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Verkehrsunfallbilanz 2025Warum Jugendunfälle in Rhein-Berg rasant steigen

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Dürscheid. Sültalstarße. Verkehrsunfall mit 4 toten Jugendlichen

Vier Teenager starben im August 2025 bei dem schweren Unfall im Dürschtal bei Kürten-Dürscheid, bei dem der 16-Jährige Fahrer überlebte. Die Ermittlungen in diesem Fall dauerten immer noch an, so der Leiter der Verkehrsdirektion der Kreispolizei bei der Vorstellung der Unfallbilanz 2025.

Polizei hat bei Unfallbilanz vor allem ungeschützte Verkehrsteilnehmer im Fokus – Sieben Menschen starben 2025 auf Rhein-Bergs Straßen.

Der Unfall im Dürschtal, bei dem vergangenen August vier junge Menschen ums Leben kamen, sei auch den Polizeibeamtinnen und -beamten besonders nachgegangen, sagt Kriminaloberrat Marc André Linden. Bei der Vorstellung der Unfallzahlen aus dem vergangenen Jahr hat der Leiter der Direktion Verkehr am Mittwoch (11. März) auch sonst wenig Erfreuliches zu verkünden: Seit dem Corona-Jahr 2020 ist die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreisgebiet kontinuierlich gestiegen – auf zuletzt 8307 (siehe Grafik).

Eine Grafik zeigt die Zahl der Verkehrsunfälle und der Verunglückten in Rhein-Berg in den vergangenen sechs Jahren.

So entwickelte sich die Zahl der Verkehrsunfälle und der Verunglückten in Rhein-Berg in den vergangenen sechs Jahren.

Zwar ging die Zahl der Verunglückten 2025 leicht um 33 Personen zurück, gerade die Zahl der Schwerverletzten (193) und bei vier Unfällen getöteten Menschen (sieben Unfalltote) stieg aber deutlich an (siehe zweite Grafik).

Eine Grafik zeigt die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten, der Leicht- und der Schwerverletzten in den Jahren 2025 und 2024.

Die Zahl der bei Unfällen in Rhein-Berg getöteten Menschen verdoppelte sich im vergangenen Jahr fast.

Um mehr als 50 Prozent auf 81 gestiegen ist die Zahl der verunglückten Jugendlichen – und das obwohl die Einwohnerzahl im Kreisgebiet um mehr als 2500 Personen gesunken ist und dadurch der Anteil an Verunglückten bei den übrigen Altersgruppen gleich blieb oder sank.

„Das ist der traurige Höchststand der Zahl verunglückter Jugendlicher seit 2010“, sagt Direktionsleiter Linden. War im Jahr zuvor noch ein großer Anteil der verunglückten 15- bis 17-Jährigen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, so verunglückten im vergangenen Jahr deutlich mehr mit Pedelecs, E-Scooter, Leichtfahrzeugen (vierrädrige Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen) und insbesondere Krafträder unter 125 Kubikzentimetern Hubraum. Von den 81 Verunglückten hätten 54 wesentlich die jeweiligen Unfälle verursacht, so die Kreispolizei in ihrer Bilanz. Häufigste Unfallursache in allen Fahrzeugkategorien: Die Betroffenen waren zu schnell unterwegs.

Wir wollen vor allem ungeschützte Verkehrsteilnehmer schützen. Da gucken wir ganz besonders drauf.
Marc André Linden, Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizei

Mit Programmen wie „Crash Kurs NRW“, bei denen Betroffene, Rettungsdienstmitarbeitende und Angehörige Jugendlichen an Schulen von ganz konkreten Unfallfolgen berichten, versucht die Kreispolizei seit Jahren, Jugendliche zu umsichtigerem Fahren zu animieren. Dazu sollen auch Aktionen wie „Jung-Sicher-Mobil“ an weiterführenden Schulen und Berufskollegs beitragen.

Leicht von 104 auf 100 zurückgegangen ist im vergangenen Jahr die Zahl der verunglückten Kinder. Seltener als im Jahr davor wurden die Betroffenen allerdings als Fußgänger oder auf dem Rücksitz von Autos verletzt, häufiger waren Unfälle mit dem Fahrrad und Pedelec.

Sechs verunglückte Kinder waren verbotswidrig mit E-Scooter unterwegs

Sechs Kinder seien verbotswidrig mit E-Scootern unterwegs gewesen, was Direktionsleiter Linden und den Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei, Thomas Schliwitzki, dazu veranlasste, nochmals an die Voraussetzungen für das Fahren von E-Scootern zu erinnern: Das Mindestalter beträgt 14 Jahre, Eltern drohe ein Bußgeld, wenn sie ihre Kinder mit einem E-Scooter fahren lassen, so Linden. Auch dürfe man mit E-Scootern nicht auf Gehwegen, sondern lediglich auf Radwegen, Schutzstreifen oder Radfahrstreifen fahren und müsse – wenn solche nicht vorhanden seien – auf der Fahrbahn fahren.

Auch bei den 18- bis 24-Jährigen hat die Zahl derer, die mit motorisierten Zweirädern verunglückten, zugenommen, auch wenn mit 138 Personen insgesamt 20 junge Erwachsene weniger verunglückten als im Jahr zuvor. Bei der sehr großen Gruppe der Erwachsenen (25 bis 64 Jahre) ging die Zahl der Verunglückten von im vergangenen Jahr 626 auf 586 zurück. Bei den Senioren sank die Zahl der Unfallopfer   leicht auf 169: Deutlich weniger als im Vorjahr verunglückten beim Autofahren (Rückgang von 79 auf 56 Personen), dafür hatten fast doppelt so viele (40) als Fußgänger einen Unfall – und anderem auf Parkplätzen und beim Rangieren oder Rückwärtsfahren von Fahrzeugen, wie die Kreispolizei auswertete.

In Bergisch Gladbach ist die Zahl der Verunglückten besonders stark zurückgegangen

Besonders deutlich zurückgegangen ist die Gesamtzahl der Verunglückten in Bergisch Gladbach (von 451 auf 399), wie Thomas Schliwitzki betonte. In Kürten erreichte die Zahl der Unfallopfer mit 80 einen neuen Höchststand (2024: 75). Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Verunglückten in Odenthal (von 57 auf 73), während ihre Zahl in Overath mit 134 (Vorjahr: 144) auf einem laut Schliwitzki „sehr hohen Niveau“ blieb.

In Rösrath fiel bei den insgesamt 89 Unfallbeteiligten (Vorjahr: 77) die deutliche Zunahme von beteiligten Kindern (von 9 auf 15) und Jugendlichen (von 5 auf 10) auf.

Um die Analyse von Motorradunfällen im Rheinisch-Bergischen Kreisgebiet , die zunehmende Zahl neuer Fahrzeuge sowie Unfallfluchten geht es in kommenden Tagen auf diesen Seiten.