Abo

„Einfach mal draufhauen“Warum für Ingo Appelt Provokation wichtig ist und was er in Windeck bietet

4 min
Comedian Ingo Appelt tritt mit seinem neuen Programm in Windeck auf.

Comedian Ingo Appelt tritt mit seinem neuen Programm in Windeck auf.  

Der 58 Jahre alte Kabarettist und Entertainer kommt am 25. Januar mit seinem Programm „Männer nerven stark“ in die Halle Kabelmetal in Windeck.

Ingo Appelt ist in Essen geboren, lebte im Frankenland und kam über Köln und Overath nach Marialinden. Mit seinem neuen Programm „Männer nerven stark“ ist er aktuell auf Tour, immer mal wieder unterbrochen von Fernsehauftritten. Am 25. Januar kommt er mit seinem Programm „Männer nerven stark“ in die Halle Kabelmetal in Windeck.Ralf Rohrmoser-von Glasow sprach mit dem 58-Jährigen über sein neues Programm.

Auf was dürfen sich die Windecker freuen bei Deinem Auftritt in der Halle Kabelmetal?

Das ist der beste Appelt, den es je gab. Es ist eine Quintessenz aus 36 Jahren Soloprogrammen und Auftritten, ein Potpourri mit Parodie und Kabarett. „Männer nerven stark“ ist auch eine Anti-Aggressions-Therapie, ich bin auf der Bühne offen und direkt.

Politiker bleiben beliebtes Objekt für Kabarettisten

Comedian, Komiker, Kabarettist – welches Label passt am besten auf Ingo Appelt?

Eigentlich bin ich Entertainer und schon eher Kabarettist als Comedian. Es hat schon viel von Satire. Die Leute verlieren die Satirefähigkeit. Alle sagen, man darf ja nichts mehr sagen, aber das Schlimme ist: Jeder sagt seine Meinung und postet sie. Oder sagt gar nichts mehr. Wie das Ehepaar, das nicht mehr miteinander spricht. Sie wollen die Beziehung nicht gefährden. Ein bisschen locker bleiben.

Sind es gute oder schlechte Zeiten für Kabarettisten?

Eigentlich sind es gute Zeiten. Vor einigen Jahren war es doch eher langweilig. Da konntest du über Joe Biden keinen Witz anfangen, du wusstest nicht, ob er am Ende noch lebt. Es ist doch so: Politiker hassen die Wähler, die Wähler hassen die Politiker. Früher hieß es, dem Volk aufs Maul geschaut. Das ist heute Populismus. Bei mir muss nicht immer alles korrekt sein, es gibt viel zu meckern. Das hat was Befreiendes.

Wie nimmt das Publikum das auf?

Mit Kommunikation, da tun die Leute sich allgemein schwer. Ich spreche direkt mit den Menschen. Ich frage am Beginn des Programms ab, ob wir politisch brav und korrekt bleiben wollen oder mal auf die Kacke hauen. Und die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen Letzteres. Oft werde ich nach dem Auftritt gefragt, wie ich mir den ganzen Text  merken kann und wie ich so viel reden kann. Offenbar ist es schon eine Kunstform, überhaupt sprechen zu können.

Du kennst das Geschäft seit Jahrzehnten, die Höhen und auch die Tiefen. Was ist jetzt gerade?

Es geht schwer aufwärts. Ich gehe mit viel Enthusiasmus auf die Bühne. Zu Zeiten der Corona-Pandemie, da hatte ich Angst, da kam sogar ein bisschen Panikstimmung auf. 2019 war ein gutes Jahr, nach dem Einbruch haben wir dieses Niveau fast wieder erreicht. Allerdings sind die Zeiten vorbei, in denen du im Fernsehen eine Sendung hattest und danach den Rest des Jahres die Hallen voll ausgebucht waren.

Also läuft es gut? Du bist nächstes Jahr nahezu komplett ausgebucht.

Einige Termine sind schon ausverkauft. Wir buchen inzwischen schon für 2028. Das fühlt sich gut an. Offenbar passe ich ganz gut in die Zeit. Politisch nicht korrekt, das wollen die Leute hören. Einfach mal draufhauen, einfach mal lustig sein.

Wie hat sich die Comedy- und Kabarettszene geändert?

Die Newcomer machen kaum noch Satire, ich sehe da oft zu wenig Meinung. Es ist teilweise eher Betroffenheitscomedy. Mir fehlen da die Pointen. Neulich war ich bei einer Fernsehsendung am Ende als Vorletzter dran und sollte noch zwölf Minuten spielen und habe den Saal von links auf rechts gedreht. Man muss nur im Einklang mit dem Publikum sein.

Ingo Appelt kocht und spielt den Dienstleister für seine Frau und Kinder

Du gehst stramm auf die 60 zu, bist Du milder geworden?

Nein, eigentlich nicht. Früher waren Sie frecher, das höre ich oft. In den 1990er-Jahren war es immer Aufgabe, zu provozieren, bei „Sieben Tage - sieben Köpfe“ etwa oder bei „TV total“. Das gibt es heute eigentlich nur im Ersten, da muss aktuell, politisch sein. Mir ist es wichtig, lebendig zu sein, wach zu bleiben. Und am Ende gilt: Es ist alles gar nicht so richtig schlimm.

Wie geht es Dir mit der Sozialdemokratie?

Ich bin bekennendes SPD-Mitglied, mache hin und wieder Wahlkampfauftritte und ja, ich stehe dazu. Das ist ganz normal, ich bin ja selbst so was wie ein Proletarier, habe mit 15 meine Lehre bei Siemens gemacht. Alle Leute meckern, aber keiner will mitmachen. Da will ich dagegenhalten.

Was macht Dich glücklich?

Wenn ich andere Leute glücklich machen kann. Ich koche gerne und bin zu Hause der Dienstleister für meine Frau und meine Kinder. Oder ich gehe abends mit schlechter Laune auf die Bühne und kann das einfach so wegspielen. Wenn ich von der Bühne komme, bin ich glücklich, aber das hält nicht lange vor. Und trotzdem, auf der Bühne sein, das macht mich glücklich.