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Region Bonn/Rhein-SiegNordbrücke bleibt gesperrt – jahrelanges Verkehrschaos droht

Die Nordbrücke bleibt gesperrt. Die linksrheinische Vorlandbrücke muss schnellstmöglich abgerissen und neugebaut werden.

Die Nordbrücke bleibt gesperrt. Die linksrheinische Vorlandbrücke muss schnellstmöglich abgerissen und neugebaut werden.

Die marode Vorlandbrücke soll so schnell wie möglich neu gebaut werden. Die Region muss jetzt an Verkehrskonzepten arbeiten.

Mit schlechten Nachrichten zur Nordbrücke war zu rechnen, und jetzt sind sie Realität. Seit dem 3. Juni darf aufgrund von starken Strukturschäden keinerlei Verkehr mehr über das marode Bauwerk in Bonn rollen. Und seitdem wartet die Region händeringend auf Neuigkeiten. Es gab zunächst noch die Hoffnung, dass die Brücke möglicherweise für Pkw einspurig wieder befahrbar werden könnte.

Diese Hoffnung zerschlug nun Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder nach der zweiten Sitzung des Lenkungskreises, den er vor gut zwei Wochen einberufen hatte: „Der Zustand der linksrheinischen Vorlandbrücke hat sich so sehr verschlechtert, dass eine Öffnung für Pkw und Lkw nicht mehr in Frage kommt“, erklärte Schnieder am Freitag.

Planung für Abriss der linksrheinischen Vorlandbrücke beginnt sofort

Jetzt muss sich die Region auf weiteres Verkehrschaos einstellen – und zwar über Jahre. Die schnellstmögliche Lösung sei ein Ersatzneubau für die linksrheinische sogenannte Vorlandbrücke, an der die Schäden am größten seien, sagte Schnieder; also den Teil der Nordbrücke, der linksrheinisch noch nicht den Rhein überquert. Diese Vorlandbrücke soll abgerissen werden, und zwar schnell: Noch im Juli soll der Auftrag für den Abriss vergeben werden, noch in diesem Jahr soll der Neubau ausgeschrieben werden.

Der Abschnitt der Nordbrücke über den Rhein, also der Strombrücke, und die rechtsrheinische Vorlandbrücke könnten den Verkehr zunächst weiter tragen und werden erst später ersetzt. Absolute Priorität habe jetzt Schnelligkeit bei der linksrheinischen Brücke, um sie wieder befahrbar zu machen. Die Brücke werde so neu gebaut, wie sie auch jetzt bestehe, das heißt, sie werde nicht verbreitert. Das hatte der ursprüngliche Plan der Autobahn GmbH vorgesehen.

Über eine Verbreiterung der Strombrücke wird noch entschieden

Die Frage, wie die Strombrücke später neu gebaut werde, ob mit oder ohne Verbreiterung, werde noch entschieden, betonte Patrick Schnieder. Die Vorlandbrücke werde so gebaut, dass eine Weiterführung mit oder ohne Erweiterung zur Strombrücke möglich sei. Der Minister rechnete damit, dass der Ersatzneubau für die linksrheinische Vorlandbrücke Ende 2028 für den Verkehr freigegeben werden könne.

Dennoch muss die Region jetzt aufgrund der Sperrung und Bauarbeiten über Jahre neue Verkehrskonzepte entwickeln und den Verkehr von 100.000 Fahrzeugen auffangen, die normalerweise täglich über die Nordbrücke fahren würden. Rund 50 Millonen Kilometer Umwege pro Jahr müssen Autofahrerinnen und Autofahrer im Großraum Bonn laut einer Modellstudie des ADAC Nordrhein jetzt in Kauf nehmen. Das entspreche einem volkwirtschaftlichen Schaden von mehr als 170 Millionen Euro jährlich.

So reagieren Verantwortliche in der Region auf die Herausforderung. 

Sebastian Schuster (CDU), Landrat des Rhein-Sieg-Kreises

„Unsere Region Rhein-Sieg/Bonn wird durch den Abriss der linksrheinischen Vorlandbrücke und die daraus entstehenden verkehrstechnischen Beeinträchtigungen sehr hart getroffen“, sagte Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster. Wenn die Fahrer der 100.000 Fahrzeuge, die zuletzt täglich auf der Nordbrücke den Rhein überquert hätten, sich bis mindestens Ende 2028 Ausweichrouten suchen müssten, dann habe dies erhebliche Auswirkungen auf die Menschen in der Region und die regionale Wirtschaft.

