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HolocaustAusstellung in Gladbach erzählt  Lebensgeschichten

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Eine Reihe von zehn Menschen steht im Eingangsbereich der Kreissparkasse Bergisch Gladbach vor Roll-ups, auf denen Texte und Fotos zu sehen sind.

Sie wollen Biografien Holocaust-Überlebender lebendig halten: Vertreterinnen und Vertreter des Vereins „Zweitzeugen“, der Kreissparkasse, ihrer Bildungs-Stiftung, Lehrer und Schüler des Gymnasiums Odenthal.

Der Verein „Zweitzeugen“ und die Bildungs-Stiftung der Kreissparkasse Köln zeigen eine Ausstellung und bieten Schul-Workshops gegen das Vergessen.

Das Leben und Überleben vier jüdischer Menschen im Holocaust macht in den kommenden 14 Tagen die Filiale der Kreissparkasse Köln in Bergisch Gladbach, Hauptstraße, sichtbar. Hier im Foyer hat der Verein „Zweitzeugen“ anlässlich des gestrigen Holocaust-Gedenktages eine kleine Ausstellung mit Roll-ups aufgebaut. Nachzulesen und anzuschauen sind die Geschichten von Henny Brenner, Dr. Leon Weintraub, Wolfgang Lauinger und Chava Wolf.

Drei der vier Holocaust-Überlebenden sind bereits verstorben, nur Leon Weintraub lebt noch, gerade ist er 100 Jahre alt geworden. Damit diese Biografien und Erlebnisse lebendig bleiben, hat der Verein Zweitzeugen mit ihnen und vielen weiteren Holocaust-Überlebenden gesprochen – und es sich zur Aufgabe gemacht, Geschichten von Holocaust-Überlebenden weiterzutragen. Man will insbesondere junge Menschen dazu befähigen, sich aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzusetzen.

Es geht um die Verfolgung – aber auch um das Davor und das Danach. Wir wollen von einem ganzen Menschenleben erzählen.
Julie Wildschutz, „Zweitzeugen“

Die Bildungs-Stiftung der Kreissparkasse Köln fördert seit 2025 im Rahmen ihrer Demokratiebildung Workshops und Schulungen des Vereins. Mit ihrer Unterstützung wurden schon 16 Workshops, vor allem an Schulen, in den Kreisen Rhein-Berg, Oberberg, Rhein-Erft und Rhein-Sieg ermöglicht.

So wie für die Schülerinnen und Schüler von Marius Handke am Gymnasium Odenthal. Zusammen mit zehn Jugendlichen ist er zur offiziellen Eröffnung der kleinen Ausstellung gekommen. Der Geschichtslehrer und die jungen Leute kennen einige der vier auf Roll-ups vorgestellten Menschen bereits aus dem eintägigen jahrgangsübergreifenden Workshop für Freiwillige an ihrer Schule.

Holocaust-Überlebende litten auch später unter Antisemitismus oder Diskriminierung

Danach gefragt, welches Detail sie besonders beeindruckt hat, müssen die Jugendlichen der Jahrgangsstufe 10 nicht lange überlegen. Dass Leon Weintraub, ein wissbegieriger Autodidakt, „seinen Kindheitstraum wahrgemacht hat, dass er Arzt geworden ist, Medizin studiert und in der Geburtshilfe gearbeitet hat, obwohl er so lange nicht zur Schule gehen konnte und anfangs nicht einmal einen Schulabschluss hatte.“

Julie Wildschutz, Mitglied des Ausstellungsteams von Zweitzeugen, die in die Ausstellung einführt, nickt. „Es geht um die Verfolgung, klar, aber auch um das Davor und Danach. Wir wollen von einem ganzen Menschenleben erzählen.“ Dazu gehöre bei vielen Überlebenden auch die Erfahrung, wie es war, nach dem Holocaust weiterzuleben und weiterhin Antisemitismus oder Diskriminierung zu erfahren.

Texte, Zitate, Lebenswegkarten und QR-Codes zu Podcasts bringen Biografien nahe

Deshalb möchte die Arbeit von Zweitzeugen die Betrachtenden auch dazu einladen, anhand der gezeigten, ganz unterschiedlichen Lebensläufe Fragen an sich selbst zu stellen:  „Welche Kultur prägt mich? Was ist meine Heimat und wo fühle ich mich zu Hause?“ haben die Ausstellungsmacherinnen auf die Roll-ups geschrieben.

Insgesamt neun Roll-Ups bringen die (Über)Lebensgeschichten der vier Zeitzeugen anhand von Texten, Zitaten, Fotos, Lebenswegkarten und QR-Codes zu Podcasts nahe. Zudem gibt es eine kurze historische Einordnung.

Zweitzeugen-Workshop für Jugendliche mit Bezug zum Thema Fußball am 5. Februar

Wie vielfältig die Arbeit des Vereins Zweitzeugen ist, zeigt ein für den 5. Februar geplanter kostenloser gemeinsamer Workshop mit Bezug zum Thema Fußball. Initiiert hat den Workshop für Jugendliche ab 14 Jahren aus Schulen und Sportvereinen in Rhein-Berg die Gesellschaft „Faireinskultur“. Von 14.30 bis 17.30 Uhr sollen in den Räumen der VHS „Lebensläufe von Fußballpionieren, wie die von Walther Bensemann, Gründer des Fußballmagazins Kicker, beleuchtet werden“, so Robert Wagner von Faireinskultur.

Die Idee von Zweitzeugen kann damit weitere Kreise ziehen. Auch Christiane Bechem, Regionalvorstand der Kreissparkasse Köln, möchte mit der Ausstellung Jung und Alt motivieren, ebenfalls Zweitzeugen zu werden. Die Ausstellung ist bis zum 10. Februar im Foyer der Sparkasse, Hauptstraße 208, während der Öffnungszeiten der Filiale zu sehen.