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Pastoraler Raum Hellenthal/SchleidenDie Leitung wird auf mehrere Schultern verteilt

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Das neue Leitungsteam des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden steht vor einer Kirche.

Das neue Leitungsteam des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden: Astrid Sistig (v.l.), Ingo Jansen, Ellen Lehner, Thomas Schlütter und Dorothea Gehlen.

Der Pastorale Raum Hellenthal/Schleiden gibt sich eine neue Struktur. Die neue Leitung weiß: Ohne Vernetzung würde es nicht gehen.

Wer sich ein Bild machen will, wohin die Katholische Kirche im Bistum Aachen unterwegs ist, braucht eigentlich nur einen Blick auf die Wand des Alten Jugendheims in Schleiden zu werfen. Auf einer Länge von mehreren Metern sind Namen, Orte und Institutionen, Kirchengemeinden und Orte von Kirche, wie es jetzt heißt, auf Zetteln verzeichnet – das Netzwerk, das die Vertreter der Kirche im Pastoralen Raum Hellenthal/Schleiden aufbauen wollen.

Entstanden ist die Sammlung bei einem Treffen des Pastoralteams mit der neu zusammengestellten Leitung des Pastoralen Raumes. Über mehrere Stunden hinweg saßen die Haupt- und Ehrenamtler zusammen, um einen Ansatz für eine neue Struktur zu entwickeln. „Es ist eine Herausforderung, das ans Laufen zu bringen“, sagt Pfarrer Thomas Schlütter, Leiter des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden.

16 Kirchengemeinden gehören zum Pastoralen Raum Hellenthal/Schleiden

So, wie es früher einmal gewesen ist, geht es nicht mehr, das ist schon seit Jahren nicht zu übersehen. Es gibt immer weniger Priester, immer weniger Kirchensteuereinnahmen durch immer weniger Kirchenmitglieder und im Gegenzug viele Kirchen, Kapellen und andere Immobilien, die unterhalten werden wollen. Im Pastoralen Raum Hellenthal/Schleiden sind es 16 Kirchengemeinden und insgesamt rund 130 Mitarbeiter, zum Teil Mini-Jobber – ein Apparat, der von einem Pfarrer alleine, so wie es früher war, nicht mehr zu verwalten ist. „Die Leute sehen immer nur das Einzelne“, sagt Schlütter und nimmt demonstrativ einen Zettel in die Hand, auf dem der Name einer Kirchengemeinde steht. Das große Ganze werde aber von vielen kaum gesehen.

Keine Arbeit für eine Person. Leitungsteam heiße dieses Gremium, das sich jetzt neu formiert hat, allerdings offiziell nicht, denn Rom bestehe darauf, dass der Pfarrer immer noch die alleinige Verantwortung habe. „Es heißt Mitwirkung an der Leitung“, zitiert Schlütter die offizielle Sprachregelung. Faktisch sei es aber so, dass die Leitung des Pastoralen Raumes gemeinsam gemacht werde.

Laut Thomas Schlütter ist das alte System schöngeredet worden

„Als Pfarrer in so einem großen Bereich kann ich die ganzen Aufgaben überhaupt nicht leisten. Das funktioniert nicht auf der pastoralen Ebene, das funktioniert nicht auf der Verwaltungsebene und das funktioniert nicht auf der administrativen Ebene“, sagt er. Es gebe bei vielen Menschen den Gedanken, wenn der Pastor nicht da sei, dann sei das Ganze nichts. Das sei natürlich Unsinn. Das sei vorher schon falsch gewesen und sei heute noch falscher. Ob eine Sitzung von ihm oder von einem anderen Mitglied des Teams geleitet werde, mache keinen Unterschied, so Schlütter.

Das Pastoral- und Leitungsteam heftet Zettel an eine Pinnwand und beschreibt das Papier.

Netzwerke zu bilden ist notwendig, wenn Pastoral- und Leitungsteam des Pastoralen Raumes Hellenthal/Schleiden ihre neue Struktur bilden.

Doch hat das frühere System, bei dem ein Pfarrer alles verwaltet hat, nicht in der Vergangenheit funktioniert? „Ich glaube, dass das nie funktioniert hat, wenn man von einer verantworteten und qualitativ hochwertigen Pastoral sprechen will“, wird der Pfarrer deutlich. Das gelte nicht nur für Schleiden. Es sei schöngeredet worden. Es seien Schlupflöcher gesucht worden, damit das alles schön sei, aber funktioniert habe das schon lange nicht mehr.

