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Mehr Fälle von Windpocken im KreisgebietImmunisierung trotz guter Impfquote empfohlen

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Impfen gegen Windpocken soll helfen, die Zahl der Fälle zu senken.

Rhein-Erft-Kreis – Im Rhein-Erft-Kreis hat es im vergangenen Jahr deutlich mehr Windpockenfälle gegeben als im Jahr davor. Darauf macht die Krankenkasse IKK classic aufmerksam. Das Kreisgesundheitsamt schätzt die Lage aber als undramatisch ein, unterstützt aber einen Aufruf der IKK classic, Impfungen nicht zu vernachlässigen.

Die Krankenkasse hat die aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts ausgewertet. Danach gab es im Jahr 2018 in den zehn Kommunen des Rhein-Erft-Kreises 73 Fälle von Windpocken. Im Jahr davor waren es nur 48. „Dies entspricht einer Steigerung von 52,1 Prozent“, so Michael Lobscheid von der IKK classic. Bundesweit war dagegen ein Rückgang von 7,9 Prozent zu verzeichnen, in NRW betrug der Rückgang 13,7 Prozent.

Übertragung meist durch Husten und Niesen

„Man sollte diese Krankheit nicht unterschätzen“, warnt Lobscheid. „Windpocken sind bei Kindern zwar meist harmlos, bei Erwachsenen besteht aber die Gefahr von Folgeerkrankungen wie Gehirnentzündung oder Leberentzündung.“

Übertragen werden Windpocken meist durch Husten und Niesen, eine Ansteckung ist aber auch durch Flüssigkeiten aus den Bläschen des Hautausschlages möglich, in denen viele Viren enthalten sind. Da die Viren lange in der Luft schweben, könne die Infektion tatsächlich durch Wind über große Entfernungen übertragen werden, so die IKK – daher rühre auch der Name Windpocken. Wer nicht immun sei, stecke sich in der Regel sofort an, danach dauere es zwei bis drei Wochen, bis die Krankheit ausbreche. Nach einer weiteren Woche klingen die Symptome ab. Wer schon einmal Windpocken hatte oder gegen die Krankheit geimpft ist, kann sich nicht anstecken.

Immunisierung empfohlen

„Darum ist es wichtig, dass möglichst alle Kinder gegen Windpocken geimpft werden“, betont Michael Lobscheid von der IKK classic. Zwar könne niemand den Eltern die Entscheidung, ihr Kind impfen zu lassen, abnehmen. „Es ist jedoch wichtig, dass sich Eltern mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen, zum Schutz ihrer Kinder und dem Dritter“, sagt der Krankenkassenvertreter.

Der Impfschutz wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung vom Kinderarzt überprüft. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Impfung für Kinder im Alter von elf bis 14 Monaten, die zweite Impfung mit 15 bis 23 Monaten. Eine fehlende Impfung kann aber auch später nachgeholt werden, die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten.

Kreis verweist auf gute Impfquote

Das Kreisgesundheitsamt schließt sich der Impfempfehlung an, verweist aber auch darauf, dass die Impfquoten im Rhein-Erft-Kreis gut seien. „Dieser Befund ist für die Lageeinschätzung eher entscheidend als die absolute Zahl von 73 Fällen im Jahr 2018“, betont Simon Schall, Sprecher der Kreisverwaltung. Zur Einordnung der Fallzahlen von 2018 müsse auch berücksichtigt werden, dass es in Vorjahren noch mehr Fälle von Windpocken registriert worden seien, nämlich 93 im Jahr 2015 und 87 im Jahr 2016. Dass sich bei so niedrigen Fallzahlen schon durch geringe absolute Verschiebungen große prozentuale Veränderungen ergeben, sei ein statistischer Effekt.

„Gemessen an der Einwohnerzahl des Kreises von etwa 468 000 Menschen liegt die Quote 2018 bei 0,016 Prozent der Bevölkerung“, so Kreissprecher Schall weiter. „Insofern ergibt sich für das Kreisgesundheitsamt kein besonderer Handlungsbedarf, der über die Aufklärungsmaßnahmen hinausgeht, die wir ohnehin betreiben, wenn wir in den Kindertageseinrichtungen und Schulen im Kreisgebiet sind.“