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Rechtsanspruch kommtExpertinnen fordern drittes Frauenhaus im Rhein-Sieg-Kreis

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Zwei Frauen mit einem Schild. 3. Frauenhaus für den Rhein-Sieg-Kreis steht darauf.

Ein drittes Frauenhaus für den Rhein-Sieg-Kreis fordern nicht nur Jana Bach (links) und Alexandra Fausten

Auf die dringende Notwendigkeit von mehr Schutzplätzen für Frauen hat der Verein Frauen helfen Frauen hingewiesen.

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 308 Frauen umgebracht, weil sie Frauen waren. Sie wurden von Partnern oder Ex-Partnern getötet, fast jeden Tag eine Frau. Fast dreimal so hoch ist die Zahl der Tötungsversuche mit 938. Und die Dunkelziffer, so betonen die Fachleute, ist groß.

Klein, zu klein, ist hingegen auch im Rhein-Sieg-Kreis die Zahl der Plätze in Frauenhäusern. Die Zufluchtsorte in Troisdorf und Sankt Augustin sind stets voll belegt, im Linksrheinischen gibt es gar keine. „Wir fordern seit Jahren das dritte Frauenhaus“, sagt denn auch Jana Bach aus dem Team von Frauen helfen Frauen, dem Träger des Frauen- und Kinderschutzhauses in Troisdorf. Bislang ohne Erfolg.

Investoren aus Troisdorf bieten erneut den Bau eines Hauses an

Dabei, so berichten Bach und ihre Kollegin Alexandra Fausten, gibt es seit nunmehr drei Jahren das Angebot eines Paares aus Troisdorf, ein Haus zu bauen und an den Träger zu vermieten. Die beiden Unterstützer der Frauenhausarbeit hatten bereits das Frauen- und Kinderschutzhaus in Troisdorf errichtet und an den Träger vermietet. Nun bieten sie an, das noch einmal zu tun. Aber, so die Sorge von Bach und Fausten, „das Angebot steht ja nicht unendlich.“

Kinderroller, Dreiräder und Rutscherautos.

Bis zu 18 Kinder können im Frauen- und Kinderschutzhaus Troisdorf aufgenommen werden.

Um den Startschuss für die Verwirklichung des Vorhabens zu geben, ist eine Kostenzusage des Landes notwendig: Für die laufenden Kosten – vor allem Personal – ist das Land zuständig. Die Sachkosten werden über Leistungsvereinbarungen mit dem Rhein-Sieg-Kreis finanziert, was dann noch übrig bleibt, über Spenden.

Unterstützung findet das Vorhaben im Kreistag und bei Landrat Sebastian Schuster. In einem Schreiben an Karin Prien, die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, machte Schuster den „dringenden Handlungsbedarf aus kommunaler Sicht“ deutlich. Der Bedarf an zusätzlichen Schutzplätzen sei unstrittig; nun seien in Absprache zwischen Bund und Ländern klare Rahmenbedingungen erforderlich, um konkrete Planungen aufzunehmen.

Diesen Rahmen setzt eigentlich das Gewalthilfegesetz des Bundes, das im Februar 2025 in Kraft trat. Das sieht unter anderem den Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus vor, der ab dem 1. Januar 2032 gelten soll. Mit 2,6 Milliarden Euro beteiligt sich der Bund bis 2036 an den Kosten für den Ausbau des Hilfesystems, Frauenhäusern und Beratungsstellen. Eine große Summe, die sich dennoch anfühle „wie ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Alexandra Fausten. Denn es fehlten nicht nur Plätze für schutzsuchende Frauen und ihre Kinder; längst nicht alle Frauenhäuser könnten den Standard der Einrichtung in Troisdorf bieten.

Da müsste man langsam mal anfangen
Jana Bach zum nötigen Ausbau der Plätze in Frauenhäusern

90 Frauenhausplätze fehlen nach den Berechnungen des Vereins Frauen helfen Frauen allein im Rhein-Sieg-Kreis; in ganz Deutschland sind es 14.000. „Da müsste man langsam mal anfangen“, findet Jana Bach. Auch ein drittes Frauenhaus im Kreis würde ja nicht von heute auf morgen entstehen: „Wir sprechen vielleicht von 2028 oder später“.

Schon seit Jahren erschwert die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt die Arbeit in den Frauenhäusern. Frauen, die als stabil genug eingeschätzt werden, um auszuziehen, könnten das oft erst nach vielen Monaten, weil sie keine Wohnung finden. Mit zwei Frauen und ihren Kindern feiert das Team in diesem Jahr das zweite Weihnachtsfest im Frauenhaus – bislang waren alle Bemühungen um eine eigene Wohnung nicht von Erfolg gekrönt. Und so werden Plätze nicht frei, die für akut bedrohte Frauen in Not gebraucht würden.

Auch Wohnungsämter im Rhein-Sieg-Kreis können nur selten vermitteln

Wenig Hoffnung setzen Jana Bach und Alexandra Fausten auf die Treffen mit Vertretern der kommunalen Wohnungsämter in zehn Jahren Arbeit im Troisdorfer Frauenhaus habe sie zwei oder drei Fälle erlebt, wo eine Vermittlung über ein Wohnungsamt gelang. „Die Vermieter bekommen drei Personen vom Wohnungsamt vorgeschlagen“, weiß Fausten.

Auch da gebe es Konkurrenz und oft entschieden sich die Vermieter dann gegen die Frauen aus dem Schutzhaus. Ein weiteres Merkmal der Benachteiligung von Frauen, betont Alexandra Fausten. „Die Frauen flüchten und die Täter bleiben in ihrem Umfeld, in ihrem Job“.