Oleg Retzer und seine Frau Elke fühlen sich von Bürgermeister Rainer Viehof torpediert.
Schoeller-InvestorUnternehmer zieht Kaufangebote für Krewel und ZF in Eitorf zurück

Elke und Oleg Retzer kauften das Schoeller-Areal in Eitorf und wollte auch weitere Industriebrachen wiederbeleben. Nun zog das Paar sein Kaufangebot für Krewel Meuselbach zurück.
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Wer wird das leerstehende Gelände und Gebäude von Krewel und Meuselbach in Eitorf übernehmen? Das Bieterverfahren ist beendet, in dieser Woche soll der Zuschlag ergehen. Sicher ist: Das Unternehmerpaar Oleg und Elke Retzer ist es nicht. Die beiden Entwickler des Schoeller-Geländes haben ihr Kaufangebot überraschend zurückgezogen.
Oleg Retzer erläutert im Gespräch mit der Redaktion, welche Pläne er nicht nur für das Krewel-Gelände hatte.
Rechenzentrum hätte auf dem ehemaligen Krewel-Gelände in Eitorf entstehen sollen
Die Idee sei gewesen, Synergien zum gegenüberliegenden Schoeller-Gelände zu nutzen, das Oleg Retzer und seine Frau Elke bereits erworben und in Teilen entwickelt haben. Mehrere Besichtigungen habe es gegeben, Konzepte seien erstellt und mit dem Zwangsverwalter abgestimmt worden, sagt Oleg Retzer.
Die Kernfrage sei für ihn gewesen: „Wie bekomme ich ein Areal, das nicht mehr nötig ist, überhaupt in eine Gewinnzone?“ Nach Gesprächen mit seiner Bank, der Sparkasse Köln Bonn, sei klar gewesen: Mindestens 70.000 Euro monatlich hätte es nach Verpachtung einspielen müssen, allein um den jetzigen Strom- und Gasverbrauch zu decken. Hinzu kämen noch erhebliche Sanierungskosten. „Hochgradig unwirtschaftlich“, so Retzer. Eine Vermietung als reine Büroflächen sei daher nicht infrage gekommen, er habe sich um ein vielseitiges Portfolio an Mietern bemüht.
An den Garagenhallen und einem ehemaliges Labor im nördlichen Teil direkt neben der Grünfläche, die die Gemeinde vor Jahren bereits erwarb, habe die Freie Schule Rhein-Sieg Interesse gezeigt. Nach Retzers Aussage hätte die Alternativschule, die unter anderem bereits in Hennef einen Standort hat, 1200 Quadratmeter nutzen wollen. In den Verwaltungstrakt an der Bahnhofstraße wollte die gesetzliche Krankenversicherung ZF BKK, zurzeit noch noch in der Bogestraße angesiedelt, umziehen. Auch eine Nachnutzung für das Hochregallager durch ein Logistikunternehmen sei in den Startlöchern gewesen. „Teilweise lagen Absichtserklärungen, sogenannte Letters of Intent, vor. Ziel war es, erste Unternehmen noch im Laufe dieses Jahres am Standort anzusiedeln“, erklärt der Unternehmer aus Brandenburg.
Diese Interessenten allein hätten jedoch nicht den nötigen Ertrag erbracht, sagt Retzer. „Ich wäre weit weg von der Situation, die monatliche Summe zu erwirtschaften.“ Daher sei das Konzept entwickelt worden, ein Rechenzentrum auf den 4800 Quadratmetern reine Produktionsflächen plus Schleuse zu etablieren. Zehn Megawatt Rechenleistung seien möglich, sagt der Unternehmer, der nach eigenen Angaben mit seiner Familie sechs Kommanditgesellschaften und mehr als 90 Immobilien an 18 Standorten führt.

Das Krewelgelände von oben: Der nördliche Teil (vorn) sollte nach Angaben von Oleg Retzer an eine Freie Schule vermietet werden. Das Hochregallager (oben links) und die Produktion mit dem gegenüberliedenen Schoellergelände kooperieren.
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Er schwärmt von den Synergieeffekten des Gesamtprojekts. „Wir wollten produzierendes Gewerbe reinholen, wollten große Batterien in Kooperation mit der Uni Aachen entwickeln , um nicht von den Chinesen und Amerikanern abhängig zu sein.“
Für das ehemalige Schoeller-Gelände hat die Retzer Real Estate nach Retzers Angaben bereits einen Batteriepark mit 120 MW4 beantragt und ein Gaskraftwerk mit 40 MW geplant. Diese sollten nicht nur das Schoeller-Areal, sondern auch das geplante Rechenzentrum auf dem ehemaligen Krewel-Gelände versorgen und sogar noch Potenzial haben, den Ort zu beliefern. Zwischen drei und fünf Millionen Euro hätte der Ausbau dort gekostet, das Investment hätte zwischen 80 und 100 Millionen Euro gelegen, so Retzer. Dies hätte sich nur mit starken Partnern realisieren lassen, die nach Retzers Aussage aber schon gefunden seien.