„In enger Abstimmung mit der Stadt Bonn müssen wir versuchen, für die daraus entstehenden Schwierigkeiten gemeinsam bestmögliche Lösungen zu finden, um die Zeit, so gut es geht, zu überbrücken“, sagte der Landrat. Erfreulich sei die Perspektive, dass noch 2026 der Ersatzneubau für die linksrheinische Vorlandbrücke ausgeschrieben und auch mit dem Abriss begonnen werden solle. „Daran kann die Bevölkerung ablesen, dass es vorangeht. Und die Menschen bekommen vielleicht wieder mehr Vertrauen, dass es trotz bürokratischer Hürden schnell gehen kann.“ 

Guido Déus, Bonner Oberbürgermeister

„Wir werden sofort die Taskforce weiterführen“, sagte der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus der Redaktion. „Wir müssen uns jetzt weitere Lösungen und Konzepte für den innerstädtischen Verkehr überlegen, von Fußverkehr über Radverkehr, Autos, Rettungsdienst, Polizei und ÖPNV.“

Pressekonferenz zum Status der Nordbrücke: Bonner Oberbürgermeister Guido Déus

Pressekonferenz zum Status der Nordbrücke: Bonner Oberbürgermeister Guido Déus

Klar sei aber auch, dass die Stadt Bonn an der Schwelle zum Haushaltssicherungskonzept stehe und auf externe Hilfe angewiesen sei, um diese Herausforderungen zu stemmen. „Den ÖPNV, so wie jetzt, vergünstigt anzubieten, werden wir ohne Hilfe nicht aufrechterhalten können“, betonte Déus. Er sprach sich dafür aus, bei Konzepten und Planungen für Verkehr, Ausweichstrecken und ÖPNV eng mit dem Rhein-Sieg-Kreis zusammenzuarbeiten.

Matthias Großgarten, Bürgermeister der Stadt Niederkassel

„Die Entscheidung der Autobahn GmbH kommt nicht überraschend. Aber jetzt haben wir immerhin Klarheit, dass wir uns bei den Problemen auf einen längeren Zeitraum einstellen müssen“, sagte der Niederkasseler Bürgermeister Matthias Großgarten (SPD). Mit dem Kreis und der Stadt Bornheim wollee die Niederkasseler Stadtverwaltung jetzt mit Nachdruck prüfen lassen, ob im Umfeld der sogenannten Nato-Rampen am Rheinufer in Niederkassel-Rheidt und Bornheim-Widdig eine zusätzliche Fährverbindung geschafft werden könne. Geprüft werden müsse auch die Einrichtung zusätzlicher Park-and-Ride-Plätze, um noch mehr Menschen den Umstieg auf den ÖPNV zu ermöglichen. Nachgedacht werde unter anderem über einen solchen Platz in Niederkassel-Lülsdorf im Umfeld der Personenfähre nach Wesseling.

Matthias Großgarten (SPD), Bürgermeister von Niederkassel.

Matthias Großgarten (SPD), Bürgermeister von Niederkassel. (Archivbild)

Großgarten sieht bei der Bewältigung der Folgen der Nordbrücken-Sperrung den Bund in einer besonderen Verantwortung. Berlin müsse Bonn, den Rhein-Sieg-Kreis und dessen Kommunen jetzt deutlich erkennbar unterstützen. „Diese Unterstützung muss jetzt kommen“, forderte der Niederkasseler Bürgermeister. Unklar sei allerdings noch, ob das eine Unterstützung finanzieller Art, personelle Unterstützung oder aber beispielsweise logistische Unterstützung durch die Bundeswehr sein müsse.

Grüne Abgeordnete aus Bonn und dem Rhein Sieg Kreis

„Die Nachricht ist ein schwerer Schlag. Vor uns stehen mindestens zweieinhalb Jahre massivste Einschränkungen“, teilten die Bundestagsabgeordnete Katrin Uhlig aus Bonn und die Landtagsabgeordneten Tim Achtermeyer, Dr. Julia Höller und Martin Metz aus der Region Bonn/Rhein-Sieg in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Bund als Verursacher sei in der Verantwortung, die Region bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme zu unterstützen. Das Land Nordrhein-Westfalen habe bereits deutlich gemacht, die Region mit dieser Lage nicht allein zu lassen und im Rahmen eigener Zuständigkeit zu unterstützen. „Um die Verkehrslage beherrschbar zu machen, müssen vor allem Bus, Bahn und Radverkehr gezielt gestärkt werden.“

