Die Polizei steht mit Amprion und RWE im Austausch. Die Ermittlungen laufen in Richtung einer verfassungsfeindlichen Sabotage.
Nach AnschlagAbschussvorrichtungen auf Feld vor Umspannwerk in Bergheim gefunden
Nach einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) ermittelt die Polizei wegen einer verfassungsfeindlichen Sabotage. Demnach hätten Unbekannte Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, teilte Innenminister Herbert Reul mit.
Wie am Mittwochnachmittag (2. September) bekannt wurde, haben Ermittlerinnen und Ermittler sechs Abschussvorrichtungen in einem Feld gefunden. Es sei davon auszugehen, dass diese Vorrichtungen so gebaut waren, um mit pyrotechnischen Gegenständen einen Draht in die Höhe über die Stromleitungen zu führen, sagte der Leitende Kriminaldirektor Michael Esser.
Es werden auch Zusammenhänge mit dem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen und weiteren mutmaßlichen Sabotageversuchen an Stromversorgungs-Anlagen untersucht, hieß es weiter. Hierzu stünden die Ermittlerinnen und Ermittler der betroffenen Bundesländer im Austausch. Ziel sei es, Ermittlungsansätze zu gewinnen, teilte ein LKA-Sprecher auf Anfrage mit. Weitere Angaben machte er nicht.

Einsatzkräfte am Werkstor in Bergheim. Über die Art des Anschlags machte die Polizei keine Angaben. Verletzte gab es wohl keine.
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Bereits am Mittwochmorgen (2. September) waren die Ermittlerinnen und Ermittler nicht von einem Unfall aus. „Wir gehen nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Tat, einer Straftat, aus“, sagte ein Sprecher der Polizei Essen auf Anfrage. Ursache und Hintergründe seien noch unklar.
Die Polizei war dem Sprecher zufolge am Dienstagabend (1. September 2026) gegen 20.00 Uhr wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk im Bergheimer Ortsteil Rheidt gerufen worden. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen. Zu einem Ausfall der allgemeinen Stromversorgung kam es nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Das Werk gehört zum Energieversorger Amprion, der den Vorfall bestätigte.
RWE-Braunkohle-Kraftwerksblöcke ausgefallen
Die Störung in dem Umspannwerk in Bergheim hatte Angaben von RWE zufolge auch Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen. Wie ein Pressesprecher des Unternehmens mitteilte, seien in der Folge insgesamt fünf Braunkohlen-Kraftwerksblöcke von RWE im Rheinischen Revier mit einer Kapazität von insgesamt 4200 Megawatt vom Netz gegangen.

Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen vor dem Umspannwerk in Bergheim.
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Zwei der insgesamt fünf Blöcke sollen voraussichtlich im Laufe des Mittwochvormittags wieder ans Netz gehen. Die anderen Kraftwerksblöcke sollen bis zum Wochenende wieder vollständig in Betrieb genommen werden.
Der Energieversorger Amprion bestätigte die Zusammenhänge. „Im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen im Rheinland ist es am Dienstagabend zu einem Vorfall gekommen, der Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen hatte“, heiß es.
Enger Austausch zwischen Polizei, Amprion und RWE: „Auf derartige Einsätze vorbereitet“
Die Polizei Essen tauscht sich dem Sprecher zufolge eng mit Amprion und dem Netzbetreiber RWE aus. „Wir als Polizei Essen führen den Einsatz und die Ermittlungen, weil wir für die Führung derartiger Einsätze und Ermittlungslagen vorbereitet sind.“

Der Vorfall hat sich so gegen 20 Uhr am Dienstagabend ereignet. Das Werksgelände wurde abgeriegelt.
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Das Unternehmen mit Sitz in Dortmund betonte: „Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet.“ Expertinnen und Experten von Amprion arbeiteten mit den zuständigen Sicherheitsbehörden daran, den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären und die Auswirkungen zu bewerten.
Russland unter Verdacht: Mehrere Anschläge in der Vergangenheit
Die Polizei Essen hat die Ermittlungen übernommen und tauscht sich nach eigenen Angaben eng mit Amprion und dem Netzbetreiber RWE aus.
Erst am Dienstagmorgen hatten Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg versucht, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen. In zwei Fällen gelang dies nach Behördenangaben. Die Polizei ermittelt wegen Sabotage. In den vergangenen Monaten gab es weitere Vorfälle an der Strominfrastruktur. So zündeten im Januar mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an. (dpa/mbr/ik/jv/jtü/red)
