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BerufslebenChristian Müller arbeitet seit 66 Jahren in Wipperfürth als Friseur

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Das Foto zeigt drei Personen in einem Friseursalon

Drei Friseure, eine Leidenschaft: Christian und Ingrid Müller nebst Tochter Kirsten Lender (v.l.).

1960 begann Christian Müller seine Ausbildung als Friseur in Wipperfürth. Nun legt er mit 80 Jahren Schere und Föhn zur Seite. Der Salon Christian Müller schließt Ende September.

Ob Bürstenhaarschnitt, Schmalztolle oder Undercut. Als Herrenfriseur hat der Wipperfürther Christian Müller viele Haarmoden kommen und gehen sehen, „manche auch zweimal“, erzählt er lachend. Müller kann auf ein langes Berufsleben zurückschauen.

1946 geboren, begann er 1960 nach der Volksschule seine Lehre im Salon Wurth am Wipperfürther Marktplatz. Nur einen Steinwurf weit entfernt, im Salon Rathgeber in der Unteren Straße – dort, wo heute das Reisebüro Kausemann ansässig ist – lernte gleichzeitig eine junge Frau den Beruf der Damenfriseurin. Christian und Ingrid Müller heirateten und eröffneten 1968 ihren ersten eigenen Salon in der Wipperfürther Neye-Siedlung.

Der erste eigene Salon war in der Neye

Ingrid Müller erinnert sich. „Das war im Haus meiner Schwiegereltern in der Joseph-Mäurer-Straße. Meine Schwiegermutter hat für die Kunden Kaffee gekocht, während mein Mann und ich gearbeitet haben.“ Dann erfuhren die Müllers, das am Busbahnhof gebaut wurde, und nutzten 1971 die Chance auf einen Umzug in die Innenstadt. Den neuen Salon gestalteten sie nach ihren Wünschen.

„Wir haben davon profitiert, dass wir beide in Wipperfürth gelernt hatten und viele Kundinnen und Kunden uns kannten“, erzählen die Eheleute. Beide nahmen regelmäßig an Wettbewerben Teil, die Firma Wella kam öfters nach Wipperfürth und führte im Salon am Busbahnhof Fortbildungen durch. Alte Schwarz-Weiß-Fotos an einer Wand im Salon erzählen davon.

Auch die Tochter ist Friseurin

„Wir waren mit Wella verheiratet“, scherzt Christian Müller, dem man seine 80 Jahren nicht abnimmt. „Wir haben zum Ausgleich immer viel Sport in der bergischen Natur betrieben“, erzählt er. 1971 kam Tochter Kirsten zur Welt, auch sie erlernte das Friseurhandwerk und legte später ihre Meisterprüfung ab.

„Als ich 1987 meine Ausbildung hier angefangen habe, waren wir neun Auszubildende – je drei pro Jahrgang“, erinnert sie sich. Viele Frauen gingen damals alle ein bis zwei Wochen zum Friseur, um sich die Haare schön machen zu lassen, es war die Hoch-Zeit der Dauerwelle. Die Müllers haben ganzen Generationen von Wipperfürtherinnen und Wipperfürthern die Haare gefärbt und geföhnt.

Am 30. September schließt das Geschäft

Christian Müller kennt Familien, die mittlerweile in der vierten Generation in sein Geschäft kommen. Im Lauf der Zeit hat der Salon Müller zudem über 100 junge Frauen und Männer zum Friseur ausgebildet – „dadurch hatten wir immer genügend Nachwuchs“. 2018 bekam Christian Müller den Goldenen Meisterbrief überreicht.

Nach 66 Jahren als Friseur wird Christian Müller nun, zum 30. September, mit 80 Jahren in den Ruhestand gehen. Ehefrau Ingrid freut sich auf mehr gemeinsame Zeit mit ihrem Mann, und Zeit für Hobbys wie Wandern, Schwimmen und Radfahren. „Wir mussten immer Rücksicht aufs Geschäft nehmen.“

Tochter Kirsten wird den elterlichen Betrieb nicht weiterführen, sondern künftig bei einem Friseur in Wipperfeld als Angestellte arbeiten. „Der Salon am Busbahnhof ist zu groß, und es wird immer schwieriger, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, bedauert sie. Und weil sich aufgrund der Bezahlung und der Arbeitszeiten immer weniger junge Leute für eine Ausbildung als Friseur entscheiden, wird sich daran wohl so schnell auch nichts ändern.

Der Abschied von den Kunden, von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fällt Christian Müller nicht leicht. „Wir waren immer eine Familie, eine Mannschaft, das hat ganz viel Spaß gemacht.“ In der letzten Septemberwoche soll es zum Abschied für die Kunden ein Gläschen Sekt geben. „Dann werden wird auch ein paar Tränchen verdrücken“, ist sich Ingrid Müller sicher.