Pflegefachfrauen üben Kritik an geplanter Gesetzesänderung zu Beratung und Bezahlung nach Tarif.
Für AngehörigeCaritasverband Rhein-Sieg eröffnet Pflegeberatungsbüro in Much

Füttern, Waschen, Tagesgestaltung: In der häuslichen Pflege fallen viele Aufgaben an. Oft teilen sich Angehörige und Pflegedienst diese.
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„Wir machen es trotzdem“, bekräftigt Judith Finke. Die Fachbereichsleiterin Ambulante Pflege und Beratungsdienste des Caritasverbands Rhein-Sieg eröffnete mit Co-Leiterin Theresia Engel ein Beratungsbüro im Kleverhof in Much. Eine Stelle, an die sich Angehörige von pflegebedürftigen Menschen wenden können.
Mit „trotzdem“ verweist die Pflegexpertin auf den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG). Das sieht vor, die Pflegeberatung künftig an die Kostenträger auszulagern. Das bedeutet konkret, dass bald nicht mehr Pflegedienste und -kräfte, sondern Vertreter der Pflegekassen Beratungsgespräche führen könnten.
Fachkräfte können pflegende Angehörige mit Beratung unterstützen
„Das lässt sich mit Logik noch nicht so ganz begreifen“, meint Theresia Engel. Die riesige Berufserfahrung der Pflegekräfte zahlt sich laut Engel bei den mindestens zweimal jährlich verpflichtend stattfindenden Beratungsterminen eben aus. „Die können den Angehörigen genau zeigen, wie man die Pflegebedürftigen richtig hebt, die erkennen jede Stolperfalle wie etwa einen Teppich“, meint auch Dörte Staudt, Pressesprecherin der Caritas. „Die Leute vom Amt stehen dann mit einer Liste da und sehen die echten Fehlerquellen nicht“, befürchtet Engel.

Judith Finke und Theresia Engel von der Caritas Rhein-Sieg bilden ein Führungstandem.
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Von den aktuell etwa 45.000 Pflegebedürftigen im Rhein-Sieg-Kreis werden aktuell 89 Prozent von Angehörigen versorgt, 66 Prozent tun das ohne die Unterstützung eines professionellen Pflegedienstes . Diese Gruppe bezieht ausschließlich das sogenannte „Pflegegeld“.
Im schlimmsten Fall, so Sprecherin Dörte Staudt, könnten Angehörige überfordert sein und sich gezwungen sehen, ihre Liebsten in ein Pflegeheim zu geben. Und ein Platz dort ist um ein Vielfaches teurer, als die Pflege zu Hause – selbst mit Angeboten der ambulanten Pflege und der Tagespflege. „Das ist alles zu kurzsichtig gedacht“, findet Staudt.
Ein weiterer Dorn im Auge ist den Fachbereichsleiterinnen die geplante Aussetzung der Tarifpflicht für Pflegebeschäftigte. Seit 2022 gelten die Bestimmungen, gelernte Pflegefachkräfte starten mit rund 3.500 Euro Bruttoverdienst im Monat. Diese Gehälter künftig eventuell mit den Kassen aushandeln zu müssen, besorgt Engel: „Eigentlich waren die Tarifbestimmungen eine Errungenschaft für die Branche.“
Caritasverband Rhein-Sieg fürchtet um seine Fachkräfte
Das Durchschnittsalter der Beschäftigten in den sieben Pflegeeinrichtungen des Caritasverbands Rhein-Sieg beträgt im Moment 58 Jahre, viele Angestellte gehen also bald in Rente. Fachbereichsleitung Judith Finke glaubt aber, dass auch die von der Bundesregierung angestrebte Verlagerung der Pflegeberatung die Pflegedienste Stellen kosten könnte. „Wir befürchten, dass uns Fachkräfte abgeworben werden. Hier würde ein hausgemacht zusätzlicher Fachkräftemangel entstehen.“

Diakon Guido Hagedorn segnete die Caritas Beratungsstelle in Much
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Dass eine Beratungsstruktur innerhalb der Pflegekassen neu aufgebaut wird, können sich die Fachbereichsleiterinnen kaum vorstellen. Sie erwarten gespannt den nächsten Entwurf des PNOG, er soll noch im September kommen. Um ein Zeichen für die Pflegeeinrichtungen zu setzen, haben sie trotz der zu befürchtenden Veränderungen ihr neues Beratungsbüro eingeweiht. Übrigens im Wortsinn: Diakon Guido Hagedorn segnete die Räumlichkeiten innerhalb eines kleinen Gottesdienstes.