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Kreative Ideen aus aller WeltZehnjähriger aus Windeck bringt eigene Dorfzeitung raus

4 min
Es ist Mino in seinem Vorgarten zu sehen.

Mino hat in seinem Vorgarten eine Bergkristall-Ausstellung errichtet. 

Neben seiner Zeitung hat Mino auch eine eigene Bergkristall-Ausstellung in seinem Vorgarten. Später möchte er einmal in Paris leben.

Der zehnjährigen Mino Jirzik und der Fotograf Volker Erich Jahr aus Windeck-Schladern sind beim Dorfpicknick vom Verein Windeck im Wandel in ein Fachgespräch vertieft. Mino war über Ostern mit seiner Familie in Paris und hat dort mit seiner kleinen Kamera Fotos gemacht.

„Er hat gut dokumentiert, Idee und Wahrnehmung sind hervorragend“, bescheinigt ihm der ältere Fotograf, dessen Schwerpunkt der Ingenieurbau ist und der für Auftraggeber Objekte wie die Philharmonie in Paris und die Börse in Zürich fotografiert.

Mino hat bereits zehn Ausgaben seiner Dorfzeitung erstellt

Mino hat aus seinen Fotos Postkarten gemacht, sie verkauft und das Geld für die Menschen in der Ukraine gespendet. In der Warteschleife für ein Gespräch mit Mino steht auch Bolko Bung, Nachbar aus der Straße und Grafik-Designer, der einige Jahre in Paris gelebt hat. Für Gesprächsstoff ist also gesorgt, und das ist wichtig, denn Mino ist Alleinherausgeber der Dorfzeitung, kurz „Die Zeitung“ betitelt.

Es ist die Konzertankündigung zu sehen.

Mino hat für seine Zeitung eine Konzertankündigung gestaltet.

Manchmal gibt es auch eine Kopie, sonst wird ein Exemplar herumgereicht. In der letzten Ausgabe, es dürfte nach Minos Schätzung die zehnte gewesen sein, hatte er mitgeteilt, dass er nach Sensationen gesucht und keine gefunden habe. Das soll so schnell nicht wieder vorkommen.

Idee kam aus einer Fernsehserie

Seine neuen Gesprächspartner sind beide musikaffin, also noch ein guter Aufhänger. „Musik ist mein Ding“, erklärt Mino. Er spielt Klavier, Schlagzeug und Gitarre, kann aber auch singen und hat keine Scheu, sich zu bewegen, so neulich beim Konzert mit Nachwuchsmusikern in der Friedenskirche in Schladern.

Auch für weitere Interessen lassen sich Kontakte knüpfen, etwa zur Mineralogie, zur Schatzsuche und zur Detektivarbeit. Es gibt wenig, wofür Mino sich nicht interessiert. Die Idee, eine eigene Zeitung zu machen, kam ihm bei einer Kinderserie im Fernsehen: „Die Zeitung hatte gestreikt, die Kinder haben dann selbst eine Zeitung gemacht“, erzählt der Nachwuchskollege beim Besuch dieser Zeitung.

Mino schreibt alle Texte per Hand

„Die Deckseite gestalte ich hübsch.“ Zum Stift greift er, wenn er Zeit und Lust hat. Feste Rubriken sind „Sensationen“, „Burg-Windeck-Straßen“-Teil und das Wetter. Manchmal sind selbst ausprobierte Kochrezepte, Rätsel und Witze dabei. Alle Texte schreibt er mit der Hand und malt Bilder dazu. Schwester Anna hilft beim Malen der Wetterkarte.

Hauptthemen sind große und kleine Sensationen. „Manchmal habe ich einen Tierbericht dabei. Als unsere Katze vom Baumhaus nicht mehr alleine runterkam, musste Papa sie am Schwanz ziehen, um sie runter zu holen.“ Letzte Woche hat Mino am Himmel einen blinkenden Flugkörper gesehen. „Es könnte ein Ufo gewesen sein“, vermutet er, „das Ding war zu weit oben, um es sicher zu bestimmen.“

Kostenlose Werbung für Eisdiele des Nachbarn

Neuer Stoff für Berichterstattung könnte sich auch aus Minos Detektivarbeit ergeben. Mit seiner Schwester und einer Freundin hat er ein Detektivbüro gegründet. Sie sind gut ausgerüstet. Ein Fingerabdruck-Set haben die Großeltern beigesteuert, den Detektivblock haben die Kinder selbst gebastelt.

„Zum Ausspionieren verkleiden wir uns als Reporter. Wir wollen die Wachhunde von einem Verdächtigen überlisten“, verrät Mino über eine geheime Mission. Wenn seine Schwester Gäste hat, organisiert er eine Schatzsuche und bastelt Hinweise, die er im Ort versteckt. Die jüngste Suche endete in der Eisdiele. Die gehört Nachbar Thomas, und der bekommt in der Zeitung kostenlos eine Werbeseite.

Mino hat genaue Vorstellungen für seine Zukunft

Auf der letzten Seite wirbt der Junge in eigener Sache für seine Bergkristall-Ausstellung. Die steht auf Holzklötzen im elterlichen Vorgarten. Die Kristalle hat er aus dem Schweiz-Urlaub mitgebracht und damit Bauwerke aus Schladern in Szene gesetzt.

„Ich hätte gerne mehr Werbung“, wünscht er sich. „Ich spreche Vorbeigehende an und führe sie durch die Ausstellung. Viele verstehen nicht, was ich mache.“ Jeder Besucher darf sich ein kleines Stück Kristall mitnehmen. Der Eintritt ist kostenlos. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr und manchmal am Wochenende.

Für seine Zukunft hat Mino genaue Vorstellungen. Nach den Ferien wechselt er zum Gymnasium. „Ich möchte Französisch lernen, das ist eine schöne Sprache. An der Schule werde ich in einer Band spielen. Wenn es keine gibt, gründe ich eine, das habe ich der Schulleiterin schon gesagt. Später werde ich mit meiner Frau am Rand von Paris einen eigenen Bauernhof bewirtschaften.“ Auch das hat er mit seiner Auserwählten schon besprochen.