Verlage und Labels aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis stellen auf der Spielemesse in Essen aus.
SpielemesseKennerspiele, Illustrationen und Abenteuer im Märchenwald

Am Stand des Rösrather Illustrators Corvin Lüders waren seine Katzenmotive gefragt.
Copyright: Michael J. Cerny
Rhein-Berg/Essen Das Interesse der Menschen an Brett- und Gesellschaftsspielen ist ungebrochen – das jedenfalls legen die Eindrücke von der Messe SPIEL in Essen nahe. Knapp 1000 Aussteller aus 53 Ländern waren vor Ort und durften sich über 230.000 Besucherinnen und Besucher freuen. Erstmals fand die weltweit größte Publikumsmesse für Brettspiele in acht Messehallen statt. All diese Kennziffern sind Höchstwerte in der Geschichte der Veranstaltung.
Bergische Erfindergeschichten hinter Rekordzahlen der Spielemesse in Esssen
Doch hinter den Rekordzahlen stehen auch Geschichten aus der Region: Ein Spieleverlag aus Bergisch Gladbach will den nächsten Entwicklungsschritt gehen, ein Illustrator aus Rösrath knüpft Kontakte, und eine Unternehmerin aus Odenthal zeigt, wie sich Rollenspiele für pädagogische Zwecke nutzen lassen.

Christopher Kraft und Sebastian Ott (v.l.), die Köpfe hinter dem Bergisch Gladbacher Brettspieleverlag Koalla.
Copyright: Michael J. Cerny
In Halle 4, wo sich die Anbieter von Kennerspielen tummeln, präsentiert der Bergisch Gladbacher Brettspielverlag Koalla Spiele sein Sortiment. „Im letzten Jahr haben wir das Geschäft noch eher wie ein aufwändiges Hobby neben dem Hauptberuf betrieben“, sagt Inhaber Christopher Kraft. „Inzwischen haben wir unser Sortiment stark ausgeweitet und stecken mehr Kapazitäten in das Geschäft.“ War die Präsenz im Vorjahr stark auf den erfolgreichen Debüttitel „Kauri“ ausgerichtet, zeigt Koalla nunmehr ein halbes Dutzend Spiele an seinem Stand. Das zweite selbst verlegte Spiel „Aridnyk“ basiert auf einer Graphic Novel über ein Hirtenvolk in den ukrainischen Karpaten. Dabei gilt es, Landschaftsplättchen auszulegen, Aufträge zu erfüllen und die größte Schafherde aufzubauen. Auch eine Kartenspielvariante des Videospiels Pac-Man zieht die Messebesucher an. „Bislang sind wir erfolgreich mit dem Prinzip, Spiele aus dem Ausland auf dem deutschen Markt einzuführen“, so Kraft. „Demnächst wollen wir den nächsten Schritt gehen und erstmals ein Spiel herausbringen, das wir gemeinsam mit zwei deutschen Autoren selbst entwickeln.“
Rösrather Illustrator hat auf der Spielemesse in Essen großes Interesse zu verzeichnen
Ähnliche Überlegungen hat ein Spieleverleger aus dem Ausland, der in der Nachbarhalle 5 am Stand des Rösrathers Illustrators Corvin Lüders aufschlägt. „Der Verleger hat mich angesprochen, ob ich Interesse daran hätte, sein Spiel zu illustrieren“, erzählt Lüders. Ein Kartenspiel hat er bereits illustriert, auch an der Gestaltung eines Brettspiels mitgewirkt. Der Schwerpunkt seiner bisherigen Aufträge liegt derweil auf der Illustration von Büchern, Magazinen und Bandpostern. Auch drei selbst entworfene Comics zählen zum Portfolio von Corvin Lüders, welches er unter dem Label „Creaturi“ anbietet. Um seine Illustrationen auf der Messe zu zeigen, hat Corvin Lüders in diesem Jahr doppelt so viel Platz – es ist bereits seine 25. Teilnahme an der SPIEL. Passend zum Jubiläum hat er zum Geburtstag einen zusätzlichen Standplatz geschenkt bekommen. Seine Motivwelt reicht von Horror über Fantasy und Science Fiction bis hin zu Interpretationen von bekannten Filmfiguren. Mehrere deren Darsteller hat Corvin Lüders bereits im realen Leben getroffen, William Shatner zum Beispiel oder die aus Star Wars bekannte Carrie Fisher.

Kathrin Fischer von EduTale aus Odenthal (rechts) demonstriert das Rollenspiel Abenteuer im Märchenwald.
Copyright: Michael J. Cerny
Ebenfalls ein Stück weit fantastisch geht es bei EduTale zu, dem Label von Kathrin Fischer aus Odenthal. Ihr Kernprodukt streift durch die Welt der Gebrüder Grimm. Es heißt „Abenteuer im Märchenwald“ und ist ein Pen-and-Paper-Rollenspiel, das 2023 auf den Markt gekommen ist. „Die Erfahrungen in meinem früheren Beruf als Lehrerin haben mich immer wieder zu der Frage geführt, wie Rollenspiele in der Schule und der Therapie eingesetzt werden können, um die Fähigkeit des Problemlösens zu fördern.“ Auf diesem Feld arbeitet sie mit dem Spielelabor der Universität Bonn zusammen, wo sie auf ihre Promotion hinarbeitet. Bei dem Märchenwald-Spiel schlüpfen die Kinder in die Rollen der Bremer Stadtmusikanten. Sie werden von der Spielleitung durch eine Geschichte geführt, während der sie immer wieder gemeinsam Rätsel lösen und Entscheidungen treffen müssen.
Mit „Our Home, Our Idol“ steht derweil ein neues Erzählspiel kurz vor der Veröffentlichung, dessen Entwicklung vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Das Spiel richtet sich an Jugendliche und kann auch ohne Spielleitung absolviert werden. Es führt die Mitspielenden anhand von Fragen durch eines von zwei Grundszenarien. Dabei sind die Gruppen entweder Superfans eines fiktiven Stars oder bewohnen gemeinsam einen besonderen Ort. Die Zielgruppe von EduTales sind nicht unmittelbar die Kinder und Jugendlichen, sondern Lehrkräfte oder Mitarbeitende in Jugendeinrichtungen, welche die Rollenspiele in ihrer Arbeit einsetzen können. Als Lerntherapeutin vertreibt Kathrin Fischer nicht nur das Material, sondern bietet auch Schulungen zur Befähigung der Spielleitungen ab – und vollendet somit den Brückenschlag vom Spiel als Unterhaltung zum Spiel als Lernförderung.
