Viele ältere Menschen sind online aktiv und nutzen auch KI-Anwendungen. Ihre Medienkompetenz schätzen sie jedoch eher durchschnittlich ein.
Schutz vor Fake News und CyberkriminalitätStadt Hennef informiert über Gefahren im Internet

Viele Seniorinnen und Senioren waren zu der Infoveranstaltung in der Stadtbibliothek gekommen.
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Auch ältere Menschen nutzen das Internet und sehen sich mit Fake News und Betrugsversuchen konfrontiert. Die Stadt Hennef klärte in einer Informationsveranstaltung gezielt Seniorinnen und Senioren darüber auf, wie Internet-Nutzer Falschinformationen erkennen und sich vor Cyberkriminalität schützen können.
Kirstin Krässel, Leiterin der Stadtbibliothek, zeigte ein Beispiel für eine vermeintliche Nachricht, die sich schnell in sozialen Netzwerken verbreiten könnte. Darin wird behauptet, dass Autofahrer ab 70 Jahren künftig alle fünf Jahre eine Selbstauskunft über ihre gesundheitliche Fahrtauglichkeit abgeben müssten. Solche Meldungen wirken oft plausibel, können jedoch frei erfunden oder stark verzerrt sein – ein typisches Beispiel für mögliche Desinformation.
Falschmeldungen werden oft gezielt in den sozialen Netzwerken verbreitet
„Unter Fake News versteht man gezielte Falschmeldungen, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Es handelt sich nicht um einfache Fehler, sondern um die bewusste Manipulation der öffentlichen Meinung“, erläuterte sie. Häufig würden sie über soziale Netzwerke, Nachrichtendienste wie WhatsApp oder Videoplattformen wie YouTube geteilt. „Ziel solcher Inhalte kann es sein, Meinungen zu beeinflussen, Verunsicherung zu erzeugen oder Aufmerksamkeit zu gewinnen.“
Es handelt sich nicht um einfache Fehler, sondern um die bewusste Manipulation der öffentlichen Meinung.
Desinformation begegne Menschen heute in vielen Formen. Dazu gehörten manipulierte Bilder, inszenierte Videos, pseudojournalistische Artikel in sogenannten alternativen Medien sowie Memes oder kurze Textnachrichten, die in WhatsApp-Gruppen weitergeleitet würden. Neben bewusst verbreiteter Desinformation gebe es auch Fehlinformationen. „Diese entstehen dann, wenn Inhalte aus dem Zusammenhang gerissen oder falsch interpretiert werden. Ein Beispiel sind Videos, die so geschnitten werden, dass ein völlig anderer Eindruck entsteht als im ursprünglichen Kontext.“
Durch Bildbearbeitung ließen sich Fotos relativ leicht verändern, sodass sie authentisch wirkten, obwohl sie eine falsche Realität zeigten. „Mithilfe künstlicher Intelligenz ist das noch einfacher als früher.“ Auch angebliche Umfragen ohne nachvollziehbare Quellen könnten Teil von Desinformationskampagnen sein. „Sie sollen häufig eine vermeintliche Mehrheitsmeinung vortäuschen und so die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen“, so Krässel.
Aufklärungen und Medienkompetenz spielen zentrale Rolle
Um Falschinformationen entgegenzuwirken, spielten Aufklärung und Medienkompetenz eine zentrale Rolle. „Hilfreich ist es auch, nach Autoren, einem Impressum oder dem Veröffentlichungsdatum zu suchen. Ebenso kann eine Rückwärtssuche im Internet helfen, manipulierte oder aus dem Zusammenhang gerissene Fotos zu erkennen. Außerdem sollte geprüft werden, ob es sich möglicherweise um Satire, Meinungsbeiträge oder bewusst zugespitzte Darstellungen handelt“, rät Krässel.