Nach anfänglicher Ablehnung sei man offenbar bei Bund und Autobahn GmbH dann doch zu dem Ergebnis gekommen, dass ein 1:1-Ersatzneubau der Vorlandbrücke tatsächlich der einfachste und schnellste Weg sei. „Wir setzen darauf, dass der Bund mit seiner Autobahn GmbH den ambitionierten Zeitplan für die Vorlandbrücke halten, und die Verbindung in gut zwei Jahren wieder stehen wird.“ Zwar rücke der Bund vom langfristigen Ziel eines breiteren Ausbaus nicht ab. „Wir werden aber auch dann in den weiteren Planungen gerade im Bund darauf drängen, dass der komplette Ersatzneubau möglichst schlank und flächenschonend erfolgt. Mit dem heutigen Tage sind die Chancen dafür deutlich gestiegen.“

IHK und Kreishandwerkerschaft

Für Stefan Hagen, Präsident der Industrie- und Handeskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK), ist der angekündigte „Express-Neubau“ der Vorlandbrücke und die von Schnieder in Aussicht gestellte Wiedereröffnung Ende 2028 „zumindest ein erster Silberstreif am Horizont nach dem Nordbrücken-Schock. Bis dahin bleiben jedoch die Einschränkungen für den Wirtschaftsverkehr und der Schaden für den Wirtschaftsstandort enorm“. Einen „pragmatischen und innovativen Ansatz braucht es deshalb auch bei der Abfederung der Folgen. Die vielen betroffenen Unternehmen aus Branchen wie Gastgewerbe, Einzelhandel und Logistik in unserer Region brauchen in dieser Ausnahmesituation besondere Unterstützung“.

IHK-Präsident Stefan Hagen

IHK-Präsident Stefan Hagen (Archivbild)

Auch die Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg sieht mit der Ankündigung einer Wiedereröffnung 2028 die Hoffnung auf eine schnellstmögliche Entlastung. Doch dem müssten schnell konkrete Maßnahmen folgen. Denn mit der Ankündigung des Teilneubaus sei deutlich geworden, dass die Belastungen durch Umwege, Staus und Zeitverluste für das Handwerk in der Region noch über Jahre hinweg zum Alltag gehörten, sagte Hauptgeschäftsführer Oliver Krämer. „Deshalb muss jetzt alles darangesetzt werden, den angekündigten Zeitplan tatsächlich einzuhalten und weitere Entlastungen auf den Weg zu bringen.“ 

Schon heute litten zahlreiche Handwerksunternehmen unter erheblichen Umwegen, langen Stauzeiten und kaum noch kalkulierbaren Fahrzeiten. „Viele Unternehmen arbeiten schon heute an der Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren. Unsere Betriebe brauchen jede Unterstützung, die in dieser Übergangszeit möglich ist“, betonte Kreishandwerksmeister Michael Christmann.

Oliver Krauß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion

„Die Menschen sehen jetzt, dass die Politik schnell reagiert und Lösungen präsentiert hat“, sagte Oliver Krauß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Wenn schon im nächsten Monat der Abriss der maroden Vorlandbrücke beginnen solle, müsse darauf geachtet werden, dass die Bürgerinitiative der Menschen, die vom Brückenbau betroffen sind, schnell und umfassend informiert werde. „Das wurde in der Vergangenheit nicht gut gemacht. Die Sorgen dieser Menschen sind da und wir als Politikerinnen und Politiker müssen darauf eingehen. So gibt es zum Beispiel nun Baulärm, auch darüber muss mit den Anwohnern gesprochen werden. “

Die angekündigte Regelung der Rampe für Radfahrer zur Brückennutzung sei eine gute Lösung. Die neue Vorlandbrücke müsse jetzt aber bedarfsgerecht so ausgelegt werden, dass sie in Zukunft Bestand haben kann, betonte Krauß. „Wir dürfen keine neue Vorlandbrücke bauen, die beim Neubau der Strombrücke wieder abgerissen werden muss.“

Christian Mandt, Bürgermeister von Bornheim

„Das ist keine gute Nachricht, denn das bedeutet eine anhaltend lange Belastung für Pendler und Unternehmen“, sagt der Bornheimer Bürgermeister Christian Mandt. Man sei in Abstimmung mit den zuständigen Akteuren, um im Rahmen der Möglichkeiten die Auswirkungen, so gut es gehe, abzufedern.