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Zeuge schlägt Räuber mit GlasflascheMechaniker aus Much wegen Überfällen auf Getränkemarkt vor Gericht

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Eine Person hält ein Bündel Geldscheine in der Hand.

Der Angeklagte überfiel zweimal den gleichen Supermarkt in seinem Heimatort – und wurde erkannt.

Der Angeklagte hatte zu wenig Geld, um einzukaufen oder seine Cannabis-Dealer zu bezahlen. Also raubte er den heimischen Getränkemarkt aus.

Es war kurz vor Weihnachten 2025: Ein 37-jähriger gelernter Mechaniker aus Much hatte mal wieder Geldsorgen, vor allem wegen der Schulden bei seinen Dealern, die den exzessiven Cannabisraucher mit Stoff versorgten. „Spontan“, sagte der Angeklagte jetzt vor der 3. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts, sei ihm da der Gedanke gekommen, einen Getränkemarkt in seiner Heimatgemeinde zu überfallen – und das gleich zweimal. Er kannte das Geschäft, weil er dort zeitweise als Aushilfe gearbeitet hatte.

Am 5. Dezember, dem Tag vor dem Nikolausfest, rauchte er erst mit einem Kumpel in der Nachbarschaft des Marktes einen Joint, vermummte sich dann mit einem Tuch das Gesicht, ging gegen 17.40 Uhr in den Laden, zeigte dem Kassierer drohend ein Teppichmesser und forderte: „Geld her!“ Der Angestellte zögerte nicht lange und packte insgesamt 2300 Euro in einen Stoffbeutel, den ihm der Räuber hingehalten hatte. Er lief weg, bestellte aus sicherer Entfernung vom Tatort ein Taxi und ließ sich zu einem Gläubiger bringen, dem er Geld schuldete.

Zeuge schlägt Räuber mit Glasflasche auf den Kopf

Weil Überfall Nummer 1 „so gut geklappt hatte“, so der Angeklagte, versuchte er es am 23. Dezember 2025, am Tag vor Heiligabend, an gleicher Stelle ein zweites Mal. „Ich wollte einkaufen gehen“, erklärte er den Richtern, doch ihm fehlten die Barmittel. Wieder band er sich das Tuch um Mund und Nase, hielt dem Kassierer – ein anderer als beim ersten Überfall – das gleiche Messer hin und verlangte Geld. Doch kaum hatte der Mitarbeiter die Kassenschublade geöffnet und der Räuber die Hand zu den Scheinen ausgestreckt, da schlug ihm ein Zeuge von hinten eine Glasflasche auf den Kopf.

„Danach ging es mir nicht gut“, erinnerte sich der 37-Jährige. Mit blutender Wunde am Schädel rannte er zu einem Bekannten in der Nähe, log dem vor, er selbst sei überfallen worden und ließ sich nach Engelskirchen ins Krankenhaus bringen. Nach der Erstversorgung eines „leichten Schädelbasisbruchs“ kehrte er in seine Wohnung zurück, wo ihn kurz darauf Polizeibeamte festnahmen. Der Täter war bei dem Überfall erkannt worden. An Heiligabend wurde ihm der Haftbefehl verkündet, vorbei war es mit dem Weihnachtsfest daheim.

Angeklagter hatte 60.000 Euro Schulden – und meldete Privatinsolvenz an

Die Zeit in der Untersuchungshaft in Siegburg habe sein Leben verändert, schilderte der Angeklagte dem Gericht. Ihm sei durch Gespräche mit der katholischen Gefängnisseelsorgerin Schwester Hannah Rita „klar geworden, was ich gemacht habe“. Dass er nämlich nicht bei seiner Frau sein konnte, die an Heiligabend einen schweren Eingriff überstehen musste. Dass er Arbeitsstellen teilweise schon nach wenigen Wochen aufgegeben hatte, Briefe nicht geöffnet habe. So seien ihm „Rechnungen über den Kopf gewachsen“: Das Ehepaar hat nach seinen Angaben 60.000 Euro Schulden, allein bei einer Krankenkasse stehe er mit 18.000 Euro in der Kreide.

Im Februar wurde der Mucher unter strengen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen. Er hat mittlerweile einen Teilzeitjob als Lagerist, hat Privatinsolvenz angemeldet und lässt sich therapeutisch behandeln.

Während er die beiden Überfälle umfassend gestanden hat, streitet er eine dritte Anklage ab: Ein Ehepaar aus Much hat ihn wegen Betrugs angezeigt, weil er im Juni 2025 ein Darlehen über 500 Euro nicht nach einer Woche vereinbarungsgemäß zurückgezahlt habe. Das stimme nicht, behauptet er, den Kredit habe er auf deren Anwesen abgearbeitet – „schwarz“.