Initiativen wie der „Digital-Kompass“ unterstützten Menschen dabei, sich sicherer im digitalen Raum zu bewegen und Informationen kritisch zu hinterfragen. „Darüber hinaus gibt es verschiedene Faktencheck-Angebote, die Meldungen überprüfen und einordnen.“ Zu den bekanntesten gehörten der „Faktenfinder“ der Tagesschau, der Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur, die Plattform Mimikama, der „Faktenfuchs“ des Bayerischen Rundfunks sowie das Recherchezentrum Correctiv. „Diese Organisationen analysieren kursierende Behauptungen und stellen ihre Ergebnisse öffentlich zur Verfügung.“
Viele Senioren nutzen KI-Anwendungen
Dass Kenntnisse der digitalen Welt auch für ältere Menschen wichtig sind, zeigte Wolfgang Rossenbach, Digitalisierungs-Beauftragter der Stadt Hennef, auf. Einer Studie des Digitalverbands Bitkom und des Bundesfamilienministeriums zufolge seien mittlerweile rund drei Viertel der Senioren online aktiv. „Etwa die Hälfte der Befragten hat bereits Anwendungen mit künstlicher Intelligenz ausprobiert. Die eigene Digitalkompetenz schätzen die Teilnehmenden jedoch im Durchschnitt nur mit der Schulnote 3,2 ein“, erläuterte Rossenbach. Fast alle wünschten sich daher mehr Unterstützungsangebote, um sicherer mit digitalen Technologien umgehen zu können.
Betrugsversuche oder Datendiebstahl zählten heute zu den Risiken, denen Internet-Nutzer begegnen könnten. „Zu den goldenen Regeln für den sicheren Umgang mit Medien gehört ein gesundes Misstrauen gegenüber unerwarteten E-Mails oder Anrufen. Man sollte vorsichtig sein, wenn man Links anklickt oder Anhänge öffnet“, sagte Rossenbach. Auch bei der Weitergabe persönlicher Daten sei Vorsicht geboten. Zugangsdaten oder Passwörter sollten grundsätzlich nicht auf Webseiten eingegeben werden, die über Links aus E-Mails aufgerufen wurden. „Stattdessen empfiehlt es sich, die Internetseite eines Anbieters direkt über die offizielle Startseite aufzurufen und deren Echtheit zu überprüfen.“
Zwei-Faktor-Authentifizierung für besondere Sicherheit
Rossenbach empfahl außerdem komplexe Passwörter mit mindestens acht Zeichen und Sonderzeichen oder deutlich längere, aber leichter merkbare Passphrasen mit etwa 25 Zeichen. Wichtig sei überdies, für jeden Dienst ein eigenes Passwort zu verwenden. „Für die sichere Aufbewahrung können Passwort-Manager oder auch ein gut geschütztes Notizbuch genutzt werden.“ Wer sich besonders sicher fühlen möchte, könne eine Zwei-Faktor-Authentifizierung über E-Mail, SMS oder eine App einrichten, bei der ein zusätzliches Passwort eingegeben werden muss.
Betriebssysteme auf Computern, Tablets und Smartphones sollten stets auf dem neuesten Stand gehalten werden, da Sicherheitslücken häufig durch Updates geschlossen werden. Geräte oder Systeme, für die keine Sicherheitsupdates mehr angeboten werden, sollten möglichst nicht mehr verwendet werden. Zum Schutz vor Schadsoftware empfahl Rossenbach zudem den Einsatz eines Virenschutzprogramms.
Zum Abschluss des Vortrags stellte Rossenbach verschiedene Unterstützungsangebote in Hennef vor. Dazu gehören Angebote des Fachbereichs Älterwerden der Stadtverwaltung, Programme der Stiftung Altenhilfe Hennef sowie Fortbildungsangebote unter dem Titel „Digital 60+“. Zusätzlich gibt es regelmäßige individuelle Beratungsangebote sowie Veranstaltungen und Hilfestellungen zur digitalen Mediennutzung in der Stadtbibliothek.

