Die linksrheinische Vorlandbrücke in Bonn wird derzeit abgerissen. Aber wie steht es um die Planung für den Ersatzneubau? Ein Überblick.
Verkehr soll 2028 wieder fließenWas über die Planung für den Neubau der Nordbrücke in Bonn bekannt ist

Die Abrissarbeiten für die linksrheinische Vorlandbrücke haben am zweiten Augustwochenende begonnen.
Copyright: Steffen Plohmann
Am Wochenende haben die Abrissarbeiten für die linksrheinische Vorlandbrücke der Bonner Nordbrücke begonnen. Zunächst wurde bis Dienstag der erste Abschnitt über der Graurheindorfer Straße abgetragen. Anschließend folgt der Rest – insgesamt 660 Meter Bauwerk.
Danach soll die Vorlandbrücke so schnell wie möglich einen Ersatzneubau erhalten, damit der Verkehr wieder fließen kann – denn die eigentliche Strombrücke über den Rhein kann noch einige Jahre weiter genutzt werden. Mit dem Neubau solle 2027 begonnen werden, sagte Roland Nolte, Pressesprecher der Autobahn GmbH, bei einem Termin an der Brücke am Wochenende. Ende 2028 soll der Ersatzneubau für den Verkehr wieder freigegeben werden, so der aktuelle Plan. Die Redaktion hat Fragen und Antworten zum Planungsverfahren, Kritik und dem weiteren Vorgehen zusammengetragen.
Was bedeutet ein Ersatzneubau der Vorlandbrücke?
Der damalige Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte im Juni verkündet, dass die linksrheinische Vorlandbrücke für den Verkehr nicht mehr sicher sei und so schnell wie möglich abgerissen und neu gebaut werden müsse. Dabei erklärte er, die Vorlandbrücke solle als Ersatzneubau eins zu eins wieder aufgebaut werden, also in derselben Größe wie der Bestandsbau. „Damit geht es schneller, weil wir für einen Ersatzneubau kein Planfeststellungsverfahren brauchen“, erklärte Schnieder im Juni.
Sofort nach dem Pressetermin begannen die Vorbereitungen für den Abriss der maroden Vorlandbrücke sowie für die Ausschreibung des Ersatzneubaus.
Wird der Plan jetzt schon umgesetzt?
Ja, die Abbrucharbeiten an der Vorlandbrücke haben begonnen und sollen bis in den späten Herbst abgeschlossen sein. Ende Juli hat die Autobahn GbmH außerdem die Ausschreibung für den Ersatzneubau veröffentlicht. Der Zuschlag soll laut Planung noch vor Weihnachten 2026 erfolgen.

Die Abrissarbeiten für die linksrheinische Vorlandbrücke haben am zweiten Augustwochenende begonnen.
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„Die Ausschreibung ist konsequent auf eine möglichst kurze Bauzeit ausgerichtet“, teilte die Autobahn GmbH hierzu mit. Bei der Ausschreibung handelt es sich um eine sogenannte „funktionale Ausschreibung“, das heißt, Bau und Planung werden gemeinsam vergeben, „um den Unternehmen größtmöglichen Spielraum“ zu geben, „eigene Konstruktions- und Bauverfahrensvorschläge mit dem Ziel einzubringen, die Bauzeit so weit wie möglich zu verkürzen“.
Warum gibt es Zweifel, dass der aktuelle Plan die beste Lösung ist?
Nach Veröffentlichung der Ausschreibung kritisierten die Grünen-Abgeordneten im Landtag aus dem Rhein-Sieg-Kreis die Autobahn für ihr Vorgehen bei der Ausschreibung. Demnach nähmen Autobahn GmbH und Bundesverkehrsministerium ein möglicherweise jahrzehntelanges Provisorium in Kauf, um die Verbreiterungspläne für die Autobahn durchzusetzen.
So erklärten die Grünen mit Blick auf die Ausschreibung für den Ersatzneubau, diese sehe vor, dass die Vorlandbrücke erst einmal schmaler gebaut werden solle, als sie heute ist. „Sie soll lediglich die Hälfte eines späteren Gesamtausbaus bilden.“ Erst nach der Planfeststellung für den gesamten Brückenneubau könne dann die zweite Hälfte dazukommen, sagte Martin Metz, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Sankt Augustin und Mitglied im parlamentarischen Untersuchungsausschuss für Straßenbrücken in NRW, der Redaktion.
Damit würde die Autobahn GmbH einerseits die Verbreiterung der Brücke mit einem dann notwendigen Abriss von Wohngebäuden zu einer Zwangsfolge machen. Andererseits sei es noch Gegenstand des Verfahrens, wann die zweite Stufe des Ausbaus überhaupt stattfinden könne.
Bis zum endgültigen Ausbau wäre damit eine „Baustellen-Verkehrsführung mit schmalen Fahrstreifen vorgesehen, die voraussichtlich bis etwa 2040 bestehen bliebe“, so warnen die Grünen in einer Mitteilung. Das bedeute für die Region eine zusätzliche verkehrliche Belastung.
Was ist offiziell über die Planung für den Ersatzneubau bekannt und was sagt die Autobahn GmbH dazu?
Laut offiziellen Informationen, die die Autobahn GmbH auf ihren Projektseiten zur Verfügung stellt, erfolgt mit dem Ersatzneubau der Brücke „keine Vorfestlegung auf den geplanten Ausbau“. Der Neubau der Vorlandbrücke werde mit vier Fahrspuren geplant und so gestaltet, dass die Fahrstreifen sowohl an eine vier- als auch an eine zukünftige sechsspurige Strombrücke anschließen könnten. Das hatte auch Patrick Schnieder im Juni so angekündigt.
Und das bestätigt auch die Autobahn GmbH auf Nachfrage der Redaktion. Der zeitlich versetzte Bau zunächst einer Richtungsfahrbahn beziehungsweise eines Überbaus, wie es jetzt für die Vorlandbrücke geplant ist, sei unabhängig von der Entscheidung zu einem möglichen späteren Ausbau. Das werde auch bei anderen Ersatzneubauten so gehandhabt.
Die Vorlandbrücke werde in den Dimensionen des heutigen Bauwerks errichtet. „Das heißt, wir bauen in den vorhandenen Grenzen. Sie wird so breit gebaut, dass vier Fahrspuren realisiert werden können. So kann der Verkehr bis zum Bau der zweiten Richtungsfahrbahn sicher über zwei Fahrspuren in beide Richtungen geführt werden“, erklärt die Behörde.
Unabhängig von der Gesamtplanung könne die Vorlandbrücke dann an eine vier- als auch sechsspurige Strombrücke anschließen. Lediglich die Anschlüsse an die bestehenden Bauwerke würden so ausgeführt, dass sie bei zukünftigen Um- oder Neubaumaßnahmen angepasst werden müssten. „Die Auffahrt an der Anschlussstelle Auerberg in Fahrtrichtung Hennef wird zunächst nicht umgesetzt.
Die Wiederherstellung der Auffahrtrampe wird bei den Planungen für den Ersatzneubau der Strombrücke berücksichtigt“, teilt die Autobahn GmbH mit. Es wird also zunächst keine Auffahrt in dieser Fahrtrichtung geben. Wann sie wiederhergestellt wird, dazu machte die Autobahn GmbH keine Angaben.
Was bedeutet das? Wird die Strombrücke erweitert oder nicht?
Das ist noch nicht klar. „Es besteht weiterhin ein gesetzlicher Planungsauftrag für den Ersatzneubau mit sechs Fahrstreifen“, erklärt dazu die Autobahn auf der Projektseite bonnbewegt.de. Die Planung gehe also weiter. Doch diese müsse jetzt auf die Entwicklungen der Vorlandbrücke angepasst werden. „Die gesetzgeberische Grundentscheidung darf nicht unmöglich gemacht werden“, so die Autobahn GmbH auf Anfrage der Redaktion. Daher schaffe der Ersatzneubau der Vorlandbrücke weder Fakten noch Einschränkungen für die Strombrücke.