Oleg Retzer zog sein Angebot, Krewel für 5,5 Millionen Euro zu kaufen, zurück
Laut Retzer habe er kurz vor Vertragsabschluss gestanden, der Notartermin sei für den 24. August in Frankfurt angesetzt gewesen. Doch überraschend habe Bürgermeister Rainer Viehof eine andere Investorengruppe ins Spiel gebracht. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um die Familie Sanktjohanser handeln, die Rewe-Großflächengesellschafter. Am 22. Juli stellte sich nach Informationen dieser Zeitung Maike Sanktjohanser als neue Interessentin am Krewel-Gelände dem Ältestenrat vor.
„Wir hatten schriftlich vereinbart, dass wir jetzt schon Mietverträge abschließen können, schon vor dem Eintrag ins Grundbuch. Jetzt ist das nicht mehr zu halten, weil wir keine Rechtssicherheit haben“, so Oleg Retzer. Der 66-Jährige zog sein Angebot, das Krewel-Meuselbach-Gelände für 5,5 Millionen Euro zu kaufen, zurück. Retzer wirft Bürgermeister Rainer Viehof vor, mit dem er öffentlich im Zwist liegt und dem er auf dem Schoellergelände Hausverbot erteilte, ein Bieterverfahren angestrengt und damit letztlich den Verkauf vereitelt zu haben. Dieser weist das entschieden zurück. Tatsächlich hat es nach Informationen dieser Zeitung von Beginn an ein Bieterverfahren für Krewel Meuselbach durch die Verkäuferin und die Zwangsverwaltung gegeben, dies sei allen Interessenten transparent gemacht worden.
„Als sich ein Investor mit einer konkreten Anfrage zur planungsrechtlichen Zulässigkeit eines großflächigen Einzelhandels auf dem Krewel-Gelände an die Verwaltung wandte, wurden – aus Gründen der Transparenz – die Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat über diese Anfrage informiert. Es wurde dort weder über einen Verkauf entschieden noch ein Investor bevorzugt“, sagt Bürgermeister Rainer Viehof. „Wer an einem Bieterverfahren teilnimmt, muss grundsätzlich damit rechnen, dass weitere Interessenten Angebote abgeben. Darauf hat die Gemeinde keinen Einfluss. Ebenso wenig entscheidet sie über Zuschläge oder Kaufpreise.“
Er will die Vorwürfe gegen ihn nicht so stehen lassen: „Die Behauptung, ich hätte mich unzulässig oder zugunsten einzelner Interessenten in Verkaufsprozesse eingemischt, entspricht nicht den Tatsachen.“ Viehof fordert Retzer auf, die Vorwürfe innerhalb von drei Tagen „vollständig und nachvollziehbar“ zu belegen. Er behalte sich rechtliche Schritte vor.
Auch der Kauf von ZF in Eitorf ist für Retzer Industries vom Tisch
Nicht nur der Verkauf von Krewel Meuselbach an Retzer Industries, auch der des ZF-Geländes an der Bogestraße ist vom Tisch. Er habe zwar für das Gelände und die Hallen von ZF, die Ende 2027 vom Mutterkonzern in Friedrichshafen aufgegeben werden, bereits ein Gebot abgegeben, doch ziehe er dies zurück, sagt Oleg Retzer. Seit mehr als zweieinhalb Jahren werde die Firma, in der Stoßdämpfer hergestellt wurden, schon erfolglos auf dem Markt angeboten. Er habe große Unternehmen in Batterietechnik in Sicherheitstechnik und Drohnenbau für den Standort interessiert, viele potenzielle Investoren seien von ihm bereits durch das Werk geführt worden. 120 Mitarbeitende von ZF hätten Chancen auf Übernahme gehabt.
Retzer wirft auch hier Rainer Viehof vor, versucht zu haben, Einfluss auf den Verkauf zu nehmen. Auch das weist der Eitorfer Bürgermeister scharf zurück: „Seit 2023 musste sich die Gemeindeverwaltung aus den Verkaufsabsichten von ZF in Eitorf heraushalten, obwohl ein Vorkaufsrecht für die Gemeinde Eitorf und die vorbereitende Untersuchung nach dem Baugesetzbuch im Rat verabschiedet wurden.“ Die Verantwortung, Investoren zu finden, habe seit drei Jahren bei ZF und dem Betriebsrat von ZF gelegen; ausdrücklich sei die Gemeindeverwaltung nicht in die Verhandlungen eingebunden gewesen.
