Mitarbeitende arbeiten rund um die Uhr in drei Schichten, um die Wagen bis Mitte August wieder flott machen zu können.
„Sicherheit oberste Priorität“Warum die Bonner Stadtbahnen weiter ausfallen – Stadtwerke äußern sich

Auch die Stadtbahnlinie 66 ist von dem Ausfall der Bonner Stadtbahnen betroffen. Auf ihrer Strecker verkehren teilweise Wagen der KVB. Sie soll aber weiter im Takt fahren. (Archivbild)
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„Stau“ auf der Strecke der Linie 16 Richtung Bad Godesberg meldet am Freitagmittag die Fahrplananzeige in der U-Bahnstation des Bonner Hauptbahnhofs. Die Linie 63, die ebenfalls in den südlichen Bonner Stadtbezirk fährt, soll um 11.47 Uhr den Bahnsteig erreichen – sie kommt aber nicht. Die Anzeigetafel über Gleis U2 kündigt die 63 nun für 11.57 Uhr an, tatsächlich läuft sie fünf Minuten früher ein. Passagiere, die schon entnervt gegangen sind, hasten schnell zurück.
Die Stadtbahnen in Bonn laufen zurzeit nicht im Takt, nachdem, wie berichtet, die Stadtwerke (SWB) Bus und Bahn am Montag wegen technischer Mängel bei einigen überprüften Fahrzeugen 60 von 75 Wagen von der Schiene genommen hatte. Sie werden nun im Dransdorfer Depot genau überprüft, die Werkstattmitarbeiter seien rund um die Uhr in drei Schichten im Einsatz, damit die Waggons bis Mitte August wieder eingesetzt werden könnten, betonte am Freitag in einer Pressekonferenz die SWB-Führung.
Ursachenfindung für Notbetrieb erst nach Abschluss der Untersuchungen möglich
Die ist in den vergangenen Tagen wegen der Bahnpanne heftig kritisiert worden; die Ratsfraktion des Bürger Bunds will sie zum Thema im städtischen Verkehrsausschuss machen und dort unter anderem wissen, wer für den Notbetrieb im Stadtbahnnetz von Bonn, Köln und im Rhein-Sieg-Kreis verantwortlich ist.

„Sicherheit ist das Fundament unseres Handelns“: Vertreter der Stadtwerke informierten über die Stadtbahnen (v. l.): Friedrich-Jörn Zauner, Betriebsleiter SWB Bus und Bahn, Karolin Rübo, Aufsichtsratsvorsitzende von SWB Bus und Bahn, Geschäftsführerin Anja Wenmakes, Konzernchef Marco Westphal, David Lutz, Aufsichtsratsvorsitzender der SWB GmbH, und Gregor Frohne, Bereichsleiter Schienenfahrzeuge.
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Die Konzernspitze demonstrierte am Freitag deshalb demonstrativ den Schulterschluss: „Die gesamte SWB-Gruppe steht zusammen“, betonte der kommissarische Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung, Marco Westphal. Der Aufsichtsratsvorsitzende der SWB GmbH, David Lutz, erklärte, er verzichte „bewusst auf Vorfestlegungen zu Ursachen oder Verantwortlichkeiten, solange die technischen Untersuchungen nicht abgeschlossen sind“.
Bauteile aus 70er Jahren wurden in jüngere Fahrzeugserien eingebaut
Dafür zuständig sind Betriebsleiter Friedrich-Jörn Zauner und der Bereichsleiter Schienenfahrzeuge Gregor Frohne. Sie schilderten, dass Überprüfungen insgesamt zwölf bis 14 Auffälligkeiten an einzelnen Wagen gezeigt hätten. Ob auch Materialermüdung dabei ist, werde analysiert. Festgestellt wurde unter anderem, dass Radsatzwellen aus den 70er Jahren, welche die Räder der Wagen starr miteinander verbinden, in jüngeren Fahrzeugserien eingebaut worden sind.
Es ist nicht auszuschließen, dass das bei dem um 2010 aufgelegten Programm „Aus Alt mach neu“ geschehen ist. Damals wurden alte Stadtbahnwagen entkernt, technisch runderneuert und komplett neu eingerichtet. Eine Million Euro gegenüber einem Neukauf seien seinerzeit pro Stück gespart worden, erklärte Anja Wenmakers, die Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn.
Bislang sind keine Betriebsauffälligkeiten oder Versagen dieser Komponenten bekannt.
Es gibt laut SWB „Dokumentationslücken“ bei Pressverbindungen in Radsätzen, zudem seien nicht zugelassene Getriebeteile eingesetzt worden, auch von technischen Diskrepanzen bei Kupplungssystem ist die Rede. Das Bild sei „komplex“. Trotzdem seien „bislang keine Betriebsauffälligkeiten oder Versagen dieser Komponenten bekannt“, versicherte Betriebsleiter Zauner. Nachdem am Montagvormittag bei einer Routinekontrolle an drei Wagen Abweichungen von der Norm erkannt worden waren, wurde in Absprache mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) – „Sicherheit hat oberste Priorität“ - fast die gesamte Flotte in der Werkstatt gelassen.
Dort wird sie noch bis Mitte August bleiben, bis alle Fahrzeuge so kontrolliert worden sind, dass sie sicher in den Verkehr genommen werden können. Neben den Radsatzwellen schauen die Fachleute auch auf die Federspeicherbremsen, bei der die Bremsbeläge mit Federkraft an die Bremsscheibe gedrückt werden. Die Bremse wirke auch beim Ausfall eines Betätigungsmediums – beispielsweise Druckluft –, sagen die SWB, doch Materialengpässe und ein hoher Verschleiß seien Herausforderungen bei der Instandhaltung.
Jetzige Flotte soll noch bis 2030er Jahre in Bonn und Rhein-Sieg unterwegs sein
Die jetzige Flotte soll noch bis in die 2030er Jahre in Bonn und im Kreisgebiet unterwegs sein. Beim spanischen Hersteller CAF sind 37 Neuwagen bestellt worden, ein Prototyp soll ab Februar oder März 2027 in der Bundesstadt anderthalb Jahre getestet werden, Ende 2028 soll dann sukzessive der Nachschub aus Spanien auf hiesigen Schienen rollen.
Derweil fahren die SWB bis Mitte August in Einzeltraktion auf den betroffenen Strecken. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) helfen den Nachbarn mit 20 Fahrzeugen aus, die allerdings am Wochenende 1./2. August zum Feuerwerksspektakel „Kölner Lichter“ dringend in der Domstadt gebraucht werden. In Bonn greift man dann auf die bewährten Ersatzbusse zurück, bevor die Kölner Leihwagen am 3. August wieder anrücken.
