Hanf auf 500 QuadratmeternWie sich ein Cannabis-Club aus Sankt Augustin auf den Anbau vorbereitet

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Sebastian Schüler, Mitgründer Cannabis-Club Sankt Augustin

Sebastian Schüler, Mitgründer des Cannabis Social Clubs in Sankt Augustin.

Zwischen 350 und 500 Quadratmeter Hallenfläche braucht der Cannabis-Club laut eigener Aussage. Geplant sind zudem eine Abgabestelle und ein Clubheim.

Cannabis-Produkte legal anbauen und verkaufen: Das soll in sogenannten Cannabis Social Clubs möglich sein. Ausschließlich für Mitglieder darf  Cannabis dort kostengünstiger verkauft werden als auf dem Schwarzmarkt.  In Sankt Augustin ist ein solcher Club gerade in Gründung, ebenso in Troisdorf, Bonn und Köln. Im Rhein-Sieg-Kreis sind inzwischen 250 Menschen Mitglieder.

Im Februar 2024 hat Sebastian Schüler erstmals nach Cannabis Social Clubs (CSC) gesucht und ist dabei schnell auf den Dachverband gestoßen. Der Dachverband hat in Deutschland inzwischen rund 180 Zweigvereine gegründet, einen davon in Sankt Augustin. Da hat sich der 40-Jährige reingehängt, jetzt ist er Ansprechpartner und will Vorstand werden.

Einen Joint ab und zu genießen, wie andere ein Glas Wein trinken oder eine Zigarette rauchen

Cannabis ist für Sebastian Schüler ein berauschender Wirkstoff wie Tabak und Alkohol. „Es ist im Menschen genetisch verankert, dass wir solche Stoffe nutzen“, berichtet der 40-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Mit 22 Jahren habe er das erste Mal einen Joint geraucht. Bis heute sei er dabei geblieben. Schüler unterscheidet jedoch genau zwischen Sucht und Abhängigkeit. „Ich genieße ab und zu einen Joint, wie andere ein Glas Wein trinken oder eine Zigarette rauchen. Ich werde aber nicht nervös, wenn ich kein Cannabis bekomme.“

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Er begrüßt als Nutzer, dass diese Droge jetzt ganz offiziell konsumiert werden darf:  „Mir ist wichtig, dass alles auf gesetzlicher Grundlage passiert“, beschreibt er seine Motivation, sich den Cannabis Social Clubs anzuschließen. Ins Vereinsregister eingetragen werden darf der CSC Sankt Augustin aber erst, wenn ab dem 1. Juli das Gesetz offiziell in Kraft tritt. Das hat der Bundestag am 23. Februar 2024 beschlossen.

„Zurzeit wird unsere Satzung erstellt“, so Schüler über die Vorbereitungen der rheinischen Gruppe. Deshalb gebe es noch kein Vereinsheim und keine Halle für eine Plantage.

Cannabis wird in Sankt Augustin in einer speziellen Halle mit einer Fläche von 500 Quadratmetern angebaut

Die Planungen für den Anbau der Hanfpflanzen in Sankt Augustin sind jedoch schon sehr konkret. „Zwischen 370 und 500 Quadratmeter Hallenfläche brauchen wir“, so Schüler. Ein Raum ist für die Anzucht gedacht, es gibt einen Mutter- sowie einen Blütenraum. Dort wird geerntet, deshalb nimmt der Blütenraum die meiste Fläche ein. Dazu käme noch eine Fläche für die Verarbeitung.

Geplant sind zudem eine Abgabestelle und später ein Clubheim. Dort dürfte jedoch kein Cannabis konsumiert werden. Um die sechs Euro wird das Gramm im Club kosten; im Straßenverkauf werden zurzeit um die zehn Euro bezahlt. „Mit dem Club möchten wir den Schwarzmarkt austrocknen und den Kriminellen die Geschäftsgrundlage entziehen“, sagt Schüler. Nur Mitglieder dürfen im CSC Sankt Augustin Cannabis beziehen. Nicht mehr als 50 Gramm pro Monat.   

4,5 Millionen Erwachsene haben nach einer Erhebung im Jahr 2021 in den vergangenen zwölf Monaten wenigstens einmal Cannabis konsumiert, so das Bundesgesundheitsministerium. 10,7 Prozent der Männer sowie 6,8 Prozent der Frauen in Deutschland, am häufigsten wurde es in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen konsumiert. Die Droge sei nicht ohne Gefahr.

Der Konsum von Cannabis kann die Entwicklung des Gehirns bei Jugendlichen stören

Das Ministerium weist darauf hin, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aufgrund des Reifeprozesses des Gehirns bis zu einem Lebensalter von 25 Jahren besonders anfällig für psychische, physische und soziale Auswirkungen eines langfristigen, aber auch eines kurzfristigen Cannabiskonsums seien. Vor allem der Inhaltsstoff THC könne die Gehirnentwicklung stören.

Es konnte, so das Ministerium, ein Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum bei Jugendlichen und schulischen Leistungen sowie Ausbildungsniveau gezeigt werden. Cannabis-Konsumierende hätten eine höhere Schulabbruchrate, eine geringere Beteiligung an universitärer Ausbildung und weniger akademische Abschlüsse. 

„Das alles ist bekannt“, bestätigt Schüler. Deswegen dürften Jugendliche auch nicht Mitglied im Club werden. Erst ab 18 Jahren sei dies erlaubt. Bis zum Alter von 21 Jahren bekämen diese Mitglieder nur Cannabis mit einem THC-Gehalt von höchstens zehn Prozent. Zusätzlich stehe im Club  ein Suchtberater bereit, der die Mitglieder über die Gefahren der Droge informiere.

In Sankt Augustin sollen im Club keine neuen Konsumenten für Cannabis gewonnen werden 

„Wir wollen keine neuen Konsumenten gewinnen, wir möchten nur die bestehenden Nutzer aus der Illegalität holen“, so Schüler. Bundesweit habe der CSC inzwischen schon 18.000 Mitglieder. Mit dem Clubeitrag werden die Drogen bezahlt. Er beträgt mindestens zehn Euro pro Monat, auch 25, 50 oder 100 Euro sind möglich.

Maximal 25 Gramm können pro Besuch mitgenommen werden, der THC-Gehalt des Cannabis für Mitglieder ab 21 Jahren beträgt dann zwischen 20 und 30 Prozent, sie können aber auch Cannabis mit weniger THC-Gehalt bekommen. „Es ist immer eine persönliche Entscheidung, wie hoch die Droge dosiert ist,“ so Schüler. Erste Abgaben könnten jedoch nicht vor Januar 2025 erfolgen, so Schüler. Denn das Cannabis müsste erst angebaut und geerntet werden. Das brauche seine Zeit.