Abo

„Fahr mal langsamer!“Mit der Ente auf großer Fahrt durchs Bergische Land

3 min
Ein Auto fährt vor einer blauen Ente.

Aus dem Enten-Cockpit: Reporter Christoph Konkulewski fuhr bei den „Bergischen Impressionen“ in seiner Ente mit.

Kein Navi, kein ABS – dafür ein Citroën von 1987: Christoph Konkulewski hat sich bei den „Bergischen Impressionen“ ans Steuer gesetzt.

Vor einem Monat in Rösrath: Oldtimerausfahrt. Viel altes Blech, viel Glanz. Mittendrin ein Audi 80 Coupé. Am Steuer Dieter Syska vom MSC Adenau. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte von meiner Citroën 2 CV, Baujahr 1987. Mein Alltagsauto. Für mich eine Ente, kein Oldtimer.

„Auch die Ente gehört dazu!“, protestierte Syska. Er schwärmte von den „Bergischen Impressionen“ des MSC Heiligenhaus. Da reifte der Entschluss: Ich mache mit. Ein Selbstversuch. Keine Navigations-Dame aus dem Smartphone, kein ABS, keine Klimaanlage, kein Autoradio. Fahren wie früher. Geht das noch?

Am Samstag fotografierten Besucher tatsächlich das Auto

Erster Akt: Das Auto treffentauglich machen. Technisch ist der Vogel top, gepflegt von einem Freund mit tiefem Insiderwissen. Doch Fahrzeugpflege? Nicht meine Disziplin. „Ordentlich waschen, trocknen, dann abschnittsweise polieren“, ordnete mein Mechaniker-Freund Dieter an. Er hatte Erbarmen und lieh mir seine Poliermaschine.

Zwei ältere Herren sitzen in einer roten Ente.

Bernd Tillmann und Heinz Schneeweis in ihrem Käfer Cabrio 1302 LS.

Am Freitag vor der Ausfahrt dann Schweiß und Glanz. Das Ergebnis war erstaunlich spiegelnd. Dieters Urteil per Foto: „Super!“ Am Samstag fotografierten Besucher tatsächlich unser Auto. Mein Brustkorb wuchs um zwei Zentimeter.

Viele Schätze tummelten sich im Feld der 120 Fahrzeuge

Natürlich gab es noch schönere Schätze im Feld der 120 Fahrzeuge: Das orangefarbene Käfer Cabrio 1302 LS von Bernd Tillmann und Heinz Schneeweis. Oder der schneidige Fiat 500 110F von Claudia Abbamonte und Carlo Gueli. Ein rein italienisches Trio, wunderschön aufbereitet. Und die ganzen alten Porsche, die MG's, die Pagode von Mercedes oder die kleinen spritzigen Triumph Spitfire Cabrios. Herrlich.

Ein Mann steht vor einem blau-grünen MG.

Auch dieser sportliche MG fuhr bei der Ausfahrt der „Bergischen Impressionen“ des Motorsportclubs aus Overath-Heiligenhaus mit.

Dann die Fahrerbesprechung. Ernst Willy Kreitz vom MSC Heiligenhaus schärfte uns ein: „Nichts durchkrakeln auf der Bordkarte! Ein Fehler gibt null Punkte. Krakeln auch!“ Club-Chef Martin Kramer wünschte eine pannenfreie Ausfahrt bei Spitzenwetter. Das bekamen wir.

Ausgerüstet mit einer App übernahm die Beifahrerin das Kommando

Ohne Beifahrer ist man bei einer Orientierungsfahrt verloren. Zumindest findet man nicht auf der richtigen Route zurück. Meine Frau Agnes übernahm das Kommando. Ausgerüstet mit einer App die genau die gefahrene Strecke anzeigte und einer Wegbeschreibung voller Rätselzeichen.

Eine Beifahrerin hat Zettel udn ein Handy auf dem Schoß liegen.

Das beste Navi: Ehefrau Agnes gab stets die passenden Kommandos.

Ihre erste Ansage: Strich 19 km/h fahren. Gleichmäßigkeit bei der Sollzeitprüfung, um nicht direkt am Start alles zu vermasseln. Hinter dem Start am Schulzentrum Cyriax ging es den Berg hoch. Schon stand der erste Streckenposten bereit: Eintrag Nummer zwei ins Bordbuch. (Nummer eins war die GTÜ-Plakette nach der Sichtprüfung).

Wer hat recht? Natürlich die Beifahrerin

Die Orientierung wurde knifflig, sobald winzige Kartenausschnitte das Fahren leiten sollten. Agnes mahnte zur Vorsicht: „Fahr mal langsamer!“

Ein Mann und eine Frau stehen neben einem beigen Fiat 500 110F.

Italienisches Trio: Fiat 500 110F von Claudia Abbamonte und Carlo Gueli

Doch der Mann am Steuer wusste es natürlich besser. Im Kreisverkehr Much wählte ich entschlossen die erstbeste Ausfahrt. Schöne Straße, schattiger Wald, zügiges Tempo. Nach drei Kilometern sagte Agnes gelassen: „Wir sind falsch.“ Reumütig fuhr ich zurück zum Kreisverkehr. Die Beifahrerin hatte recht. Wieder einmal.

Die Prüfungen sind gar nicht so einfach wie gedacht

Dann die Sonderprüfungen. Aufgabe eins: So nah wie möglich an eine rote Stele heranfahren. Den Wunschabstand wählt man selbst. Ich gab mich optimistisch: 20 Zentimeter! Bei 58 Zentimetern versagten mir die Nerven. Ich sah die Stele gedanklich schon über die Motorhaube fliegen.

Zweite Prüfung in Overath: Rückwärts genau den gleichen Abstand treffen. Ich hielt bei 50 Zentimetern an. Glück gehabt aber auch die Einsicht gewonnen, dass mein räumliches Schätzvermögen eher Wunschdenken ist. Typisch Mann.

Der perfekte Abschluss: Bratwurst mit original MSC-Kartoffelsalat

Nach guten drei Stunden waren alle Aufgaben gelöst, alle Stempel gesetzt und alle Nummern entlang der Strecke notiert. Ob alles stimmt? Das kommt erst bei der Auswertung ans Licht. Das Fiat-500-Duo begrüßte uns enthusiastisch am Ziel. Gemeinsam ging es zur Bratwurst mit original MSC-Kartoffelsalat. Köstlich.

Mein Fazit: Orientierungsfahrten machen süchtig. Und ein Blick in den Fahrzeugschein lohnt sich: Wenn das Auto vor 2006 gebaut wurde, darf man mitmachen. Absolute Empfehlung! Und noch eine Erkenntnis reifte bei der Rückfahrt nach Bergisch Gladbach: Das Bergische Land ist mit seinen sanften Hügeln und tollen Ausblicken eine Premiumlandschaft. Das hat der MSC Heiligenhaus mit seinen „Bergischen Impressionen“ schon vor 27 Jahren erkannt.