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Autobahn GmbH
Wie geht es weiter mit der Wiehltalbrücke?

4 min
Ein Podium

Die Autobahn GmbH will die Belastung der Wiehltalbrücke durch schwere Lkw weiter einschränken. So kündigte sie es auf der Bürgerversammlung an.

Der Neubau könnte schon 2029 starten. Bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Drabenderhöher Stadtteilhaus hat die Autobahn GmbH ihre Pläne für die Wiehltalbrücke vorgestellt.

Eine Vollsperrung für Autos werde es nicht geben. Für den schlimmsten Fall gehen die Planer der Autobahn GmbH davon aus, dass aller Lastverkehr mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen von der Überquerung der maroden Brücke der A4 über das Wiehltal abgehalten werden muss. Die Experten der Gesellschaft erklärten aber, wie sie auch diese Konsequenz mit einer Reihe von Maßnahmen verhindern möchten.

Eine Informationsveranstaltung, zu der die Stadt ins Drabenderhöher Stadtteilhaus eingeladen hatte, ist am Montagabend auf großes Interesse gestoßen. Knapp 500 Zuhörer füllten den großen Saal, zu Beginn mussten weitere Stühle herbeigeschafft werden.

Ein Luftbild

Noch ist unklar, auf welcher Seite der alten Brücke ein Neubau entstehen soll.

Bürgermeister Ulrich Stücker sah in dieser Resonanz seine Überzeugung bestätigt, dass die Zukunft der Wiehltalbrücke sowohl viele Anwohner als auch Spediteure und andere Unternehmer betrifft und verunsichert. Die Wirtschaftskraft der ganzen Region hänge davon ab.

Tag für Tag überqueren rund 50.000 Fahrzeuge die Brücke, 14 Prozent sind Lkw. Die Straßenbauexperten machten eingangs noch einmal deutlich: Der übermäßige Lkw-Verkehr hat die Brücke überfordert, er darf nur noch streng dosiert auf die Brücke gelassen werden. Zurzeit fordern eine Beschilderung und Fahrbahnmarkierungen die Lasterfahrer auf, auf der Brücke einen Mindestabstand von 50 Metern einzuhalten. Für den genehmigungspflichtigen Schwerverkehr mit mehr als 44 Tonnen ist die Brücke gesperrt. Da diese Gebote zu oft ignoriert werden – die Referenten sprechen von „massiven Verstößen“ – bereitet die Autobahn GmbH derzeit zwei weitere Maßnahmen vor, die schon in den nächsten Wochen umgesetzt werden.

Es geht nicht viel schlechter, der Neubau hat Prioriät.
Detlev Epstein, Experte der Autobahn GmbH, über den Zustand der Brücke

Zum einen sollen die Fahrer über den noch immer verbreiteten CB-Funk in acht Sprachen auf das Abstandsgebot hingewiesen werden, erläuterte Anja Estel von der Leverkusener Verkehrszentrale der Autobahn GmbH. Damit habe man an anderer Stelle gute Erfolge erzielt. Zum anderen möchte sie mit einer telematischen „Weigh-in-Motion“-Anlage noch vor den Anschlussstellen Bielstein und Gummersbach/Wiehl das Gewicht der Lkw messen. Und mit einer LED-Tafel anzeigen lassen, wenn diese eine Überlast darstellen. Die betroffenen Lkw werden mit ihrem Kennzeichen dazu aufgefordert, die Autobahn zu verlassen. Erst wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg haben sollten, will man eine Lkw-Sperranlage installieren.

So oder so soll die Befahrbarkeit der alten Brücke gewährleistet werden, bis der Neubau steht. Detlev Epstein ist bei der Autobahn GmbH für den Brückenbau zuständig und erläuterte, dass man beim Bau der rund 700 Meter langen Wiehltalbrücke in den 1970er Jahren   möglichst wenig Stahl verbrauchen wollte. Nun weise die Brücke schwere Defizite in der Tragfähigkeit auf.

Wiehltalbrücke hat Sondergenehmigung

Der Stahl weise vor allem an den Rändern Risse und Ausbeulungen auf, führte Epstein aus. Die „Zustandsquote“ beziffere man auf 3,5. „Es geht nicht viel schlechter, der Neubau hat Prioriät.“ Nur mit einer Sondergenehmigung des Bundesbauministeriums darf sie während der Reparatur weiter betrieben werden.

Zur Sanierung der alten Brücke müssen nun aussteifende Tragwerkselemente eingebaut werden, wofür die Bauleute bald Gerüste installieren. Diese Arbeiten beginnen Ende des Jahres und werden etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Ein großer Lkw auf der entgegenkommenden Fahrspur.

Der Lkw-Verkehr auf der Wiehltalbrücke bedroht ihre Standfestigkeit.

Der Ersatzneubau selbst wird parallel entwickelt. Mit dem Baubeginn rechnet man frühestens 2029, daran dürfte sich eine mindestens vierjährige Bauzeit anschließen. Die Planungen sind noch in einem frühen Zustand. Noch unklar ist sogar, auf welcher Seite der Neubau entsteht. Dementsprechend konnten die Vertreter der Autobahn GmbH in der Bürgerversammlung noch nicht sagen, welche Grundstücke dafür gebraucht werden – die Frage, welche die Weiershagener Anwohner am meisten umtreibt.

Sicher ist: Es wird ein breiter Korridor benötigt, und sei es nur vorübergehend für die Baustelle. Projektleiter Andreas Früh signalisierte in der Bürgerversammlung, dass es erste Überlegungen für den Grunderwerb gibt und lud potenziell betroffene Anwohner ein: „Kommen Sie auf uns zu.“

Autobahnplaner bittet die Wiehler um  Mithilfe

Diesem Angebot schloss sich Willi Kolks, Leiter der GmbH-Außenstelle Köln, an und wies auf die Projektwebsite hin. „Sie haben die Ortskenntnis“, sagte er zu den anwesenden Anwohnern, „wir sind dankbar für Ihre Hinweise.“ Kolks sagte zu,  wieder bei einer Bürgerversammlung den Sachstand zu schildern.

In der Fragerunde wurde unter anderem erneut der mögliche Lärmschutz thematisiert. Projektleiter Früh sagte aber nicht mehr zu als neue Berechnungen und Lösungen gemäß der gesetzlichen Vorgaben.

Das ganze Agger- und Wiehltal wird betroffen sein, wenn der Lkw-Verkehr sich mit den geschilderten Maßnahmen nicht kontrollieren lässt – und der oben erwähnte „worst case“ eintritt.   Dann wird sie für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Dieser muss dann über die Umleitungsstrecken ausweichen.

Auch für diesen Fall liegen bereits Pläne in der Schublade. Grundlage ist ein von allen beteiligten Straßenbaubehörden eigens entwickeltes Strategiepapier. Darin sind beispielsweise kritische Ampelkreuzungen und Engstellen verzeichnet.

Für die Unterhaltung der Umleitungsstrecken ist der Landesbetrieb Straßenbau zuständig. Und dieser will in den kommenden beiden Jahren eine ganze Reihe von Maßnahmen vorziehen, um zu vermeiden, dass diese Baustellen die Umleitungsstrecken zusätzlich belasten, erläuterten Vertreter der Gummersbacher Regionalniederlassung. Die Sanierung der Weiershagener Ortsdurchfahrt soll schon in den Osterferien erledigt werden.