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ScheurenWo die Gemeinde Odenthal seit 100 Jahren zusammenhält

4 min
Ein Mann mit lustigem Hut sitzt in einer Schubkarre, die ein zweiter Mann schiebt. Am Straßenrand Kinder, denen einer der Männer eine Schokolade hinhält.

Spannende Stationen, kreative Mottos, unterschiedliche Altersklassen: Das Schürreskarrenrennen ist das Highlight der Kirmes.

Der 100. Geburtstag des Scheurener Löschzuges stand im Zeichen des Engagements und der Freude am Feiern.

Vier Tage Ausnahmezustand in Oberodenthal zum 100. Geburtstag des Scheurener Löschzuges. Das ganze Kirmeswochenende stand im Zeichen des Engagements, Zusammenhaltes sowie der Kameradschaft - für Feuerwehrleute wie Dorfgemeinschaft gleichermaßen und allem voran: die Freude am gemeinsamen Feiern.

Es ist natürlich ein besonderer Kraftakt, dass man so zusammenhält neben dem, was sonst zu tun ist.
Sebastian Filz, Löschzug Scheuren

Die Menschen in Oberodenthal pflegen Traditionen, dazu gehört auch das alljährliche Schürreskarrenrennen, bei dem immer wieder neue Stationen zu bewältigen sind und viele Teilnehmer zu Wiederholungstätern werden. „19 Karren sind angemeldet, schaffen wir noch die 20?“, schallte es aus dem Lautsprecher der Rennleitung keine drei Minuten vor Start und schon war auch diese Nummer vergeben. Rund 25 Freiwillige organisieren das Rennen, auch Wolfgang und Jens. „Diese Tradition ist noch aus dem vergangenen Jahrhundert, zu Ehren der Feuerwehr gibt es dieses Mal ein Puzzle mit dem Emblem, das so schnell wie möglich zusammengesetzt werden muss, die schwierigste Station ist aber wohl das Wasserbecken“, meinten sie und justierten noch schnell die Euter der Kuh, die so schnell wie möglich gemolken werden sollte.

Auch am Wasserbecken liefen die letzten Handgriffe und die Helfer seiften den Balken kräftig mit Spülmittel ein. „Das macht es schwieriger. Wir wollen schließlich, dass so viele wie möglich nass werden“, feixten sie voller Vorfreude. Halfen sie den kleinsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch, sicher über die glitschige Brücke zu kommen, mussten die Erwachsenen selbst zusehen, wie sie den Teil des Rennens lösen – und die Zuschauer drumherum möglichst gut entertainen. Für das Team „100 Jahre Playa von Scheuren“, Moritz und Celine, wurde es zur spritzigen Angelegenheit, für die Zuschauer zum Vergnügen, die beiden baden gehen zu sehen. „Der Wassergraben ist mein Endgegner. Ich nehme zum fünften Mal teil und bin jedes Mal nass geworden. Das Spritzenmännchen ist für uns als Feuerwehrleute eine einfache Station“, lachte sie.

Rainer Düngen aus Regen kam mit einem alten Bus des Löschzuges

Teampartner Moritz hingegen hatte Premiere beim Schürreskarrenrennen. „Wir kennen uns schon viele Jahre, samstags jedoch finden sich viele Teams ganz spontan auf der Kirmes, Sonntagmorgen haben wir erst den Wagen gebaut“, erklärte Celine. „Es kommt auf Schnelligkeit, Größe und Statur an, um gut zu sein im Parcours und vielleicht haben auch ein paar Bier mitgespielt“, so die beiden zufrieden mit ihrer Leistung. „Wenn hier Kirmes ist, kommt das ganze Dorf als Familie zusammen und es ist wie im Urlaub“, war das fröhliche Motto der Teilnehmer.

Auch für Rainer Düngen aus Regen im Bayerischen Wald waren die Feierlichkeiten ein Pflichttermin. Rund 1300 Kilometer und 400 Euro Spritkosten nahm er auf sich, um dabei zu sein, denn er besitzt ein besonderes Stück Scheuren: einen alten Bus des Löschzuges, Baujahr 1959. „Ich habe ihn 1979 einem Studienkollegen abgekauft. Er hatte 12.000 Kilometer drauf, heute 480.000“, sagt Düngen, der den roten VW-Bus hegt und pflegt und ihn zum komfortablen Campingwagen in liebevoller Kleinstarbeit umgebaut hat. „Vor vier Jahren war ich mal hier und wollte sehen, wo mein Bus einst beheimatet war“, erzählt er. Und er bekam prompt eine Einladung der Feuerwehrleute zum 100. Jubiläum des Löschzuges, die er sich nicht entgehen ließ. „Gestern haben sich viele Kinder gleichzeitig im Bus geknubbelt und sich total darüber gefreut, mal sowas zu sehen“, fühlte er sich in Scheuren von den Bewohnern gut aufgenommen und war der Hingucker für jeden, der auf dem Weg war, Hunger und Durst zu stillen.

Ein Teil der Kameraden wurde an der deutsch-belgischen Grenze gebraucht

Sebastian Filz vom Löschzug Scheuren schaute sich zufrieden auf dem Festplatz um. „Es ist natürlich ein besonderer Kraftakt, dass man so zusammenhält neben dem, was sonst zu tun ist. Wir waren ein Jahr in den Vorbereitungen für das Wochenende mit insgesamt rund 100 Ehrenamtlichen. Das Dorf kann hier zusammenkommen und tut es auch. Wir haben nicht viele Feste, aber die, die wir haben, werden gefeiert“, freute er sich über das Interesse der Dorfgemeinschaft, die sich auch den Montag frei nahm, um zu feiern, während ein Teil der Kameraden an der deutsch-belgischen Grenze gebraucht wurde.

„Die Leute können sich trotz aller Feierlichkeiten auf uns verlassen. Umgekehrt ist das übrigens auch so. Es ist Wahnsinn, was die Leute hier für die Feuerwehr machen. Wir kommen von Einsätzen und dann macht schon jemand aus der Nachbarschaft den Grill an mit der Vermutung, wir könnten Hunger haben“, berichtet Filz. „100 Jahre ist ein Zeitstempel, den man mit der ganzen Mannschaft setzt. Wir sind stolz darauf, dieses Jubiläum feiern zu dürfen und dabei viel in schönen Erinnerungen herumzuwühlen“, sprach er für die 34-köpfige Truppe, die beim Fest schon unzählige Geschenke entgegennahm und mit anderen Helfern dafür sorgte, dass jeder ein unvergessliches Wochenende erleben konnte.