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„Einfach unerträglich“Was die Sperrung der Nordbrücke für einen Handwerker aus Rhein-Sieg bedeutet

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Für den Transport der Gerüste braucht Gerüstbauer Wilhelm Schaub große Lkw - mitunter auch ganz große.Und die müssen nun weite Umwege fahren.

Für den Transport der Gerüste braucht Gerüstbauer Wilhelm Schaub große Lkw - mitunter auch ganz große.Und die müssen nun weite Umwege fahren.

Wie viele Handwerker muss Gerüstbauer Wilhelm Straub aus Bornheim täglich den Rhein queren. Viele Aufträge hat er in Siegburg und Windeck.

„Inzwischen habe ich unsere Nordbrücke auch in meine Abendgebete eingeschlossen“, sagt Wilhelm Schaub. Immer noch habe er nämlich die Hoffnung, dass der Alptraum in ein paar Tagen vorbei ist und die gesperrte Brücke wieder für Pkw und Lkw bis 7,5 Tonnen freigegeben wird.

Schaub ist Gerüstbauer. 2002 hat er das Unternehmen seines Vaters in der zweiten Generation übernommen. „Mein Vater hat die Firma 1974 gegründet und aufgebaut“, sagt Schaub. Als Teil der Infrastruktur gehörte die Rheinbrücke im Bonner Norden für sie einfach dazu. Alleine der Gedanke an eine mögliche Vollsperrung wäre ihnen nie in den Sinn gekommen. „Gerade merken wir, wie abhängig wir von dieser Infrastruktur sind“, sagt Schaub.

Handwerker beklagt extreme Herausforderungen und Mehrkosten durch die Sperrung der Nordbrücke

Tatsächlich traf die Sperrung der Nordbrücke nicht nur die vielen Berufspendler. Auch Dienstleister und Handwerksbetriebe auf beiden Seiten der Brücke sind extrem betroffen – so wie der Bornheimer Gerüstbauer Schaub. Genau wie sein Vater liebt auch der Junior seine Arbeit. „Ich habe wirklich richtig viel Bock auf genau diesen Job“, sagt er. Daran hat auch die Sperrung der Nordbrücke nichts geändert. Gleichwohl sieht er, dass die Sperrung insbesondere Handwerksbetriebe die für den Materialtransport auch größere Lkw brauchen, vor extreme Herausforderungen und Mehrkosten stellt. „Als Gerüstbauer bekomme ich das nötige Material ja nicht mit der Straßenbahn zur Baustelle auf die rechte Rheinseite transportiert“, sagt er. Da helfe nichts – er brauche Lkw – kleine und mitunter auch große, je nach Umfang der einzurüstenden Baustelle. Die aktuelle Situation beschreibt Schaub als „einfach unerträglich – und sehr teuer“.

Viele Aufträge seien ja schon vor Monaten erteilt – die Preise dafür längst festgesetzt – die entsprechenden Verträge unterschrieben. „Da kann auch ich im Nachhinein nicht mal eben so die Preise der aktuellen Situation anpassen“, sagt Schaub. Auf diesen Mehrkosten – die schnell 30 Prozent und mehr ausmachen könnten – blieben die Unternehmen jetzt sitzen. Da sei zum einen der Arbeitslohn. Berechnet werde auch die Zeit, die das Team im Stau festhängt – morgens und abends. „Schnell kommen da bei der aktuellen Verkehrslage zwei Stunden täglich und mehr zusammen - und das bei vier bis sechs Mitarbeitern – das kostet die Betriebe richtig Geld“, sagt Schaub.

Mehrkosten entstünden aber auch durch höheren Verschleiß- und Treibstoffkosten für die wegen der Brückensperrung längeren An- und Abfahrten – und dies zu den aktuell ohnehin hohen Spritkosten. „Und obendrauf kommen dann für uns auch noch die Maut-Gebühren“, sagt Schaub. Grundsätzlich habe er mit der Maut ja keine Probleme. Allerdings bekomme er die Rechnung auch für jeden gefahrenen Autobahn-Kilometer, den er an Umwegen fahren müsse –einzig und alleine deswegen, weil die Nordbrücke gesperrt ist. „Es wäre für mich ein schönes und deutliches Zeichen aus der Politik, wenn die Handwerksbetriebe die Mautgebühren zurückerstattet bekämen, die sie aufgrund der erforderlichen Mehrfahrten zahlen müssen“, sagt Schaub und ergänzt: „Da geht es nicht um Kosten, die einen richtig rausreißen.“

40 Prozent der Aufträge führen den Bornheimer über den Rhein in den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis

Aber es könnte den betroffenen Firmen und Unternehmen das Gefühl vermitteln, dass die Politik wirklich hinter dem Handwerk steht. Seit die Nordbrücke im Februar für alle Lkw ab 7,5 Tonnen gesperrt wurde, fährt Schaub mit seinen größeren Lastern – den 18- und 24-Tonnern – über die Rodenkirchener Autobahnbrücke zu seinen Kunden im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

Um für kleinere Gerüstbauaufträge weiterhin über die Nordbrücke und somit den weitaus kürzeren Weg fahren zu können, hatte er sich sogar eine eigene Taskforce eingerichtet und spontan zwei neue 7,5-Tonner angeschafft. „Jetzt bin ich doppelt gekniffen“, sagt Schaub.

Der „kleine“ Lkw ist neu - extra gekauft für kleinere Transporte.Zwei 7,5-Tonner schaffte Schaub sich noch vor der Sperrung an.

Der „kleine“ Lkw ist neu - extra gekauft für kleinere Transporte.Zwei 7,5-Tonner schaffte Schaub sich noch vor der Sperrung an.

Trotzdem hält er weiterhin alle seine Termine, die ihn bei rund 40 Prozent seiner bereits fest gemachten Aufträge über den Rhein in den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis führen – nach Siegburg und sogar bis nach Windeck. „Man muss wirklich kein Wirtschaftsexperte sein, um auszurechnen, dass wir in der aktuellen Situation im besten Falle Plus-Minus-Null aus dieser Nummer rauskommen“, sagt er. Er möchte sich gar nicht ausmalen, wie sehr diejenigen Handwerksbetriebe unter der Situation leiden, die neu am Start sind, die möglicherweise noch Investitionskosten abzuzahlen haben. Verglichen mit solchen Unternehmen konnte Schaub in den vergangenen Jahren einige Rücklagen bilden.

Gleichwohl wacht aber auch er immer öfter mitten in der Nacht auf. „Vielleicht wäre ja eine eigene Handwerker-Fähre von Widdig aus über den Rhein die Lösung – eine Fähre, auf der nur Handwerker und Dienstleister übersetzen dürfen“, geht ihm dann durch den Kopf. Und: „Was wäre das toll, wenn die Stadt Bonn jetzt alle extra geschaffenen Busfahrstreifen auch für die Handwerker, Dienstleister und Paketboten freigeben würde – damit sie so vielleicht ein bisschen schneller durch den Stau zu den wartenden Kunden gelangen können.“