In Hellenthal/Schleiden ist man auf dem Weg zur „Geh-hin-Kirche“

„Wir müssen jetzt die Schritte gehen, die Kirche zukunftsfähig zu machen. Wir sind nicht mehr eine Kirche, die zentral im Dorf steht, und alle gehen dahin. Wir sind auch nicht mehr die Pfarrfamilie, sondern wir sind ein Netzwerk“, sagt er. Es gebe bereits viele Menschen, die vor Ort eigenständig kirchliches Leben organisierten. „Doch Kirche sind wir schon gemeinsam“, betont Gemeindereferentin Astrid Sistig. Man sei auf dem Weg zu einer Geh-hin-Kirche. Wo könnten Menschen zusammengebracht und vernetzt werden, die entweder gleiche Arbeitsfelder, Arbeitsbereiche oder Angebote machten, das sei die Frage. Das Leben vor Ort solle begleitet und unterstützt werden, aber es solle nicht mehr alles selber gemacht werden. „Nicht irgendwas Neues erfinden, sondern das aufwerten, das es schon gibt“, beschreibt es Dorothea Gehlen, die bei der Caritas in Schleiden arbeitet.

Gemeinsam mit dem Verwaltungsleiter, dem Juristen Ingo Jansen, und Ellen Lehner als Vertreterin der Ehrenamtler bilden sie mit Pfarrer Schlütter das Leitungsteam, auch wenn es nur intern so genannt wird. Sistig vertritt die hauptamtlichen Mitarbeiter im Pastoralteam. Eigentlich wäre noch eine zweite Person aus dieser Gruppe in der Leitung des Pastoralen Raumes vertreten, doch Schleiden habe einen Sonderweg gewählt. „Es gibt nur drei oder vier Pastorale Räume im Bistum, in denen Caritas-Mitarbeiter in der Leitung mit dabei sind“, freut er sich über die Vernetzung, die über den Tellerrand hinaus weist.

Das „Heutig werden“ der Kirche tut Not, sonst verliert man Gläubige

Als Vertreterin der Ehrenamtler ist Ellen Lehner mit dabei, ein zweiter Platz, der dieser Gruppe zustehen würde, ist noch offen. „Ich bin gefragt worden“, sagt Lehner, die auch für die SPD im Schleidener Stadtrat sitzt. Erfahrungen habe sie bereits im Pfarreirat gesammelt. Sie sei auch Wortgottesdienstleiterin und habe ein abgeschlossenes Fernstudium der Theologie. „Was vielleicht nicht ganz hinderlich ist, wenn man das Amt übernimmt“, fügt sie hinzu. Der Gedanke des Priestertums aller Gläubigen habe sie schon immer fasziniert. Im Zweiten Vatikanischen Konzil sei es das „Heutig werden“ der Kirche genannt worden. „Das tut in der Kirche Not, denn sonst verlieren wir immer mehr Gläubige“, sagt sie. So könne Kirche nicht mehr wachsen.

„Das alles kann ich nicht allein im Blick halten“, sagt Schlütter und zeigt auf die lange Wand mit den Zetteln. Das gehe nur gemeinsam im Team, vor allem aber in Verbindung mit den anderen Gremien, dem Rat des Pastoralen Raumes und dem Kirchenvorstand. „Ich bin fast erschlagen, wenn ich sehe, wie viel es eigentlich hier in der Eifel schon gibt“, sagt Gehlen mit einem Blick auf die Wand voller Zettel. Das Rad müsse aber nicht immer neu erfunden werden, oft sei es auch möglich, sich über die Gemeindegrenzen zu vernetzen.

Die Anknüpfung an das Bistum Aachen ist noch im Werden

Überall im Bistum Aachen, in all den neu formierten Pastoralen Räumen, würden sich jetzt diese Strukturen bilden, so Schlütter. Wie sich aber die Anknüpfung an die obere Ebene, an das Bistum in Aachen, darstelle, das sei noch im Werden.

„Der Umbau geschieht ja nicht nur in der Gemeinde, sondern auch beim Bistum und auf der regionalen Ebene. Da sind die verschiedenen Themenbereiche so ausdifferenziert worden, dass es momentan ganz schwer möglich ist, die wieder zu verbinden“, beschreibt er das Dilemma.

Auch in den Pastoralen Räumen müssten sich die Sachen einspielen. „Das wird nicht von heute auf morgen gehen, es wird viele Probleme geben“, prophezeit er. Deshalb müsse fehlerfreundlich damit umgegangen werden, sowohl mit dem Bistum als auch mit den Gemeinden. „Den Weg sehen wir gerade alle nicht so richtig, aber wir gehen ihn und vertrauen darauf, dass Christus uns führt“, sagt Schlütter.


Eingeführt wird die Leitung des Pastoralen Raumes in ihr neues Amt offiziell am Samstag, 9. Mai, 17 Uhr, von Regionalvikar Pater Wieslaw Kaczor SDS aus Steinfeld in einer Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Anna in Hellenthal, Kölner Straße 23.