Alten Drahtzieherei oder zum Marktplatz mit vielfältiger Gastronomie ist es auch.“

In Wipperfürth gibt es derzeit die meisten Stellplätze für Campingmobile

Auf die Hansestadt folgen eben Waldbröl und die Gemeinde Reichshof mit jeweils sechs, danach kommt Nümbrecht mit vier Plätzen auf dem Festplatz an der Gouvieuxstraße. Die Schlossgemeinde hat diese 2012 angelegt und 2018 neugeordnet. „Genutzt werden sie besonders von Wochenend-Ausflüglern sowie von Besucherinnen und Besuchern der Rhein-Sieg-Klinik“, berichtet Sprecherin Regina Rohde. Wie Nümbrecht, so verzeichnet auch die Gemeinde Reichshof eine steigende Zahl von Anfahrten mit Reisemobilen, vor allem nach der Corona-Pandemie und nicht nur wegen der Reha-Klinik in Eckenhagen. Laura Pfeifer von der Kur- und Touristinfo sagt: „An- und Abreise sind flexibel, man kann in kurzer Zeit viele Orte besuchen – eben auch den Kurort Eckenhagen.“

Glücklich auf dem Reisemobilplatz in Waldbröl sind Rita und Helmut Budowinsky aus Sankt Augustin-Menden.

Glücklich auf dem Reisemobilplatz in Waldbröl sind Rita und Helmut Budowinsky aus Sankt Augustin-Menden.

Zurück in Waldbröl. Neben dem Ehepaar Bayer stehen Rita und Helmut Budowinsky. Weit gefahren sind sie nicht: Das Paar kommt aus Sankt Augustin-Menden im Nachbarkreis Rhein-Sieg. „Dort haben wir bisher keine derart gut ausgestatteten Plätze gefunden“, sagt Helmut Budowinsky (75). Acht Monate im Jahr verbringen er und seine Frau (69) auf einem Campingplatz bei Valencia in Spanien, die übrige Zeit sind sie in der Region unterwegs: „Einfach mal was anderes sehen“, erklärt Rita Budowinsky. „Unsere Enkelin fährt gerne mit.“


Welche Kommunen bieten zudem Stellplätze für Reisemobile an?

Welche Kommunen besitzen bereits Stellplätze für Reisemobile und wie sind diese ausgestattet? Wir haben uns umgehört, allerdings wurde nicht jede Anfrage auch beantwortet.

  1. In Bergneustadt gibt es an der Talstraße zwei Stellplätze, die allerdings keine Ausstattung haben. Im Zuge der Bauarbeiten im Talpark sind sie aber ertüchtigt worden.
  2. In Engelskirchen gibt es einen Stellplatz an der Straße „Im Grengel“, ein zweiter ist in Ründeroth am Aggerstrand. Beide Plätze haben allerdings keine Ausstattung.
  3. In Hückeswagen gibt es seit 2011 eine Abstellmöglichkeit auf dem Parkplatz Wupperaue, dort kann Strom „getankt“ werden. Übernachten darf man auch auf dem Parkplatz Schnabelsmühle, dort aber ist keine Ausstattung vorhanden.
  4. In Lindlar gibt es seit dem Jahr 2009 zwei Stellplätze am Parkbad (Brionner Straße). Sie sind ausgeschildert und beleuchtet, es gibt Anschlüsse für Strom und Wasser, zudem eine Entsorgungsstation.
  5. In Morsbach gibt es einige einfache Plätze an der Wisseraue.
  6. In Radevormwald befinden sich bereits seit 1998 zwei Stellplätze ohne Ausstattung auf dem Parkplatz an der Hohenfuhrstraße.
  7. In Reichshof-Eckenhagen sind sechs Plätze am Rodener Platz zu finden, die erst im vergangenen Jahr ertüchtigt und ausgebaut worden sind. Jetzt gibt es dort Anschlüsse für Strom und Wasser ebenso wie eine Entsorgungsstation.
  8. In Wiehl können Reisende den Busparkplatz an der Tropfsteinhöhle (Pfaffenberg) nutzen, eine Infrastruktur gibt es dort jedoch nicht.
  9. In Wipperfürth gibt es neben den fünf vollausgestatteten Plätzen zwei weitere ohne Service, und zwar am Walter-Leo-Schmitz-Bad (Ostlandstraße) sowie in Wasserfuhr am Hotel Koppelberg.
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