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„Bürokratieschlinge immer enger“Wie die Industrie in Rhein-Sieg auf aktuelle Herausforderungen reagiert

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Die Abrissarbeiten für die linksrheinische Vorlandbrücke haben am zweiten Augustwochenende begonnen.

Die Abrissarbeiten für die linksrheinische Vorlandbrücke haben am zweiten Augustwochenende begonnen.

Die Vertreter der Industrie im Rhein-Sieg-Kreis beklagten sich über zu hohe Hürden bei der Bürokratie.

Das Ehepaar Elke und Oleg Retzer hat Großes vor auf dem ehemaligen Schoeller-Gelände in Eitorf. Dort, wo früher Kammgarn und Wolle hergestellt worden war, soll wieder produzierendes Gewerbe angesiedelt werden. Sieben Betriebe mit insgesamt 50 Mitarbeitern hätten sich in den vergangenen Monaten auf dem Areal am Spinnerweg niedergelassen, das geprägt ist von Nissenhütten und Sheddächern.

Die sind zum Teil marode und werden gerade von vier Dachdeckerfirmen saniert, um sie vorzubereiten für Photovoltaikanlagen. Weiter geplant sind ein Blockheizkraftwerk, ein Gaskraftwerk und ein 200-Megawatt-Batteriespeicher. Der vor Ort erzeugte Strom soll an den Energieversorger Rhena sowie an die Gewerbebetriebe abgegeben werden und auch in die 86 bis 100 Wohnungen fließen, die das Unternehmerpaar aus Bad Hersfeld bis 2027 errichten will: „Der Bauantrag ist gestellt“. Aus den Kaufverhandlungen für das einstige Krewel-Areal und das Firmengelände von ZF an der Bogestraße, das der Mutterkonzern Ende 2027 aufgeben will, haben sich die Retzers zurückgezogen.

Wie die Industrie mit Digitalisierung und steigenden Kosten umgehen will

Oleg Retzer stellte seine Pläne am Dienstag in einer Pressekonferenz der Initiative Industrie Bonn/Rhein-Sieg vor, in der es darum ging, wie die Industrieunternehmen der Region mit Herausforderungen wie Digitalisierung, steigenden Kosten oder Fachkräftesicherung umgehen. Motto der Veranstaltung: „Ohne Industrie fehlt hier was!“

Nach Aussage der Firmenrepräsentanten kommen sie mit den Herausforderungen klar. SGL Carbon in Bonn zum Beispiel ist ein Hersteller von Spezialgraphiten für die Halbleiterindustrie, die Solartechnik und LED-Herstellung sowie für den Automobilsektor und Windkraftanlagen. Kunden sitzen in der Europäischen Union, in China und in den USA. Nordamerika ist nach Angaben von Werksleiterin Julia Herting inzwischen ein schwieriger Markt geworden. Grund: die Zollpolitik von Präsident Trump. Da heiße es, flexibel zu reagieren und etwa andere Lieferwege einzuschlagen, um den Zollaufschlägen zu begegnen. Auch das erfordere angesichts der geopolitischen Lage rasche Reaktionen, sagte Herting: „Unser Problem ist nicht die gesperrte Nordbrücke, sondern die Straße von Hormus“.

Die Bürokratieschlinge wird immer enger.
Christian Müller, Geschäftsführer von W. Müller GmbH in Troisdorf-Spich

International verkauft auch die Sankt Augustiner Hennecke Group ihre Maschinen zur Verarbeitung des Kunststoffs Polyurethan (PUR). Geschäftsführer Thomas Wildt berichtete ebenfalls von Zollproblemen mit den USA, deswegen wolle das Unternehmen auf dem amerikanischen Markt expandieren und auch in Indien einen Fuß in der Tür haben. In Birlinghoven sind bei Hennecke 380 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit 700.

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Verglichen mit diesen Zahlen scheint das 1976 gegründete Unternehmen W. Müller GmbH mit 95 Beschäftigten am Standort Troisdorf-Spich und zehn Angestellten in den USA verhältnismäßig klein, aber der Familienbetrieb ist nach eigenen Angaben „Technologieführer in Extrusionsblasformen“, die in der Kunststoffverarbeitung verwendet werden. „Wir haben keine Probleme mit dem Fachkräftemangel, weil wir konsequent ausgebildet haben“, sagte Geschäftsführer Christian Müller. Er berichtete ebenfalls vom Wettbewerbsdruck aus den USA und Europa.

Nachdem die Statements der Industrievertreter verklungen waren, holte Christian Müller tief Luft und wandte sich in der Pressekonferenz an die Abgesandten der Wirtschaftsförderungen von Bonn, Eitorf, Sankt Augustin, Troisdorf und des Rhein-Sieg-Kreises: „Sie“, sagte der Firmenchef aus Spich „haben die Bürokratie nicht unter Kontrolle“. Seine Kollegen nickten zustimmend. „Die Bürokratieschlinge wird immer enger, ich werde von Stadt, Kreis und Land gegängelt.“ Er könne Unternehmer verstehen, die dann sagten: „Nee, mache ich nicht mehr mit“.

Für den Brandschutz in Gewerbetrieben, so sein Beispiel, seien vier Institutionen zuständig, nämlich die Bauaufsicht, die Feuerwehr, die Gewerbeaufsicht und die Berufsgenossenschaft – „und nichts ist synchronisiert“. „Die, die keine Sorgen im Leben haben, kontrollieren uns“, redete sich Müller in Rage. Unternehmerin Elke Retzer stimmte in das Klagelied mit ein: „Neun Monate warten auf einen Bauantrag.“ Hennecke-CEO Wildt: „Wir brauchen mittlerweile Berater, um Anträge stellen zu können“.

Die Wirtschaftsförderer schauten derweil auf ihre Notizen, einzig Alexander Miller aus Troisdorf ergriff das Wort: „Die Bürokratie lähmt uns auch“, spielte er den Ball an Bund und Land weiter, die den Kommunen Vorgaben machten.