Freizeitbad Oktopus SiegburgBezahlen nur in der App möglich – Senioren verärgert

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Stephanie Reschke kritisiert das bargeldlose Zahlungssystem im Freizeitbad Oktopus.

Siegburg – 35 Grad im Schatten, die Kreisstadt ächzt unter der Hitze, was gibt es an so einem Tag Schöneres, als einen spontanen Abstecher ins Oktopus, ein paar Bahnen schwimmen oder einfach im Schatten der Bäume faulenzen. Doch mit der Spontaneität ist es so eine Sache: Im Zuge der Corona-Pandemie wurde ein Online-Ticketsystem eingeführt, das sich auch weitgehend bewährt hat. Doch nicht jeder kommt damit zurecht.

Stephanie Reschke aus Kaldauen moniert, dass die technische Hürde für Senioren zu hoch sei, die nicht so mit PC und Smartphone vertraut sind wie jüngere Oktopus-Kunden. „Diese Gruppe wird von der Nutzung ausgeschlossen“, kritisiert sie, und das dürfe nicht so sein.

Bis vor kurzem habe es noch die Möglichkeit gegeben, im ersten Stock des Oktopus ein Ticket zu kaufen, doch auch diese Möglichkeit wurde eingestellt. Den Nutzern jetzt die Eintrittskarten im Stadtmuseum oder in der Touristinformation im Bahnhof anzubieten, sei eine „Frechheit“.

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Stephanie Reschke beschwerte sich über das Bezahlsystem im Oktopus. Ein Automat mit Münzeinwurf für Freibad-Tickets ist seit Jahren außer Betrieb.

Von Einzelfällen spricht auf Anfrage der Redaktion Andreas Roth, stellvertretender Vorstand der Siegburger Stadtbetriebe. Nach seiner Beobachtung kämen die meisten Senioren problemlos mit der App zurecht. „Die Sache funktioniert unserer Ansicht nach gut.“ In Grenzen hielten sich die Ticketverkäufe in der Stadt: 62 Buchungen wurden dort zum Stichtag 30. Mai gezählt.

Bis zu 5000 Badegäste

Betriebsleiter Rene Kienow zufolge gibt es keine starke Kontingentierung mehr für die Oktopus-Tickets, wie sie die Corona-Pandemie erforderlich gemacht hatte. An einem heißen Sommertag etwa könnten zwischen 4000 und 5000 Gäste eingelassen werden. Die Zahl der angebotenen Tickets müsse aber an das jeweils verfügbare Personal angepasst werden. (ah)

Roth zufolge verursachte der Ticketverkauf an der Kasse einen enormen Personalaufwand: Nicht nur durch die nötige Präsenz, sondern auch um die Kasse zu führen und abends zu prüfen. „Nicht, dass wir jemandem nicht trauen“, so Roth, aber wenn die Kasse einmal nicht stimme, sei es für die Beschäftigten unangenehm, sich dazu erklären zu müssen. Er ist überzeugt, dass dem bargeldlosen Online-Bezahlen die Zukunft gehört: „Da gibt es kein Zurück.“

Geplant sei zudem, das Registrierungsverfahren in der App zu vereinfachen, etwa durch den Verzicht auf die Angabe einer Adresse.

Stephanie Reschke mag nicht glauben, dass es nur einzelne Badegäste sind, die mit der Technik Probleme haben, das entnehme sie vielen Gesprächen. Sicher ist sie zudem, dass sich viele einfach nicht beschweren und stillschweigend auf den Oktopus-Besuch verzichten. „Viele haben schon aufgegeben.“ Dabei sei Schwimmen für die Gesundheit Menschen besonders wichtig.

Erschwerend komme hinzu, dass viele den elektronischen Bezahlsystemen misstrauen. So sieht die App neben der unkomplizierten Zahlung per Paypal auch eine Reihe anderer Möglichkeiten vor. „Senioren sind nicht dumm“, sagt die 67-Jährige allerdings, immer wieder werde ihnen gesagt, dass sie ihre Bankverbindung nicht ohne weiteres preisgeben sollen, um nicht Opfer von Betrügereien zu werden. Lösungen mit der herkömmlichen Barzahlung gebe es in anderen Bädern schließlich auch.

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Im vergangenen Jahr hatte sie sich an Bürgermeister Stefan Rosemann gewandt, da Tickets nur ab Mitternacht und für wenige Minuten zur Verfügung standen. Rosemann sorgte dafür, dass der Zeitpunkt auf 8 Uhr morgens verlegt wurde. Auch jetzt wandte sie sich wieder an den Verwaltungschef, erhielt aber bislang keine Antwort.

Auf Anfrage der Redaktion sagte Rosemann, die Thematik sei ihm bekannt. Er werde Kontakt zu Stephanie Reschke aufnehmen und die Angelegenheit noch einmal fachlich prüfen lassen.

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