Der Bürger- und Verschönerungsverein Herchen kümmert sich engagiert um das Ortsbild und das Miteinander.
Seit 125 JahrenVom Kuhdorf zum Hotspot: Ein Verein hält Windeck-Herchen lebendig

Windeck-Herchen in einer alten Fotografie: Die ländliche Idylle gefiel den Reichen und Schönen um den Düsseldorfer Malkasten. Für sie entstanden vorzeigbare Villen, die heute noch das Ortsbild prägen.
Copyright: Dorfarchiv Herchen/Repro:Sylvia Schmidt
Vom Kuhdorf zum Hotspot des Düsseldorfer Malkastens: Windeck-Herchen war in der Zeit der Belle Époque um 1850 bis 1914 der Ort für Kreative. Die Schönheit der Natur hatte sich in Künstlerkreisen herumgesprochen und in deren Schlepptau reiste die feine Gesellschaft aus den umliegenden großen Städten mit der Eisenbahn gleich zur Naherholung mit an die Sieg.
Es entstanden standesgemäße Villen für die Frischekur der Betuchten, die bis heute den Ort zieren. Insbesondere der Bürger- und Verschönerungsverein Herchen, der BVV, hat sich der Aufgabe verschrieben, das kostbare Erbe zu erhalten und weiterzuentwickeln. Am 28. Juni feiert der Verein im Kurpark sein 125-jähriges Jubiläum mit einem „Musikalischen Nachmittag“.
Der Verein wollte den Fremdenverkehr in Windeck-Herchen stärken
Ausgerechnet „der Schrecken des Kaukasus“, der ehemalige Rittmeister Edmund Henoumont, war einer der drei treibenden Kräfte, die Pfingsten im Jahr 1901 den „Verschönerungsverein Hauptmann Henoumont Herchen-Sieg“ gründeten. Im Krimkrieg (1853 – 1856) hatte er ein Auge verloren und trug seither eine Augenklappe, die ihm den Beinamen beschert haben soll. Die Wanderhütte auf dem Herchener Trappenberg war nach ihm sogar als „die Schreckenshütte“ benannt.

Rittmeister Edmund Henoumont, „der Schrecken des Kaukasus“ war im Jahr 1901 Mitgründer und Namensgeber vom Vorläufer des heutigen Bürger- und Verschönerungsvereins Herchen.
Copyright: Dorfarchiv Herchen, Repro: Sylvia Schmidt
Henoumont gehörte dem Malkasten an, war Kunstmäzen und Dramatiker. Zu seiner Clique zählten der befreundete Herchener Bürgermeister Dörmer, Justizrat Eduard Lequis und weitere Mitstreiter. Der Verein war vor allen Dingen gegründet worden, um den Fremdenverkehr zu heben, Spazierwege anzulegen und zu unterhalten und alles dafür zu tun, um den Kurgästen den Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten. Mit dem Ersten Weltkrieg endete das „schöne Leben“.
Dörmer war immer noch Bürgermeister, als er 1926 zur Gründung des nachfolgenden Verkehrsvereins Herchen einlud, dem sofort 28 Mitglieder beitraten, einen Monat später waren es schon 101 Mitglieder. Nach dem Zweiten Weltkriegwurde der Verein 1948 ein weiteres Mal wiederbelebt.
Im Rahmen der Gemeindeneuordnung wurden die Altgemeinden Herchen, Dattenfeld und Rosbach im Jahr 1967 zur Gemeinde Windeck, der Verkehrsverein Windecker Ländchen wurde gegründet. Zur Vertretung der politischen Dorfinteressen gründet sich nun in Herchen der Bürgerverein, und der Verschönerungsverein kümmert sich um den Erhalt des Ortsbildes. Im Jahr 1984 erfolgt die Vereinigung der beiden zum Bürger- und Verschönerungsverein Herchen.
Kurpark, Minigolf, Tretbootverleih – Windeck-Herchen hat viel zu bieten
Heute ist Helmut Fuchs der Vorsitzende des 165 Mitglieder starken Vereins, der sich mit viel Engagement um die zahlreichen Einrichtungen und Aktivitäten kümmert. Herchen hat reichlich „Pfunde“, mit denen es wuchern kann: die Minigolfanlage mit Tretbootverleih, die stark frequentierte Wassertretanlage, den Kurpark mit Musikpavillon und Grillhütte. Gerade erstellt hier die Gemeinde mit Fördermitteln aus dem Leader-Programm des Rhein-Sieg-Kreises einen inklusiven Spielplatz, Wanderwege und Ruhebänke, um nur einige zu nennen. Ausstellungen und Vorträge, die Pflege des umfangreichen Dorfarchivs, Kinderfeste und Senioren-Kaffee beleben den Ort.

Helmut Fuchs bringt als Vorsitzender den nötigen Schwung mit. Hier trainiert er an Seniorensportgeräten im Kurpark, die der Verein aufgestellt hat.
Copyright: Sylvia Schmidt
Doch genau diese Fülle stellt den Verein vor große Herausforderungen. Herchen hat in rund 15 Vereinen und Institutionen sehr viele ehrenamtlich tätige Bürger, die oftmals in mehreren Vereinen einen Großteil ihrer Freizeit einbringen, so dass es schwer ist, neue Leute für die Mitarbeit im BVV zu gewinnen. „Eines unserer Hauptziele ist die Vernetzung all unserer Vereine und durch gemeinsamen Einsatz für das Dorf, seine Einwohner und Gäste, das Wir-Gefühl im Dorf zu stärken. Man muss nicht Mitglied im BVV sein, um sich an Arbeitseinsätzen zu beteiligen“, betont Fuchs.

Die Minigolfanlage und der Tretbootverleih werden vom BVV betrieben.
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Ehrenamtliche Helfer werden beispielsweise auch gebraucht, um die Tretboot- und Minigolfanlage stundenweise zu betreuen. Diese Tätigkeit ist nicht anstrengend und auf Grund der vielen Kundenkontakte ein abwechslungsreicher Zeitvertreib und hilft wiederum dabei Vereinsaktivitäten zu finanzieren. Dazu trägt auch die Vermietung von Pavillon und Grillhütte bei. „Wir freuen uns über jede Unterstützung und sei es die passive Mitgliedschaft zu zwölf Euro im Jahr“, so Fuchs.
Gefeiert wird das 125-jährige Jubiläum des BVV Herchen am Sonntag, 28. Juni ab 14 Uhr mit einem Musikalischen Nachmittag im Kurpark. Mit dabei sind die Windecker Musikvereinigung, der Quartettverein Herchen, die Blaskapelle Leuscheid und der Chor Frauen-Dreiklang Herchen. An diesem Tag kann auch die ca. 60 Seiten starke Chronik des Vereins erworben werden.