Die Nordbrücke in Bonn ist seit dem 9. Februar für alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, wie Lkw und den ÖPNV gesperrt. Ausnahmen gibt es nur wenige.
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Insgesamt ist die Nordbrücke (eigentlich Friedrich-Ebert-Brücke) rund 2,8 Kilometer lang und besteht aus 660 Metern linksrheinischer Vorlandbrücke, 520 Metern Strombrücke (über dem Fluss) und 110 Metern rechtsrheinischer Vorlandbrücke. Die Nordbrücke war ursprünglich nicht für so viel Verkehr ausgelegt, wie sie zuletzt tragen musste – rund 100.000 Fahrzeuge fuhren täglich über die Brücke – und weist altersbedingt einen schlechten Zustand auf. Dass die Nordbrücke ersetzt werden muss, ist schon seit rund 20 Jahren bekannt.
Im Bundesverkehrswegeplan 2030, den die Bundesregierung 2016 beschloss, ist der Ausbau der Brücke von heute vier auf sechs durchgehende Fahrspuren beschlossen worden. An ihn müsse sich die Autobahn GmbH halten, hatte Friederike Schaffrath, Leiterin der Außenstelle Köln, im gemeinsamen Verkehrsausschuss für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis im April erklärt. Damals wurde die Frage gestellt, ob eine Verbreiterung der Nordbrücke zwingend notwendig sei. Wann die Entscheidung für eine Variante getroffen wird, ist noch nicht klar.
Wie könnte der Neubau mit Erweiterung aussehen?
Es gibt drei mögliche Varianten, aus denen noch in diesem Jahr eine Vorzugsvariante ausgewählt werden soll. Wegen eines „Fauna-Flora-Habitats“ (ein besonders geschütztes Gebiet nach EU-Recht) nördlich der Brücke auf der rechtsrheinischen Seite sowie der Kläranlage Salierweg auf der nördlichen Seite könne die Brücke lediglich nach Süden erweitert werden, teilt die Autobahn GmbH auf ihrer Projektseite mit.
Für den Neubau und die Verbreiterung wird davon ausgegangen, dass Wohnbebauung abgerissen werden muss. Die Varianten unterscheiden sich lediglich in der Größe der Eingriffe auf die Bebauung nördlich und südlich der Brücke sowie der Menge der Häuser, die für die neue Brücke weichen müssten. Im ungünstigsten Fall sind das mit Stand aus dem Juni 2026 laut Autobahn 20 Gebäude mit etwa 90 Wohneinheiten.
Für den Ausbau müssen die jeweiligen Grundstücke von der Bundesrepublik Deutschland, der Bundesautobahnverwaltung, erworben werden. Diese Käufe können aber erst mit vorliegendem Baurecht und nach dem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens erfolgen.
Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wies die Redaktion darauf hin, dass uns bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme der Autobahn GmbH zu dem Thema vorlag. Nach Veröffentlichung des Artikels, erreichten uns Antworten der Behörde. Diese haben wir inzwischen in den Bericht eingebaut.
