Erste Ergebnisse der Detailuntersuchung stellte Studienautor Arne Klein in Windeck vor.
EinzelhandelsstudieWindecker Kunden vermissen Banken, Metzger und mehr Gastronomie

Eine Belebung der Ortskerne wünschen sich viele der Befragten in der Einzelhandelsstudie für Windeck.
Copyright: Sylvia Schmidt
Wie und wo wird vor Ort eingekauft? Werden bewusst regionale Produkte gekauft? Wird gerne sonntags geshoppt? Diese und viele andere Fragen zum Einkaufsverhalten waren Gegenstand der Studie „Zukunft des Handels - Einkaufsverhalten und alternative Einkaufsmöglichkeiten in NRW“, die Gemeinde Windeck war Teilnehmerin. Das Forschungsinstitut Strategieberatung Prof. Schramm-Klein GmbH führte die Untersuchung im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums durch.
Für Windeck gibt es eine Sonderauswertung der Studie
Insgesamt hatten 28 Kommunen, darunter Kleinstädte, Mittelstädte und Großstädte, sowohl aus urbanen als auch aus ländlichen Regionen, an der Studie teilgenommen. Um ein genaueres Bild explizit für Windeck zu bekommen, hatte die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Windeck mbH (Wifö Windeck GmbH) in Kooperation mit der Rosbacher Werbegemeinschaft und dank finanzieller Unterstützung der IHK Bonn/Rhein-Sieg eine Sonderauswertung für Windeck in Auftrag gegeben.
Wir haben leider nicht den Zauberstab
Das Studienergebnis umfasst 245 Seiten. Der Geschäftsführer Arne Klein gab bei einer Veranstaltung in der Gesamtschule in Rosbach, bei der sich nur wenige Zuhörer eingefunden hatten, einen ersten Einblick in die Gesamtstudie, inklusive einer Sonderauswertung für Windeck.
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Gar nicht so schlecht ist das Zeugnis, das die Befragten den Einkaufsmöglichkeiten in Windeck ausstellen.
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„Wir haben leider nicht den Zauberstab“, dämpfte Arne Klein bei der Präsentation der Ergebnisse allzu hohe Erwartungen. Die regionale Situation erfordere immer die individuelle Betrachtung. Expertin vor Ort sei die Gemeinde selbst, die Sonderauswertung liefere die Daten, beides müsse miteinander kombiniert werden. In Windeck hatten 348 Teilnehmende Fragebogen ausgefüllt und damit die lokalen Schlüsselerkenntnisse zu ihrem Einkaufsverhalten gegeben, Wünsche und Anregungen geäußert.
Befragte stellen Einkaufsmöglichkeiten in Windeck ein gutes Zeugnis aus
Insgesamt stellten sie den Einkaufsmöglichkeiten in Windeck ein gutes Zeugnis mit Zufriedenheitswerten über dem NRW-Durchschnitt aus. Rund 70 Prozent wohnen zwischen einem und zehn Kilometern von der Einkaufsmöglichkeit entfernt. Damit sind gute Verkehrswege und Parkmöglichkeiten von Bedeutung. Das Auto ist das wichtigste Verkehrsmittel. Bei Lebensmittel dominiert der Vormittag das zeitliche Einkaufsfenster. Non‑Food fällt noch stärker auf den Vormittag; Abende spielen hier kaum eine Rolle.
Die Nutzung digitaler Services im stationären Kontext ist noch niedrig. Besonders hohe Offenheit besteht jedoch für Click‑and‑Collect (Online-Bestellung, die in einem stationären Einzelhandelsgeschäft abgeholt wird), auch lokale Lieferdienste und digitale Screens stoßen auf Interesse. Lokale Einkaufs‑Apps polarisieren. „Aus kommunaler Sicht lohnt es, Händler bei niederschwelligen Omnichannel‑Schritten gezielt zu unterstützen (C&C, Lieferung, digitale Gutscheine/QR-Codes)“, bewerten Windecks Beigeordneter Thomas Becher und Anja Wirths von der Wifö Windeck die Daten in einem Kurzbericht. Verkaufsoffene Sonntage und klassische Rabatt‑Events werden in Windeck weniger wichtig eingeschätzt als im Kleinstadt‑Durchschnitt.

