Die größte Eulenart ist mittlerweile im ganzen Kreisgebiet heimisch, bleibt aber gerne unbeobachtet.
Uhus am MichaelsbergSiegburgs lautlose Nachtjäger

In Oberkassel ließen sich junge Uhus fotografieren.
Copyright: Matthias Overmann
Es ist nicht viel mehr als die Ahnung eines Schattens im Gras, dann die Silhouette eines mächtigen Vogels, der aus der Höhe der Abtei herabfliegt, über dem Johannistürmchen auftaucht und schließlich in der Ferne, im Dunst über den Siegauen verschwindet. Zu groß ist die Spannweite für einen Waldkauz, auch für einen Bussard. Seit ein paar Jahren steht fest, dass Uhus am Michaelsberg heimisch sind. Spätestens seitdem Landschaftsgärtner 2023 das Konzept für das Wahrzeichen Siegburg umsetzten und bei ihrer Arbeit auf ein Pärchen und drei Jungtiere Rücksicht nahmen.
Ob es sich dabei immer noch um die gleichen Tiere handelt, die sich ab und zu auch mit den typischen Uhu-Rufen bemerkbar machen, weiß Matthias Overmann nicht. Aber der Biologe und Artenschutzexperte des Rhein-Sieg-Kreises kennt sich mit der größten Eulenart Europas bestens aus und hat auch den Brutplatz an der Abtei ausgemacht, in der aktuell Uhus leben: zwei ausgewachsene Exemplare mit wahrscheinlich zwei bis drei Jungtieren.
Auswilderungsprogramme brachten den Erfolg
„Ich freue mich jedes Mal, ob ich eine Eule sehe, eine Schleiereule, eine Waldohreule oder einen Steinkauz“, schildert der 36-Jährige, der sich privat beim NABU und bei der Bergischen Greifvogelhilfe in Rösrath engagiert. Zahlreiche Meldungen im Rhein-Sieg-Kreis, nicht nur in Siegburg, sondern an vielen Kiesgruben und im Siebengebirge etwa, sieht er als Erfolgsgeschichte: Schon in den 80er-Jahren habe es Auswilderungsprogramme gegeben, was sich jetzt auszahle.
Auf knapp 1,70 Meter Spannweite könne es ein Weibchen bringen, das rund ein Drittel größer sei als das Männchen. Die größere Körperfülle ermögliche es, das Nest besser zu wärmen und Angreifer abzuwehren, während es Aufgabe des Terzels sei, die Ernährung sicherzustellen. Zwei bis drei Eier fänden sich normalerweise im Gelege, mitunter aber auch bis zu fünf. Größer als der europäische Uhu wird nur seine sibirische Unterart.

Dank fein gezahnter Federn können Uhus - hier ein präpariertes Exemplar - fast lautlos fliegen.
Copyright: Andreas Helfer
Nischen und Abbruchkanten seien bei den Vögeln sehr beliebt, die aber auch in Industrieanlagen passende Unterschlupfe finden, etwa im Maschinenpark einer Kiesgrube. „Sie mögen es nicht, beobachtet zu werden“, stellt Overmann fest. Baufahrzeige, die an ihrem Brutplatz vorbeifahren, seien für den Uhu kein Problem. „Ein Bauarbeiter mit gelbem Helm, der ihn mit dem Fernglas beobachtet, schon.“
Druck durch mangelnde Brutplätze
Ein aktiver Kulturfolger wie der Turmfalke oder die Schleiereule, die in alte Kirchtürme und Scheunen zieht, sei der Uhu nicht. „Die Nähe des Menschen sucht er nicht aktiv.“ Es gebe schon Druck durch mangelnde Brutplätze. „Manche Uhus sind sehr scheu, andere haben kein Problem mit der Nähe zu Menschen. Das ist sehr individuell.“

Das Foto von einem ausgewachsenen Uhu gelang Matthias Overmann am Weilberg im Siebengebirge.
Copyright: Matthias Overmann
„Uhus haben die Nacht für sich entdeckt“, schildert Overmann und demonstriert eine besondere Eigenart des Gefieders an einem ausgestopften Exemplar: An den äußeren Enden der Schwingen finden sich feine kleine Zähne, die Verwirbelungen auslösen, die den Flug des Uhus fast lautlos machen. Auf den Federn findet sich zudem ein feiner Flaum, der den Effekt noch verstärkt. „Der Uhu ist vor allem nachtaktiv und ist bei der Jagd auf sein feines Gehör angewiesen.“ Auch sonst fällt er nicht gern auf, sitzt etwa gern in der Nähe des Stamms auf einem Baum, wo sein Gefieder neben der Rinde kaum auszumachen ist.
Tollpatschiger Flugversuch eines Jungvogels
Vor zwei Jahren hätten sich mehrere Spaziergänger bei ihm gemeldet, weil ein Uhu relativ knapp über sie hinwegflog. „Der hat sich wahrscheinlich gestört gefühlt und ein bisschen signalisiert, dass man nicht näher herkommen sollte.“ Ansonsten seien solche Scheinangriffe nicht gefährlich. Er selbst habe in einer Mauernische schon Jungvögel sitzen gesehen – und einmal fand er einen abgestürzten Jung-Uhu, der sich bei einem seiner ersten Flugversuche wohl etwas tollpatschig angestellt habe. Overmann brachte ihn zur Bergischen Greifvogelhilfe nach Rösrath, wo er kurz aufgepäppelt wurde, aber auch schnell zum Michaelsberg zurückgebracht werden konnte.

Artenschutzexperte Matthias Overmann mit einem Steinkauz.
Copyright: Matthias Overmann
„Der Uhu ist ziemlich weit oben in der Nahrungskette, der fängt von oben alles runter“, so Overmann. Krähen, Tauben, auch kleinere Eulen seien potenzielle Beute, auch Mäuse Ratten und Insekten. „Der Uhu ist opportunistisch, der holt sich, was er kriegt. In einem Gewölle hab ich auch schon Reste von Hirschkäfern gesehen.“ Krähen seien clever und griffen manchmal gemeinsam einen Uhu an. „Die müssen aber aufpassen, das kann auch nach hinten losgehen.“
Probleme gebe es mitunter durch den Nestraub durch Waschbären, wie ihn ein Eulenschutzverein im Ahrtal per Wildkamera dokumentierte. „Ein Uhu-Weibchen kann sich gegen einen Waschbären wehren, aber nicht immer.“ Eine bedrohte Seltenheit jedenfalls, wie in den 1980ern noch, sei der Uhu jedenfalls nicht mehr. „Der Uhu ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Wiederansiedlung.“
