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Tücher, Schwert, Hut und HumpenWie man mit wenigen Accessoires drei Kostüme kreieren kann

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Mit einem Basis-Outfit bastelt Talena Rheingold (Mitte) drei verschiedene Kostüme für ihre Freunde.

Mit einem Basis-Outfit bastelt Talena Rheingold (Mitte) drei verschiedene Kostüme für ihre Freunde, Nadine Weißenfels (links) und Niklas Bersem.

Talena Rheingold, Inhaberin von „Rheingold“ in Siegburg, erzählt von Tipps und Tricks für nachhaltige, langlebige Kostüme – nicht nur zu Karneval.

Kaum klingelt die Glocke über der Tür im Siegburger Rheingold-Geschäft, schon wuselt Inhaberin Talena Rheingold fröhlich durch den Laden, um zu schauen, wie sie helfen kann. Zwar ist ihr Geschäft vor allem für den Bedarf von Mittelalter- und Fantasy-Fans ausgerichtet, aber wer sich für die Karnevalssession eindecken will, kann auch fündig werden, und zwar ganzjährig – vor allem, wenn das Ziel sein soll, auf einer einfachen Kostüm-Basis viele Varianten zu kreieren.

Dafür hat Talena Rheingold ein paar Tipps auf Lager: „Man kann ganz einfach mit einer Bluse und Rock oder Hose anfangen und dann mit Ergänzungen unzählige verschiedene Kostüme schaffen“, sagt sie. Das präsentiert sie an ihren zwei Freunden, die zur Anprobe gekommen sind.

Beim Basis-Outfit fängt es an: Je nach Accessoire wird man Wikinger oder Pirat

Beide kleidet sie zunächst in ein „Basis-Outfit“, wie sie es nennt. Nadine Weißenfels, Schustermeisterin beim nahegelegenen Schuhmacher Heinz Becker in Siegburg, erhält eine rote Bluse mit langen Ärmeln und einen grünen langen Rock – Farben, die sie auch sonst mag. Um flexibel mit Kostümen und Outfits zu sein, empfiehlt Talena Rheingold einen Rock oder eine Hose anstatt beispielsweise eines Kleides: „Da kann man viel besser kombinieren und austauschen, beim Kleid ist man sehr schnell festgelegt.“

Niklas Bersem schlüpft in eine braune Hose und ein weißes Hemd. Aus Niklas und Nadine werden in der nächsten halben Stunde wahlweise Hexe, Piratin und Pirat, Wikinger, Schankmaid oder mittelalterlicher Bauer, je nach Accessoire und Kleidungsergänzungen. 

Ich habe oft Kunden, die bestimmte Teile suchen und kombinieren wollen.
Talena Rheingold, Inhaberin des Rheingold-Geschäfts in Siegburg

Man müsse dabei auch nicht ein gesamtes Ensemble direkt im Laden zusammenstellen, erklärt die Inhaberin. Auch die Basiskleidung müsse nicht aus ihrem Geschäft stammen, sie könne mitgebracht werden. „Ich habe oft Kunden, die bestimmte Teile suchen und kombinieren wollen. Ich bitte sie dann immer, mit den Sachen, die sie schon zu Hause haben, herzukommen, damit wir gemeinsam zusammenstellen können, was sie sich wünschen.“

Für Niklas Bersem sucht sie schnell einen halblangen Fellumhang heraus und hängt ihm den um die Schultern, dazu eine Fellmütze und eine Axt; mit wenigen Handgriffen ist aus ihm ein Wikinger geworden. 

Für Nadine Weißenfels kommen ein Gürtel hinzu, eine schwarze gebundene Weste, ein Hut und ein Zauberstab. Damit lässt sich ein klassisches Hexenkostüm schaffen.

Nachhaltige Kleidungsstücke können jahrelang Kostüm-Varianten bereichern

Talena Rheingold ist es wichtig, dass die Kleidungsstücke auch alltagstauglich sind. „Fast alles hier ist in der Maschine waschbar und ist aus wertigen Stoffen gefertigt. So hat man lange was davon und kann jahrelang kombinieren und tauschen. Tauscht man den Rock aus, hat man direkt ein ganz neues Outfit“, erklärt sie. Das sei nachhaltiger, als sich ein ganzes Kostüm aus Polyester anzuschaffen, das zwar komplett aufeinander abgestimmt sei, aber wenig aushalte.

„Man kann überall nach passenden Teilen und Accessoires für das gewünschte Outfit schauen“, sagt Talena Rheingold, ob auf dem Flohmarkt, in Second-Hand-Läden oder bei der Großmutter zu Hause. „Viele ältere Frauen haben noch solche Dreieckstücher aus Stoff, die sich gut kombinieren lassen.“ Natürlich hätten auch viele Leute eine oder mehrere Karnevalskisten zu Hause, auch hier lasse sich alles mögliche zusammenstellen. Wichtig seien einfach der Spaß und das Ausprobieren.

Vom Wikinger und von der Hexe zum Pirat, nur mit Hut und Tuch

Bei Talena Rheingold liegen die Preise für eine Stoffbluse oder Hemd bei etwa 45 Euro und für Hose oder Rock bei 69 bis 75 Euro. Preise, wie man sie auch bei Alltagskleidung durchaus in gängigen Markengeschäften findet. „Mein Fokus liegt immer auf der Qualität, die soll gut sein“, betont Talena Rheingold. Es solle sich gut tragen. Dafür teste sie bei neuen Lieferanten ihrer Stücke auch oft den Tragekomfort selbst.

Um ihre beiden Models noch einmal zu verwandeln, läuft sie durch ihren Laden, kramt hier und da und bindet beiden schließlich ein Kopftuch um und setzt ihnen einen Dreispitz auf. Niklas Bersem bekommt noch eine Weste und ein Schwert, Nadine Weißenfels einen Bierhumpen. Jetzt stehen zwei Piraten im Geschäft. Es brauche insgesamt nur ein paar Teile, etwas Kreativität, und schon ließen sich die unterschiedlichsten Kostüme und Kleidungsensembles kreieren. 

„Ich liebe es einfach, Menschen zu verwandeln“, sagt Talena Rheingold. „Um das beste rauszuholen aus dem, was sie sich wünschen. Und ich will, dass sie sich wohlfühlen.“ Natürlich gebe es für sie aber nicht nur den Karneval: „Ich verkaufe ja das ganze Jahr über und viele kommen auch, um sich für Mittelaltermärkte und Conventions einzudecken.“


Rheingold, der Laden für Mittelalter und Fantasy, Annostraße 9, Siegburg, Webseite: www.rheingold-shop.de