: v.li.: Anja Wirths und Thomas Becher von der Windecker Wirtschafts- und Entwicklungsgesellschaft werden gemeinsam mit dem Einzelhandel Schritte entwickeln, um den Einkaufsstandort Windeck zu sichern.
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Bei den Wünschen und Anregungen stehen ein breiteres Sortiment und eine spürbare Belebung der Ortskerne im Vordergrund. Häufig genannt werden zusätzliche Angebote in Mode oder ein kompakter Baumarkt-/Technikanbieter. Bei der Nahversorgung wünschen sich viele Befragte frische Back- und Metzgerware, Obst und Gemüse in guter Qualität, sowie Wochenmarkt‑Formate und Produkte aus der Region. Auch eine sichtbare Leerstandsbehandlung und mehr gastronomische Angebote sind aufgeführt.
Verantwortliche in Windeck wollen jüngere Käuferschichten ansprechen
Anja Wirths, der die gesamte Sonderauswertung vorliegt, hat aus der Vielzahl der Antworten aus lokaler Sicht Schwerpunkte herausgefiltert. „Besonders bedauert wird die Schließung der Bank-Filialen, insbesondere der Automaten. Querschnittlich wird um Qualität statt „Ramsch“ gebeten, mit einem klaren Fokus auf alltagstaugliche, preislich faire Angebote“, so ihre Auswahl.
Ihr Kollege Thomas Becher führt weiter aus: „Wir wollen mit dem Einzelhandel die nächsten Schritte entwickeln, um den Einkaufstandort Windeck auch zukünftig zu sichern. Ganz wichtig ist die Digitalisierung. In Windeck sind die über 50-Jährigen stark vertreten, wir müssen aber auch die junge Käuferschicht berücksichtigen. Über das „Wie“ werden wir uns verständigen. Digitale Treffpunkte, Click-and-Collect, QR-Codes oder ein (digitales) Bonus- bzw. Gutscheinsystem bieten sich beispielsweise an.“
Statements:
Christoph Witte, Inhaber von Optik Werner in Rosbach und 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Rosbach:
„Für die Werbegemeinschaft werden wir uns einige Punkte aus der Studie raussuchen und besprechen. Ich habe noch nicht alles studiert, aber die Ladenöffnungszeiten werden dabei sein und die Digitalisierung wird uns immer mehr beschäftigen. Auch im Betrieb wird die Nutzung von sozialen Medien immer interessanter.“
Andreas Ückerseifer, Inhaber der gleichnamigen Gartenbaumschule und 2. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Rosbach:
Ich finde die Studie aus vielen Gründen sehr aufschlussreich, unter anderem zeigt sie, dass 95 Prozent der Windecker gerne hier leben, alle Dinge des täglichen Bedarfs problemlos zu bekommen sind, Vereinsleben und Ehrenamt einen hohen Stellenwert haben. Für den Bereich des stationären Einkaufs sind viele einzelne Geschäfte verantwortlich. Ein Teil dieser Geschäfte ist in der Rosbacher Werbegemeinschaft organisiert. Diese ist zum Beispiel auch für die Durchführung des Martinsmarktes zuständig. Viele weitere Betriebe sind seit kurzem im Netzwerk Windeck (UN Windeck) zusammengeschlossen und stehen mit der Gemeindeverwaltung in engem Kontakt.
Ich wünschte mir, dass diese Möglichkeiten des Miteinanders von Vereinen, Gewerbetreibenden und der Gemeindeverwaltung von einer jetzt guten Zusammenarbeit zu einer sehr guten würden.
Ewa Wiemer aus Schladern, ehrenamtlich im Eine-Welt-Laden in Rosbach tätig:
„Ich habe viele Jahre in der Stadt gewohnt, in Windeck finde ich das Einkaufen wesentlich angenehmer. Als wir noch zwischen Köln und Windeck gependelt sind, habe ich in Windeck die Wocheneinkäufe gemacht, um in Köln nicht einkaufen zu müssen. In Rosbach ist das Einkaufzentrum für den täglichen Bedarf: Lebensmittel, Banken, Ärzte, Post, Bekleidung, Buch- und Schreibwaren, Blumen, alles konzentriert sich hier. Ich bin mit der Einkaufssituation sehr zufrieden und bestelle nur manchmal im Internet, wenn ich hier etwas nicht bekomme, zum Beispiel Spielsachen für meinen Enkel. Ich bin sehr zufrieden.“
Die Ergebnisse der Studie finden Sie hier

